Wieso schickt sie mir Nachrichten? Es war natürlich der übliche Grußtext wie von allen anderen Leuten auch. Bleibt nur die Frage ob sie eine Ketten sms an alle geschickt hat und dabei übersehen hat das ich auch dabei bin oder ob sie es gezielt geschickt hat. Na ja, ich kann ja mal antworten und werde sehen was passiert. Strafe muss sein also schickte ich so eine Standartfloskel an sie zurück. Kaum hatte ich mein Handy weggelegt, kam eine sms zurück. Ich drückte gleich öffnen und runzelte dann die Stirn. ‚Dachte schon du antwortest vielleicht nicht ;-) Bist du noch wach?‘
Hä, was meinte sie damit ob ich noch wach bin? Hier ist es gleich um neun also ist es jetzt um sechs bei ihr. Hat sie etwa gleich durchgemacht? ‚Noch? Schon wieder!‘ Schrieb ich ihr zurück. ‚Du stehst an Neujahr vor um sechs auf?‘ Kam es gleich zurück. Ich holte erst mal Luft und dachte nur Mist! Sie weiß ja nicht das ich hier bin und somit auch nicht das es um neun ist. Wenn ich jetzt schreibe, dass ich nicht zu Hause bin, fragt sie garantiert wo ich bin. Spätestens heute Nachmittag wenn sie vor dem Fernseher sitzt, wird sie wissen wo ich bin. Ist vielleicht auch besser so, ich komme sonst nur in Versuchung ihr wieder Märchen aufzutischen.
Ein paar Minuten überlegte ich was ich jetzt antworte. Kurios ist ja schon das sie sich überhaupt gemeldet hat nachdem wochenlang Funkstille herrschte zwischen uns. Klar freute ich mich wieder was zu hören von ihr aber damit fangen die Probleme erst an. Das einzig positive ist, dass ihre Motivation erst mal nicht an Rafa liegen kann da sie ja noch nicht weiß wo ich bin. In dem Moment erschien Rafa auch wieder und sah mich auch gleich fragend an. Ich erzählte es ihm gleich freiwillig da er sowieso nachgefragt hätte. Auf meine Frage was ich Sara antworten soll wusste er auch keine richtige Antwort. „Spätestens heute Nachmittag erfährt sie doch sowieso wo du bist oder willst du deswegen nicht zu dem Spiel gehen?“ Jetzt da er so fragte… das wäre doch eine Möglichkeit!
Ist aber schade um den Aufwand. Ich würde doch nicht nur wegen Sara auf das Spiel verzichten, außerdem würde Rafa das dann so auslegen das ich nicht zu ihm stehe. “Klar komme ich zu dem Spiel, wegen ihr lasse ich mir das nicht entgehen“ Ich wusste ja schon das er recht hat also nahm ich wieder mein Handy. Es kommt eh raus also ist es vielleicht besser sie erfährt es schon vorher von mir, das spart ihr den Schock wenn das Spiel dann anfängt und die mich vielleicht zeigen. ‚Bei mir ist es gleich um neun, bin in Abu Dhabi‘ Schrieb ich nur. Rafa erwähnte ich extra nicht noch namentlich weil ich davon ausgehe, dass sie sowieso Bescheid weiß wenn ich Abu Dhabi erwähne.
Ein bisschen unruhig wurde ich schon als nicht gleich eine Antwort von ihr kam. Zu schade, dass ich sie nicht sehen kann, ich hätte zu gerne ihr Gesicht gesehen wenn sie das liest. Was in ihr vorgeht, kann ich mir vage vorstellen. Wahrscheinlich schnappt sie gedanklich über. „Ist es nicht komisch, dass sie sich wieder meldet?“ Fragte er plötzlich und ließ sich neben mir nieder. Ich sah von meinem Handy hoch zu Rafa und nickte mit dem Kopf. „Zwei Dumme, ein Gedanke. Klar ist es komisch und ich hoffe für sie, dass sie es nicht tut weil sie etwas von mir will oder besser gesagt von dir. Falls doch, kann sie etwas erleben!“ “Entspanne dich, ist doch gar nichts passiert“ Oh ja, entspannen ist eine gute Idee aber in einem anderen Sinne.
Rafa riecht wieder so lecker aber ich weiß, dass er keine Zeit hat und ich mir dreiste Annäherungsversuche sparen kann. “Mhh, ich weiß nicht, ich traue dem Frieden nicht“ Erst zog er ein breites Lächeln und dann drehte er sich auf die Seite und umarmte mich. „Sei‘ nicht immer so misstrauisch!“ “Ich kenne sie“ Antwortete ich nur und sah ihn aus dem Augenwinkel an. Da er nichts sagte, fuhr ich mit den Fingerspitzen seinen Arm auf und ab und überlegte dabei. Kann es sein, dass sie sich wirklich aus freien Stücken meldet?
