21 February 2010

Chapter 32

Als ich mich umgezogen hatte, kam ich wieder ein bisschen runter. Umgezogen hatte ich mich nicht direkt, ich hatte nur die nassen Sachen ausgezogen und ein großes Handtuch um mich gewickelt. Das hat er ja echt ganz toll hinbekommen. Ich weiß schon warum ich alleine wohne, genau aus dem Grund! Ich bin ja eigentlich nicht so zimperlich mit meinen Sachen aber an den Hosen hänge ich und bin vielleicht etwas empfindlich. So hatte er sich das sicher nicht vorgestellt als er auf die dumme Idee kam mich direkt in die Dusche zu zerren. Ich blieb am Fenster stehen und sah raus. Es dauerte auch gar nicht lange, bis die Tür aufging.
Neugierig drehte ich mich wieder um und sagte erst mal nichts. Rafa lief ohne mich zu beachten zu seinem Koffer und suchte was zum anziehen. Ich kaute derweil auf meiner Unterlippe und dachte nach. Irgendwie fühlte ich mich jetzt schlecht, ich wollte nicht so ausflippen wegen eigentlich nichts. Zwar kenne ich Rafa noch nicht so lange aber sein Gesicht machte nachfragen überflüssig, ich weiß das er sauer ist. Ohne einen Ton zu sagen lief er dann wieder aus dem Zimmer. Wieso fühlte ich mich plötzlich so unwohl? Ich will doch nicht mit ihm streiten! Ein paar mal holte ich tief Luft bevor ich das Zimmer verließ um nachzusehen wo er ist. Lange suchen musste ich auch nicht, er saß vor dem Fernseher und beachtete mich nicht.
Ein paar Sekunden blieb ich stehen und beobachtete ihn. Am liebsten würde ich mich neben ihn setzen aber das ist im Moment wohl keine gute Idee. Das er von sich aus nichts sagen würde wusste ich also lag es an mir etwas zu sagen. „Es tut mir leid“ Sagte ich dann kleinlaut und blieb im Türrahmen stehen. „No, muss es nicht. Wenn dir deine Sachen wichtiger sind als ich kann ich es auch nicht ändern. Vielleicht hättest du ja zu Hause bleiben sollen, dann müsstest du jetzt keine Angst haben das ich irgendwelche Sachen von dir zerstöre“ Ich schluckte einfach nur und hatte Mühe die Fassung zu bewahren. Er hielt es nicht mal für nötig mich anzusehen. Wenn er mich so eiskalt abblitzen lässt, könnte ich ihn umbringen.
Es überrascht mich immer wie er es schafft so was ohne jegliche Emotion zu sagen. Normalerweise ist er nicht so abgebrüht. Mir fehlten spontan die Worte. Was sollte ich darauf auch antworten? Er kann unmöglich ernst gemeint haben das ich hätte zu Hause bleiben sollen. Fieberhaft suchte ich nach einem Weg um die Lage zu entschärfen. Wir sehen uns schon nicht lange, ich habe keine Lust wegen sinnlosen Dingen mit ihm zu streiten. Warum soll ich eigentlich einlenken? Ich habe doch schon gesagt, dass es mir leid tut. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass es hier schon lange nicht mehr um die Hosen geht. Was ich wirklich wollte war es ihm mit gleicher Münze heimzuzahlen, ich war zu sehr in Rage um mich zu beruhigen. „Wahrscheinlich hast du Recht. Du musst keine Angst haben das ich dich bei zukünftigen Turnieren mit meiner Anwesenheit belästige. Falls ich gehen soll sage es und ich bin weg“ Er sagte gar nichts mehr also drehte ich mich um und knallte die Tür nach mir zu.