Wer weiß, lassen wir uns überraschen. Sara antwortete ja nicht auf meine letzte sms und ich hatte dann auch besseres zu tun als ständig auf mein Handy zu starren. Das Frühstück war noch relativ entspannt aber danach flüchtete Rafa auf den Tennisplatz. Er meinte es könnte passieren, dass wir uns nicht mehr sehen bevor das Spiel beginnt. Das hoffte ich nicht denn das Spiel beginnt doch erst 15 Uhr. Irgendwo würden wir uns sicher mal über den Weg laufen.
Zeit hatte ich ja dann wieder genügend und das Hotel kannte ich zum Großteil also fuhr ich auch zur Tennisanlage. Ich kam ja auch in die Player’s Lounge und das Restaurant aber da war absolut nix los weil heute nur zwei Spiele sind und das eine gerade läuft. Es sind dann nur noch Rafa und David Ferrer hier.
Da hat Rafa Glück gehabt das er gegen Ferrer spielt. Dürfte eine lösbare Aufgabe darstellen aber morgen wird es interessant. Es wartet sein Angstgegner Robin Söderling wenn Rafa heute gewinnt und ins Finale kommt. Seit dem Desaster von Paris hat Rafa nicht mehr gegen Söderling gespielt und ein Sieg hier wäre sicher gut für sein Ego. Ich weiß ja das Rafa wie ein verrückter trainiert hat für die neue Saison und theoretisch 100% fit ist aber so was kann auch im Kopf entschieden werden.
Nach dem auf und ab im letzten Jahr braucht er unbedingt einen guten Start in die Saison aber ich bin da mal optimistisch. Das erste Highlight sind ja die Australian Open Mitte Januar also ist das das nächste größere Ziel.
Bis um drei war noch Zeit also ging ich essen. War zwar nicht sehr spannend alleine aber kann man nicht ändern. Es war total verwaist alles und keiner zum reden da. Wo Rafa ist weiß ich gar nicht, entweder er trainiert noch oder Maymo knetet ihn eben durch. Ich sah eben auf meinen Teller als ich hörte wie die Tür auf ging. „Was machst du hier ganz alleine?“ Rafa kam näher und blieb neben mir stehen. „Essen, hier ist ja keiner“ “Ich leiste dir gleich ein bisschen Gesellschaft“
Das klang gut! Er holte sich etwas zu essen und setzte sich dann mir gegenüber an den Tisch. „Und wie war’s?“ Fragte ich dann neugierig. “Das Training? Lief ganz gut, es war nur ziemlich warm“ “Das ist so um die Mittagszeit“ “Dafür bin ich dann fertig für heute, nach dem Spiel mache ich nix mehr“ Wie er hat heute Abend wirklich Zeit? Davon wusste ich ja noch gar nichts! „Dann beeile dich mal“ Meinte ich dann nur und aß ganz normal weiter. „Wieso? Hast du etwas vor?“ Ich hörte auf zu kauen und sah langsam von meinem Teller hoch. Sein Grinsen sagte alles, mir hätte klar sein müssen wie er das auslegt. Nachdem ich hintergekaut hatte, zog ich auch so ein dämliches Grinsen.
„Ich denke wir sollten jetzt nicht detailliert darüber diskutieren“ “Warum nicht? Ich bin für jegliche Ablenkung dankbar“ Ich sah auf seine Hand die auf dem Tisch lag und legte meine dann darüber. „Du willst doch das Spiel gewinnen oder nicht? Falls ja, solltest du dich nicht so sehr ablenken lassen“ “Da mache dir mal keine Sorgen so anstrengend sind zwei oder auch drei Sätze nicht“ “Ich komme heute Abend darauf zurück“ Damit es nicht außer Kontrolle gerät, sagte ich nichts mehr dazu. Da sage noch jemand Rafa würde ständig an Tennis denken. Oder denkt er das er es ausnutzen muss das ich hier bin?
„Hat Sara sich noch mal gemeldet?“ Fragte er dann als nächstes. „No, keine Ahnung was das werden soll. Ich melde mich jedenfalls nicht bei ihr, sie hat ja nicht mehr geantwortet“ “Würde ich auch nicht an deiner Stelle. Na ja, ich muss dann mal los“ Ich war noch gar nicht fertig mit Essen aber bei mir dauert es immer etwas länger. Anscheinend hatte er wirklich keine Zeit denn sonst würde er nicht gehen wenn ich noch nicht fertig bin. „Okay, dann bis später und gib dir Mühe!“ “Ich versuche es außerdem gebe ich mir immer Mühe“ “Du kriegst das schon hin“ “Wir werden sehen“ “Ich drücke dir die Daumen“ “Das beruhigt mich ungemein, bis später“ Er stand auf und küsste mich kurz bevor er aus dem players restaurant verschwand.