Ganz toll, so hatte ich mir das vorgestellt! Es ist ja nicht zu glauben. Vor ein paar Stunden freute ich mich noch richtig darauf Rafa zu sehen und was hatte ich jetzt davon? Jetzt werfen wir uns im Affekt Bosheiten an den Kopf, die wir später bereuen werden. Ich bereute es zumindest, das mit den Turnieren war nur um ihn zu ärgern. Klar fahre ich hin wenn er mich lässt. Es regt mich auf das er nicht nachgibt und einlenkt. Wenn ich jetzt wieder rübergehe und etwas sage, nutzt es das doch wieder als Steilvorlage um mir eine gemeine Antwort zu geben. Da ich ja irgendwie reagieren musste, lief ich wieder rüber und setzte mich dann doch direkt neben ihn.
Ich versuche es einfach mit einem direkten Angriff. Es war Absicht, die Couch war groß genug das ich hätte woanders sitzen können. In der Stimmung wie er eben ist fühle ich mich zwar leicht unbehaglich neben ihm aber das nutzt alles nichts, mit Worten erreiche ich im Moment nichts bei ihm. „Was willst du?“ Fragte er dann nur und sah weiter auf den TV. Er versteht nicht mal etwas von dem was da kommt, da liefen arabische Schriftzeichen von rechts nach links durch das Bild. Ich weiß, dass er mich damit ärgern will, manchmal ist er wie ein kleines Kind. Ich lehnte mich nach vorn und drückte auf die Fernbedienung, ein paar Sekunden später wurde der Bildschirm dunkel.
Erst dachte ich das würde ihn dazu bewegen mich anzusehen aber da lag ich natürlich falsch, er drehte seinen Kopf zur Seite und sah jetzt erst recht von mir weg. Ich rückte noch näher an ihn, näher ging es nicht mehr. „Es tut mir leid, ich habe das nicht so gemeint vorhin. Ich war nur überrascht und dann habe ich überreagiert“ Sagte ich nochmal aber er blieb mit verschränkten Armen sitzen. Das spornte mich erst recht an etwas zu unternehmen um ihn zu einer Reaktion zu verleiten. Ich legte meinen Kopf an seine Schulter ab er blieb weiterhin stur also küsste ich ihn am Hals. Erst reagierte er nicht aber er konnte dann wohl nicht anders und legte seinen Kopf schief. Das wertete ich als positives Zeichen und küsste ihn weiter. Hilfe, ich könnte direkt auf unanständige Gedanken kommen! Ganz so einfach werde ich es ihm aber auch nicht machen also hörte ich wieder auf. „Willst du jetzt ewig einen auf eingeschnappt machen? Ich meine, so lange sehen wir uns nicht und ich will nicht mit dir streiten weil wir dazu keine Zeit haben“ “Ich hasse es wenn du Recht hast“ Kam es dann nur. Er drehte seinen Kopf zu mir und sah mich ein paar Sekunden neutral an.
„Warum flippst du gleich so aus?“ “Das wollte ich nicht. Das sind nur meine Lieblingshosen, die waren mal weiß und ich habe die gefärbt. So richtig hält die Farbe aber nicht daher wasche ich die nur wenn es sein muss. Ich bin vielleicht etwas zu empfindlich bei dem Thema“ Er umarmte mich und schüttelte langsam mit dem Kopf. “Das hättest du doch auch eher sagen können, ich kann das doch nicht riechen“ “Hätte ich ja nur wusste ich nicht was du planst“ Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber sein Lächeln erschien wieder.
„Was ich geplant hatte willst du lieber nicht wissen“ Ich musste lachen und konnte mir schon sehr genau ausmalen was er geplant hatte. „So schwach ist meine Fantasie auch nicht ausgeprägt das ich nicht darauf komme“ „Und jetzt?“ Fragte er mit einer hochgezogenen Augenbraue, was mich noch mehr zum lachen brachte. „Vergiss es einfach“

Ein paar Minuten blieben wir sitzen und sahen uns nur gegenseitig an. „Du siehst wirklich gut aus mit dem Handtuch“ Kam es dann plötzlich mit einem schüchternen Lächeln. Ich sah kurz an mir nach unten und sah ihn dann wieder an. „Ich dachte mir es lohnt sich nicht erst etwas anzuziehen“ Ich dachte er zieht mich früher oder später sowieso wieder aus also warum erst etwas anziehen? “Da könntest du Recht haben“ Meinte er dann noch. Ich legte meine Arme um seinen Hals und zog ihn näher zu mir. „Nicht das du glaubst ich bin nur hier weil ich dich ins Bett kriegen will“ Sein Lächeln ging fast vom einen Ohr zum anderen.
„Wenn das nicht so ist warum bist du dann hier?“ Kurz dachte ich nach und da wurde mir klar, dass ich mir eben selbst eine Falle gestellt hatte. „Ich wollte dich sehen“ “Du klingst wie meine Fans“ Ich ließ ihn wieder los, rollte mit den Augen und lehnte mich nach hinten. „Genau das wollte ich hören!“ Das Grinsen verging ihm aber nicht so schnell. „Es tut mir leid“ Da ich nicht reagierte kam er langsam näher und küsste mich am Hals. Ich schloss meine Augen und dachte mir ich lasse ihn einfach mal machen. Sauer war ich ja nicht auf ihn, im Gegenteil, er kann den ganzen Tag Küsse auf mir verteilen. Langsam küsste er sich meinen Hals nach oben zu meinem Mund und spätestens dann hatte er mich da wo er mich haben wollte.
Ich konnte gar nicht anders als ihn zu umarmen und seine Küsse zu erwidern. Es war zu schön wie es eben kribbelte und knisterte, alleine dafür wäre ich hier her gekommen. Wie schön das wir Zeit haben und Rafa erst morgen Mittag weg muss. Das sind viele Stunden die wir alleine sind und mir fällt eine Menge ein damit es nicht langweilig wird. Müde war ich noch gar nicht aber wir müssen ja auch nicht schlafen. Ich zog instinktiv an seinem Shirt und versuchte ihm das auszuziehen nur war das schwierig wenn er mich eben küsst aber ich habe bis jetzt noch immer bekommen was ich wollte. Es war nur ganz schlecht das er nicht mehr so viel an hat weil ich dann keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Ich musste mich beherrschen nicht über ihn herzufallen.
Bevor ich dazu kam mir genauere Gedanken darüber zu machen was ich mit Rafa anstelle, löste er sich von mir und stand plötzlich auf. Ich musste erst mal Luft holen damit ich wieder klar denken kann und sah ihn nur sprachlos an. „Ich denke wir sollten woanders hin gehen“ Meinte er nur mit einem zu verräterischen Grinsen und zog mich von der Couch hoch.

Als ich wieder aufwachte, musste ich kurz überlegen wo ich überhaupt bin. Das fiel mir aber schnell ein als ich neben mich sah. Rafa lag auf der Seite mit dem Rücken zu mir und schlief wohl noch. Das Bettlaken, was als Decke diente, hing halb über ihm aber das hielt mich nicht davon ab mir vorzustellen was unter dem Laken ist. Zu gerne würde ich näher an ihn rücken aber dann wecke ich ihn noch auf und das wollte ich eigentlich nicht. Ich streckte mich erst mal vorsichtig und sah dann auf meine Uhr.
Es war erst kurz nach um acht, dass hätte ich nicht gedacht. Es ist ja schon hell draußen aber ich weiß doch nicht wann es hier früh hell wird. In Deutschland ist es noch fast dunkel um diese Zeit. Hing sicher mit der Zeitverschiebung zusammen, dass ich ein wenig durchgedreht bin und nicht mehr schlafen kann. Erst dachte ich daran leise aufzustehen aber entschied mich dann dagegen. Ich kann ihn einfach nicht in Ruhe lassen, nicht nach gestern Abend. Das er sauer ist wenn ich ihn wecke glaube ich nicht, ich weiß nur das er nicht gerne aufsteht wenn es draußen noch dunkel ist aber das geht mir auch so.
Mit einem Lächeln drehte ich mich auf die Seite und rückte vorsichtig näher zu ihm. Musste mich ja schon beherrschen nicht gleich Küsse auf seinem Rücken zu verteilen. So dumm ist die Idee aber gar nicht also küsste ich ihn auf die Schulter und wartete ab was passiert. Erst passierte nichts aber ich ließ nicht locker. Er riecht immer so gut, deswegen würde ich auch nie meine Finger von ihm lassen. Seine Reaktion kam in der Form, dass er sich dann auf den Rücken drehte. Ich sah in sein Gesicht und zog ein breites Lächeln auch wenn er es mit geschlossenen Augen nicht sehen konnte. So schön verschlafen sieht er richtig gut aus.
Wahrscheinlich schläft er noch halb also kuschelte ich mich in seine Arme und schloss meine Augen wieder. Von mir aus bleiben wir noch eine Weile so liegen, es war so bequem, dass ich direkt wieder einschlafen könnte. „Der letzte Tag in diesem Jahr fängt richtig gut an“ Kam es plötzlich leise. Ich schlug meine Augen wieder auf und hob meinen Kopf. Von wegen er schläft, er sah mich mit großen Augen an was mich zum lächeln brachte. „Hey, ich dachte du schläfst noch“ “No aber du kannst mich gerne wecken“ “Eigentlich wollte ich dich schlafen lassen aber ich konnte mich nicht länger beherrschen“ “Habe ich gemerkt“ Ich legte meinen Kopf wieder an seine Schulter und umarme ihn soweit es ging.
„Wann bist du eigentlich heute Abend zurück?“ “Weiß ich noch nicht genau, spätestens zum Essen“ “Mhh“ Na gut, dass heißt wohl ich sehe ihn frühestens heute Abend um sechs oder später wieder. Kann man nicht ändern, deshalb sollten wir jetzt ausnutzen das er noch ein bisschen Zeit hat.