Zu spät zu dem Spiel kommen wollte ich ja nicht also ging ich überpünktlich los und suchte schon immer mal die players box. Zum Glück waren hier überall nette Menschen die wahrscheinlich tausend Leuten erklären müssen wo sich die jeweiligen Sitze befinden. Kann auch keiner erwarten das alle wissen nach welchem System die Sitze hier angeordnet sind. Wie ich dann sah war ich die erste in der player box, der Anhang von Rafa erscheint sicher erst unmittelbar bevor es beginnt.
Immerhin hatten wir alle Schatten, dass war schon viel wert. Ich will zumindest keinen Sonnenstich bekommen. Kaum hatte ich es mir bequem gemacht, erschien auch schon Francesco Roig zusammen mit Maymo. Praktischerweise setzte Roig sich genau vor mich. Das Problem war nicht das ich nichts sehe sondern das Roig zu 100% im fernsehen gezeigt wird. Ist eigentlich auch egal wo ich sitze, wenn ich in der player box sitze, ist ja klar das die mich höchstwahrscheinlich auch zeigen werden.
Mal sehen ob Sara reagiert. An Sara dachte ich aber nur kurz, viel mehr beschäftigte mich der Gedanke was Rafa machen wird. David Ferrer dürfte eine lösbare Aufgabe sein aber Rafa hat ja seit Monaten kein match mehr gespielt, zumindest nicht unter realen Bedingungen. Das Turnier soll wohl so was wie ein Härtetest werden. Es ist ja kein ATP Turnier und es gibt auch keine Punkte also kann nichts passieren falls Rafa doch verliert.
Der Anfang war zumindest schon mal gut. Es ging abwechselnd hin und her mit den Spielen. Wäre auch schade wenn jemand einen Satz mit 6-0 gewinnt. Das Stadion war fast ausverkauft und die Zuschauer wollen auch was sehen für ihr Geld. Ich dachte kurz daran, dass ich in Berlin ja auch noch einer der normalen Zuschauer war. Kann doch ganz fix gehen das man an bessere Plätze kommt, die player box ist wohl das Traumziel aller Fans.
Ich kann mir in etwa vorstellen was Sara für ein Gesicht ziehen wird wenn sie mich im fernsehen sieht. Was würde ich wohl an ihrer Stelle tun? Ich glaube ich wäre überfordert mit der Situation. Vielleicht hat sie sich auch deswegen nicht mehr gemeldet? Mir blieb aber keine Zeit darüber nachzudenken da es tatsächlich in den tie break ging. Na das ging ja gut los! Ich hasse das weil es zu viel ist für meine Nerven.
David Ferrer war wohl auch schön ausgeruht und hat genug Energie um Rafa zu beschäftigen. Zum Glück gelang es Rafa sich abzusetzen und den ersten Satz dicht zu machen. So spannend hätte es nicht gleich werden müssen! Hoffentlich wird der zweite Satz ein bisschen deutlicher. Die Spannung war spätestens dann weg als Rafa ein break gelang. Von mir aus kann er in zwei Sätzen gewinnen und muss nicht über drei Sätze gehen.
Damals in Berlin hat es mich noch nicht so großartig gekümmert ob Rafa gewinnt oder nicht, dass sah jetzt ein bisschen anders aus. Ich bekomme langsam eine Ahnung wie Sara sich immer fühlt, zwar kralle ich mich nicht panisch irgendwo fest aber es ist unmöglich nicht nervös zu werden wenn es spannend wird. Logischerweise will ich nicht das Rafa verliert aber danach sah es auch nicht aus.
Das break reichte locker aus, dass Rafa mit 6-3 den zweiten Satz gewinnen konnte und somit das Spiel vorbei war. Na das lief doch ganz gut! Ferrer ist zwar kein Top 5 Spieler aber ist ja erst mal egal, dass hat ja nichts zu sagen. Ich wartete noch bis Rafa sein Zeug zusammengepackt hatte und unter dem Applaus der Zuschauer vom Platz verschwand, bis ich auch aufstand und das Stadion verließ. Sieht so aus als hätte ich wieder Zeit. Es dauert mindestens eine Stunde bis Rafa im Hotel ist, vermutlich eher zwei Stunden.