Viel wurde aber nicht mehr, wir blieben einfach faul im Bett liegen und ich wäre fast wieder eingeschlafen. Mit der Ruhe war es dann nämlich gleich vorbei. Frühstücken konnten wir noch zusammen und dann war Rafa auch schon weg. Alleine waren wir ja auch nicht beim frühstücken, sein Physio Rafa Maymo ist ja noch dabei und dann sein sogenannter Ersatztrainer Francisco Roig.
Toni war auf Mallorca geblieben, der wollte Silvester und Weihnachten mit seiner Familie verbringen. Kann ihm auch niemand verdenken, er ist ja sonst immer mit Rafa unterwegs. Einen Manager hat Rafa ja auch noch aber der war hier nicht dabei, der taucht erst bei dem Turnier nächste Woche in Doha wieder auf.
Es ist ja hier nur ein Show Turnier über drei Tage, da muss Rafa nicht mit seiner gesamten Entourage anreisen. In Doha wird seine Mutter noch dazukommen und zu den Australian Open dann sein Vater und eben Toni. Wirklich alleine ist Rafa also nie in den nächsten Wochen. Wenigstens etwas wenn seine Eltern schon jetzt keine Zeit haben.

Während Rafa also die Journalisten glücklich machte und wahrscheinlich wieder seltendumme Fragen beantworten muss, sonnte ich mich faul am Strand. Erst überlegte ich am Hotel zu bleiben und an den Pool zu gehen denn der sah wirklich sehr einladend aus. Das Meer ist aber direkt vor dem Hotel und wer weiß wann ich das nächste mal im persischen Golf planschen kann also ging ich ans Meer. Das ist richtig herrlich, Ende Dezember in der Sonne liegen und im Meer baden gehen.
Ich fühlte mich gleich wie im Hochsommer, verrückt das heute Abend Silvester ist. Eigentlich verbinde ich Silvester immer mit Kälte und Schnee. Da ist es doch gut mal etwas anderes zu machen in diesem Jahr. Das ganze wäre nur zu toppen gewesen wenn Rafa hier gewesen wäre aber was soll’s.
Ich habe mich ja noch gar nicht daran gewöhnt hier zu sein. Muss mich erst daran gewöhnen, dass 300 Kilometer nördlich von hier der Iran beginnt und gleich nebenan im Westen Saudi Arabien, nicht unbedingt Länder die als Urlaubsländer gelten. Umso erstaunlicher ist es zu sehen, wohin ein paar Erdölvorkommen innerhalb weniger Jahre führen können. Die meisten Gebäude die hier stehen gab es vor wenigen Jahren noch gar nicht.

Ab und zu sah ich auf die Uhr und überlegte was Rafa gerade machen wird. Er wird sicher keine Zeit haben darüber zu sinnieren ob das heute hier auch alles so aussehen würde, wenn es hier kein Öl gegeben hätte. Die Formel 1 Rennstrecke ist sicher nicht langweilig und die Autogrammstunde wird er auch überleben.
Trainieren geht er ja freiwillig und das stundenlang. Bestimmt muss ihn wieder jemand vom Platz scheuchen weil er sonst um Mitternacht noch trainiert. Manchmal ist er so verbissen darauf etwas unbedingt machen zu wollen, dass er dann stundenlang probiert bis es funktioniert.
Nur so hält er das wohl alles auch durch. Niemand würde sich das wohl nur aus langer Weile antuen, wenn man nicht wirklich voll dahinter steht schafft man es sicher auch kaum bis in die Weltspitze und dort ist Rafa ja schon ein paar Jahre. Tja, jetzt muss er eben arbeiten und kann nicht am Strand liegen, er wird ja auch sehr großzügig entschädigt.