Ich fuhr also alleine zum Hotel zurück und würde da gleich mal noch die restlichen Bilder angucken die ich hier alle gemacht hatte. Damit hatte ich zwar heute schon mal angefangen aber dann war ja Rafa erschienen. Als ich mit den Bildern fertig war, ging ich über zum Zeitunglesen. Jeden Tag legen die hier sämtliche Tageszeitungen aus die es gibt. Bestimmt würden die Mitarbeiter es auch vorlesen wenn ich mit dem Finger wackle. Ich war eben total vertieft in eine Mappe mit Informationen über die Stadt und das Hotel als Geräusche an der Tür waren.
Da ich ja wusste, was Rafa wieder alles mit sich rumschleppt, lief ich zur Tür und öffnete sie. Rafa sah zu mir hoch und zog dann ein breites Lächeln. „Hey, du bist ja schon hier“ Ich zog ihn mit seinen ganzen Taschen zur Tür rein und machte sie dann wieder zu. „Im Gegensatz zu dir brauche ich nicht zwei Stunden von der Anlage bis hier her“ “Du hast ja auch keine Pressekonferenz und keinen Physiotherapeut der dich am liebsten auf die Streckbank schnallen würde“ “Er macht gar nicht so einen brutalen Eindruck“ “Es ist zumindest kein Wellness Programm was er macht“ Rafa stellte seine Taschen ab und ließ sich auf die Couch fallen.
„Ich bin ko“ Ich setzte mich neben ihn und rollte nur mit den Augen während ich lachen musste. „Tue nicht so, das waren nur zwei Sätze. Ich weiß, dass du locker fünf Stunden spielen kannst“ “Theoretisch aber nur, ich bin zu lange raus. Ich brauche ein paar Wochen matchpraxis damit ich so lange spielen kann“ “War doch ein guter Anfang. Es geht zwar um nichts aber es ist doch gut das neue Jahr mit einem Sieg zu beginnen oder nicht?“ “Klar, das ist mir lieber als Silvester. Wo bleibt eigentlich meine Belohnung?“ Irgendwie hatte ich schon darauf gewartet, dass er das fragt! „Die bekommst du morgen wenn du das Turnier gewonnen hast“ Antwortete ich dann mit einem breiten Lächeln. Sein Gesicht war so herrlich, ihm verging das Lachen ja nicht mal aber ich wusste doch was er hören will.
„Das heißt ich muss mich anstrengen wenn ich gewinnen will. Eigentlich wollte ich ja nicht gleich übertreiben“ Ich rückte näher zu ihm und umarmte ihn. „So eine große Herausforderung kann Söderling doch nicht sein für dich. Klar hat er gewonnen in Paris aber da warst du doch nicht in Bestform. Den zu schlagen sollte nicht so anstrengend werden oder?“ “Der will mich aber ärgern und gewinnen weil er mich nicht leiden kann“ “Ein Grund mehr ihn in die Schranken zu weisen. Ich bin davon überzeugt das du ihn in zwei Sätzen nach Hause schicken kannst“ “Ich versuche es auf jeden Fall, einen Satz schenke ich ihm nicht und den Sieg schon gar nicht“ “Klingt schon besser!“ “Du solltest Motivationstrainerin werden“ “Ach was, dass schaffst du auch so“
Er sah eine Weile auf den Fernseher und dann wieder zu mir. „Was machst du überhaupt?“ “Na, die Bilder angucken von gestern. Du hast mich ja gestört“ Spontan griff ich nach meiner Kamera die eben neben mir lag und hielt sie Rafa vor die Nase. Ehe er reagieren konnte, hatte ich schon längst auf den Auslöser gedrückt. Mit einer Hand drehte ich die Kamera wieder um und sah auf das Bild. Dabei musste ich mich beherrschen nicht laut zu schreien. „Ich sollte Fotograf werden“ Rafa nahm mir die Kamera aus der Hand und begutachtete das Bild. Ich hatte ihn wirklich gut erwischt, er zog schon ein leicht merkwürdiges Gesicht auf dem Bild. „Du machst das doch extra!“ “No, würde ich doch nie tun“ “Mhh“ Meinte er nur und legte die Kamera wieder weg. Ich sah ein paar Sekunden gedankenverloren auf die Kamera als plötzlich das Geräusch vom Auslöser ertönte und Rafa sich im nächsten Moment gar nicht mehr halten konnte vor lachen.