Nach dem Mittagessen sah ich mich mal etwas im Hotel um. Da würde man Tage brauchen bis man alles gesehen hat, das Hotel war wirklich riesig. Davon musste ich unbedingt Bilder machen weil es sonst keiner glauben würde und hier kann man wirklich sehr viele Bilder machen.
Ich dachte, ich sehe vielleicht mal einen der anderen Spieler aber die haben sicher auch alle Termine über Termine. Fans waren auch keine zu sehen, dass ist wohl hier alles ein bisschen anders als bei normalen Turnieren. Bei den Zimmerpreisen wundert es mich auch nicht, dass hier keine Fans mit im Hotel sind. Das kann man sich als normaler Mensch ja kaum leisten wenn man nicht gerade Millionär ist. Meine Eltern sind natürlich auch schon richtig neugierig alles zu erfahren was hier vor sich geht also rief ich sie dann mal an. Sozusagen das letzte mal in diesem Jahr auch wenn das komisch klingt.
Heute Nacht wird es wohl nicht zu empfehlen sein sie anzurufen. Erst werden alle Netze zusammenbrechen wie jedes Jahr und dann kommt die Zeitverschiebung ja noch dazu. Hier wird es schon um drei in der Nacht sein wenn es in Deutschland um 12 ist also wird das nichts mit anrufen und vorher bringt ja Unglück. Rafa hat schon durchblicken lassen, dass er wohl fünf Minuten nach um 12 ins Bett verschwindet. Zu blöd das er auch morgen spielen muss.

Mit sonnen hatte ich irgendwann genug und der Tag neigte sich auch langsam dem Ende entgegen also ging ich zurück zum Zimmer. Da würde ich mir gleich mal die Bilder die ich heute alle gemacht habe auf dem Fernseher ansehen, sieht ja in groß besser aus als auf dem Display der Kamera.
Ich saß kaum entspannt auf der Couch, als ich Geräusche an der Tür hörte. Neugierig drehte ich meinen Kopf und wartete was passiert. Ein paar Sekunden später erschien Rafa mit einem Gepäck das man denken könnte er will schon abreisen. Ich musste mir ein lachen verkneifen als ich sah der er Mühe hatte durch die Tür zu kommen. Als er die ganzen Taschen abgestellt hatte, kam er näher und küsste mich kurz bevor er sich neben mir nieder ließ. Ich sah zu ihm rüber und musste dann spontan lachen. „Was?“ Fragte er nur und sah mich aus dem Augenwinkel an. “Was schleppst du alles mit dir rum?“ “Na meine ganze Ausrüstung“ “Du musst ja auch keine 100 Schläger mitnehmen“ “Es sind nur acht, was machst du denn?“ “Ich sehe mir nur die Bilder vom Hotel an die ich heute Nachmittag gemacht habe. Wer weiß wann ich wieder mal hier in der Gegend bin“
Sein grinsen wurde wieder unverschämt. “Wenn du brav bist nächstes Jahr um diese Zeit“ Ich schüttelte mit dem Kopf und musste lachen. „Werde mal nicht frech! Wie war es denn an der Rennstrecke?“ “Warm, hat nicht lange gedauert, es war nur ein Gag für die Fotografen. Die Autogrammstunde zog sich länger als geplant aber wenn ich hätte jedem irgendwas unterschreiben wollen, würde ich jetzt noch dort sitzen“ „Hast du jetzt Zeit?“ “Ein bisschen ja. Muss dann nochmal kurz so tun als könnte ich es kaum erwarten auf die Feier zu gehen aber das war es dann“

Da konnte ich direkt meine Lieblingshosen noch mal anziehen auch wenn Rafa erst nicht begeistert war weil er wohl dachte, dass ich wieder ausflippe wenn er nur zu nah neben mir steht. Ich wusste ja nicht was die anderen alle so anziehen aber es war mir dann auch egal, ich gehe bestimmt nicht im festlichen Abendkleid zu einer Silvesterfeier. Immerhin hatte ich mir ein paar schicke high heels mitgebracht auch wenn ich weiß das mir morgen die Füße weh tun werden.
Rafa sah ja auch eher leger aus in dunkelgrünen Jeans und einem schwarzen Hemd. Ich war schon gespannt ob wir alleine sind aber das sind wir natürlich nicht. Fans sind keine weiter da aber es gibt auch andere Gäste die gerne ein Bild mit Rafa hätten. Der restliche Anhang von seinem Team war ja auch mit dabei aber damit hatte ich gerechnet. Hier war sowieso alles recht gut gefüllt, die Feier wird wohl allen Gästen zu teil also war der Andrang dementsprechend. Sicher hat sich in Windeseile rumgesprochen wer heute für die Unterhaltung sorgen wird.
Ich war ja schon mächtig gespannt auf Lady Gaga. Ich würde zu gerne wissen was die kostet, immerhin unterbricht sie für den Auftritt hier extra ihre USA Tour. Mit Sicherheit bewegt es sich im sechsstelligen Bereich. Die Bühne war im Freien vor dem Hotel aufgebaut und man musste auch nicht drängeln wie sonst üblich bei Konzerten, es lief fast zu gesittet ab. Rafa war ja auch schon gespannt, ich glaube der freut sich mehr Lady Gaga zu sehen als mich. Vielleicht sollte ich ihn damit mal konfrontieren aber das kann ich noch machen wenn wir mal alleine sind.
Nach einer nicht enden wollenden Ankündigung erschien Lady Gaga dann auch auf der Bühne und sie hatte doch ein zweifelhaftes Outfit an. Es sah aus wie eine rote Ganzkörperstrumpfhose mit Löchern. Sie scheint es nicht zu kümmern in welchem Land sie gerade auftritt. Mal sehen wie lange sie auf der Bühne steht, Hauptsache sie vergisst Pokerface nicht damit ich Rafa dann ärgern kann. Ich konnte mich dann auch kaum halten vor lachen als die ersten Takte von Pokerface ertönten. Rafa sah mich nur streng an, anscheinend ahnte er, dass ich einen dummen Spruch sagen würde. Abschrecken ließ ich mich ab nicht von seinem Blick.
„Vergiss nicht mitzusingen, genug geübt hast du ja“ Schrie ich laut damit er es auch versteht. Er rollte nur mit den Augen und sah wieder auf die Bühne. Eine überragende Sängerin ist Lady Gaga mit Sicherheit nicht aber ihre Show kann sich sehen lassen. Sie holt eventuelle stimmliche Unsicherheiten locker mit ihren verrückten Outfits und der Show wieder rein. Immerhin stand sie fast 90 Minuten auf der Bühne, ging doch länger als ich dachte. Um 12 war es danach zwar noch nicht aber es gab ja ständig etwas anderes zu essen dabei war ich schon mehr als satt aber es sieht alles zu lecker aus und es schmeckt auch alles. Ich ließ gedanklich den Abend Revue passieren und es lief doch ganz gut. Es schien auch niemanden zu stören das ich neben Rafa sitze. Zwar hänge ich nicht andauernd über ihm aber es kommt sowieso irgendwann raus also brauchen wir auch nicht so zu tun als wenn wir uns nicht näher kennen.

Als es dann endlich um 12 war, brach leichtes Chaos aus. Es gab ein Feuerwerk das man denkt die Stadt wird gerade in die Luft gejagt. Eine irre Lautstärke, es war unmöglich mit jemandem zu reden. Da kann man sich die nervigen Neujahrsgrüße sparen auch wenn die natürlich dann später kommen. Von wegen gute Vorsätze und so was, dass ist doch alles Quatsch. Das Feuerwerk nahm überhaupt kein Ende mehr, wir standen nur da und sahen ergriffen nach oben.
Man hätte sich auch denken können, dass hier auch das Feuerwerk eine Nummer größer als in anderen Städten ausfällt. Reden ging ja im Moment nicht aber anstoßen konnten wir ja trotzdem schon immer. Betrinken ist ja sowieso nicht drinnen für Rafa und alleine macht es auch keinen Spaß also bleibt es sicher bei dem einen Glas zum anstoßen. War jetzt auch egal also umarmte ich Rafa einfach, sollen die Leute denken was sie wollen. Im Moment sind die meisten sowieso mit sich selbst beschäftigt. Nach fast einer halben Stunde war es dann vorbei mit dem Feuerwerk.
Die Feier ging natürlich noch weiter, ein Band spielte Musik und die ersten tanzten schon wieder. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und musste dann lachen. „Mein Gott, ich dachte schon das geht bis zum Sonnenaufgang so weiter“ Rafa zog ein breites Lächeln und umarmte mich wieder. „Darauf hatte ich mich auch eingerichtet. Die übertreiben immer ein wenig“ “Ich hasse zwar diese sinnlosen Sprüche aber ich wünsche dir trotzdem ein frohes neues Jahr. Ich weiß das du gleich mit den Augen rollen wirst aber es wäre doch schön wenn du in diesem Jahr alle Spiele gewinnst oder nicht? Und ich hoffe du kommst einigermaßen ohne Verletzungen durch die Saison und musst nicht wieder alles absagen.“ Wie schon erwartet rollte er auch mit den Augen.
Er sagt ja immer das er nur bis zum nächsten Spiel denkt daher wusste ich das er sich freut wenn ich gleich von der gesamten Saison rede. „Ich wünsche dir auch ein frohes neues Jahr und das du zu allen Turnieren kommst die ich spiele, mir aber dabei nicht zu sehr auf die Nerven gehst. Das ich alles gewinne hoffe ich nicht denn das wäre ja auch langweilig. Ich muss nicht alles gewinnen, Hauptsache die Knie machen mit“ “Du bist ja gleich wieder ausgesprochen nett zu mir“ Er grinste mich vom einen Ohr zum anderen an und sah kurz auf seine Uhr. „Ich muss ins Bett weil ich ein bisschen Schönheitsschlaf für das Spiel brauche“ “Wenn’s sein muss“ Wir drehten eine Runde bis alle versorgt waren mit Neujahrswünschen und verschwanden dann in unser Zimmer.

Ich war froh als wir endlich mal alleine waren. Das war ja irre, es kam mir so vor als wenn jeder dem wir auf dem Weg zum Zimmer begegnet sind Neujahrswünsche loswerden muss. Es kann Nachteile haben wenn man bekannt ist. Rafa lächelte zwar immer brav aber ein bisschen kenne ich ihn ja, er macht es nur weil ihm keine andere Wahl bleibt. Sein Augenrollen war auch herrlich als wir unsere Ruhe hatten. Ich dachte mir nur meinen Teil und verschwand dann im Bad.
Endlich konnte ich auch die Schuhe ausziehen. High heels sind eine ganz schlechte Erfindung. Die sehen vielleicht gut aus aber ich dachte meine Füße fallen ab. Bestimmt habe ich morgen überall Blasen und Rafa kann mich dann durch die Gegend tragen weil ich nicht mehr laufen kann. Ich hätte mir Plüschhausschuhe mitnehmen sollen, die sind wenigstens bequem. Nach dem duschen ließ ich kaltes Wasser über meine Füße laufen, dass tat gut! Entspannt ging ich aus dem Bad und ließ mich rückwärts ins Bett fallen.
Kaum zu glauben das wirklich eben ein neues Jahr angefangen hatte. Es ist noch nicht mal um eins und ich liege schon im Bett und betrunken bin ich auch nicht. „Schläfst du schon?“ Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und schlug meine Augen wieder auf. Rafa stand neben dem Bett und sah zu mir. War er auch schon da? Und ich dachte schon er bleibt wieder ewig im Bad. „Sieht es so aus?“ Fragte ich zurück. „Ich war mir nicht sicher“ Ich schloss meine Augen wieder und drehte mich auf die Seite als Rafa endlich mal lag. Eigentlich wollte ich ihn umarmen aber er war etwas zu weit weg. „Bleibst du heute auf deiner Seite?“ Fragte ich gleich mit geschlossenen Augen.
„Du kannst gerne näher rücken“ “Ich bin aber faul, kannst du nicht zu mir kommen?“ Gedacht hätte ich es nicht aber er rückte tatsächlich näher zu mir. Näher ging es gar nicht mehr, ist doch gleich viel bequemer so! Ich machte es mir bequem und umarmte ihn so weit es ging, eigentlich könnte ich jetzt schlafen… wenn da nicht meine Füße wären! Ich hätte doch nicht die hohen Schuhe anziehen sollen. „Ist dein Physio noch wach?“ “Wieso? Willst du bei ihm übernachten?“ Ich schlug meine Augen wieder auf und hob meinen Kopf etwas damit ich in sein Gesicht sehen kann.
„Wäre ich dann bei dir? No, meine Füße fallen nur gleich ab. Ich hätte vorhin Turnschuhe anziehen sollen“ “Es hat mich sowieso gewundert wie du das aushältst. Mir tun schon die Füße weh wenn ich die Schuhe nur sehe“ Wie schön, dass er Mitleid mit mir hat, nur nutzt mir das auch nichts. Ich legte meinen Kopf wieder an seine Schulter und zog die Decke bis zum Kinn hoch. „Vielleicht gibt es sich ja bis morgen wieder. Falls nicht, kannst du mich durch die Gegend tragen“ “Könnte dir so passen!“ Kam es nur. „Das heißt du würdest es nicht tun?“ Hakte ich weiter nach. „Doch natürlich, ich würde dich überall hin tragen“ Warum hört sich das nur so an als wenn er es nicht so meint? „Du versuchst nur die Kurve zu kriegen“ „No, gut vielleicht habe ich keine Lust den ganzen Tag deinen persönlichen Butler zu spielen aber ich weiß deine Anwesenheit zu schätzen“ Was wird denn das jetzt? Erst hörte es sich nach Spaß an aber das wurde dann wohl Ernst.
Ich wurde ein bisschen neugierig und sah nach oben in sein Gesicht. Nebenbei drehte ich mich etwas und lag schon halb über ihm. „Das sollte ich sagen, ich meine mir ist klar das ich normalerweise nicht so günstig hier her kommen würde. Das war echt ein interessanter Jahreswechsel“ Er zog ein Lächeln und fuhr mit seiner Hand meinen Rücken auf und ab. “Ich hätte das aber nicht unbedingt alles gebraucht, von mir aus hätten wir auch irgendwo alleine feiern können. Ich meine, ich bin ja lange genug unterwegs und es ist immer das gleiche nur an anderen Orten. Zwar sehe ich jeden Tag viele Leute und mein Team ist ja auch immer dabei aber am Ende bin ich trotzdem alleine in meinem Zimmer. Ich will mich ja nicht beschweren aber manchmal hätte ich schon gerne noch mehr Leute dabei. Manchmal kommt es mir so vor als würde ich gar nicht mitbekommen was zu Hause passiert. Meine Eltern sind ja auch ab und zu dabei aber das ist was anderes als zu Hause zu sein. Es stört mich schon das ich nur über Internet und Handy mit meiner Familie und meinen Freunden Kontakt halten kann. Deswegen freue ich mich ja das du hier bist, ich weiß das es nicht geht aber du kannst von mir aus zu jedem Turnier kommen“
Tja, wenn es so einfach wäre! Klar kann ich nachvollziehen das er mich am liebsten überall dabei hätte. Einige andere Spieler machen das ja so, die haben ihre Frau oder Freundin überall dabei. Das führt nur dazu, dass man sein eigenes Leben aufgibt und ob das auf Dauer gut geht, weiß ich auch nicht. Verlockend klingt es schon aber ich könnte mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen alles aufzugeben und mit Rafa um die Welt zu fliegen. Er versucht zum Glück auch nicht mich dazu zu bringen da ich fürchte, dass ich nicht nein sagen würde wenn er nur hartnäckig genug ist.
„Ich komme auf das Angebot zurück!“ Meinte ich dann und küsste ihn am Hals. Das Thema ließ mir dann aber keine Ruhe mehr. „Könntest du dir das wirklich vorstellen, dass ich überall dabei bin? Ich meine, ich weiß das es theoretisch kein Problem ist“ “Natürlich, ich wäre doch nicht mit dir zusammen wenn ich dich nicht am liebsten jeden Tag sehe wälte. Aber ich hätte immer ein schlechtes Gewissen weil ich weiß was ich da von dir verlangen würde. Ich könnte nur schwer mit dem Gedanke leben das du dein Leben für mich aufgibst“
An dieser Stelle kämen jetzt eine Menge Gefühle ins Spiel. Die Frage ist doch was man bereit ist zu opfern um mit jemandem zusammen zu sein. Wenn man jemanden wirklich liebt, tut man wahrscheinlich so einiges. In dem Moment erscheint einem alles aufzugeben ja auch nicht als Opfer. Vielleicht ist das was man dafür bekommt ja besser als das was man vorher hatte. Es ist zu kompliziert um jetzt lange darüber nachzudenken. Besser wir weiten das Thema jetzt nicht unnötig aus sonst wird es nichts mit dem Schönheitsschlaf für Rafa. „Vielleicht sollten wir ja schlafen?“ “Mhh, sollten wir!“

Als ich wieder aufwachte, fühlte ich mich total schlapp. Komisch dabei hatte ich gar nicht viel getrunken und war auch nicht so spät ins Bett gegangen. Am liebsten würde ich bis Mittag schlafen aber Rafa sprang kaum das der Wecker geklingelt hatte aus dem Bett und verbreitete Hektik. Er spielt zwar erst am Nachmittag aber er ist ja immer schon Stunden bevor sein Spiel anfängt auf der Tennisanlage.
Das war mir zu viel Stress auf einmal also blieb ich im Bett liegen während Rafa im Bad war. Es gab hier noch mehr Bäder, ich hätte nicht warten müssen aber ich war faul. Ich suchte mein Handy und machte es mir dann wieder bequem. Bestimmt habe ich jetzt unzählige dieser lästigen Neujahrs sms auf dem Handy.
Ich war auch kaum im Posteingang als ich schon die Bescherung sah. Selbst hier ist man davor nicht sicher! Die meisten wissen ja gar nicht wo ich gerade bin und wunderten sich vielleicht das ich nicht sofort geantwortet hatte. Tja, so um vier Ortszeit in Deutschland lag ich längst im Bett. Mir fiel dann nur spontan ein Absender ins Auge. Sara! Ich musste zweimal hinsehen um sicher zu sein.

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