„So schnell kann es gehen“ Sagte er und freute sich richtig darüber was für ein dämliches Gesicht ich wohl eben machte. Ich rollte mit den Augen und dachte, dass wir uns eben wie kleine Kinder benehmen. Schlimmes ahnend sah ich auf das Bild und es übertraf meine schlimmsten Vorstellungen noch. Sehr intelligent sah ich wirklich nicht aus. „Du siehst echt gut aus“ Kam es dann noch von neben mir. Ich lehnte mich nach hinten und verschränkte meine Arme vor meinem Bauch. „Es tut mir leid“ Da ich nicht reagierte, rückte er näher und umarmte mich. „Du willst mich ärgern“ Sagte ich trotzig auch wenn ich es nicht ernst meinte und sah geradeaus. „No, war nur Spaß“ Ich blieb mit verschränkten Armen sitzen aber natürlich täuschte ich mich wenn ich dachte das Rafa aufgibt. Er schob erst seine Unterlippe vor und sah mich mit großen Augen an und als das auch nichts nutzte, küsste er mich am Hals. Ich musste lachen weil seine Haare kitzelten und umarmte ihn.
„Ist gut, ich bin nicht sauer auf dich“ Er hörte aber nicht etwa auf sondern er machte weiter. “Ich weiß, muss ich einen Grund haben um dich zu küssen?“ “No“ Antwortete ich und legte meinen Kopf zur Seite während ich mit einer Hand durch seine Haare fuhr. „Warum riechst du immer so gut?“ Ich musste kichern über die Frage. „Weil ich weiß, dass du dann keinen klaren Gedanken mehr fassen kannst“ “Das stimmt“ Er hörte nicht auf also ließ ich ihn einfach machen. Es gibt auch schlimmeres nur fürchte ich das es nicht bei den paar Küssen bleibt wenn ich jetzt darauf einsteige. Der Gedanke war irgendwie gut! Es war unvermeidlich gedanklich nicht abzuschweifen wenn er Küsse auf mir verteilt. Ich lehnte mich dann zur Seite bis ich längs auf der Couch lag und zog Rafa hinter mir her. Die paar Küsse reichten ihm wohl nicht, da er sich meinen Hals nach oben zu meinem Mund küsste. Ich kann sowieso nicht nein sagen, im Gegenteil.
Verlieren könnte ich mich in seinen Küssen. Das erinnert mich nur daran warum ich den logistischen Aufwand betreibe um ihn zu sehen. Rafa hat mich total unter Kontrolle, dass macht mir irgendwie Angst! An Tennis schien er eben keinen Gedanken zu verschwenden. Ich konnte dann auch nicht anders und der Gedanke es auszunutzen war zu verlockend also zog ich den Reißverschluss seiner Jacke nach unten und zog die ihm dann aus. Warum hat er immer so viel an? Er hatte ja noch ein kurzärmeliges Shirt drunter aber das zog ich einfach ein Stück nach oben. Es hatte Vorteile das Rafa seitlich an mir lag, ich konnte ihn wesentlich einfacher ausziehen als er mich.
Wie ich schon vermutete, geriet das Ganze etwas außer Kontrolle. Mir wurde es doch ein bisschen wärmer und das lag nicht an der Temperatur. Das merkte ich aber erst als ein Handyklingeln ertönte. Toll, genau der richtige Moment war das! So hatte ich mir das schon gedacht.
28 February 2010
21 February 2010
Chapter 32
Als ich mich umgezogen hatte, kam ich wieder ein bisschen runter. Umgezogen hatte ich mich nicht direkt, ich hatte nur die nassen Sachen ausgezogen und ein großes Handtuch um mich gewickelt. Das hat er ja echt ganz toll hinbekommen. Ich weiß schon warum ich alleine wohne, genau aus dem Grund! Ich bin ja eigentlich nicht so zimperlich mit meinen Sachen aber an den Hosen hänge ich und bin vielleicht etwas empfindlich. So hatte er sich das sicher nicht vorgestellt als er auf die dumme Idee kam mich direkt in die Dusche zu zerren. Ich blieb am Fenster stehen und sah raus. Es dauerte auch gar nicht lange, bis die Tür aufging.
Neugierig drehte ich mich wieder um und sagte erst mal nichts. Rafa lief ohne mich zu beachten zu seinem Koffer und suchte was zum anziehen. Ich kaute derweil auf meiner Unterlippe und dachte nach. Irgendwie fühlte ich mich jetzt schlecht, ich wollte nicht so ausflippen wegen eigentlich nichts. Zwar kenne ich Rafa noch nicht so lange aber sein Gesicht machte nachfragen überflüssig, ich weiß das er sauer ist. Ohne einen Ton zu sagen lief er dann wieder aus dem Zimmer. Wieso fühlte ich mich plötzlich so unwohl? Ich will doch nicht mit ihm streiten! Ein paar mal holte ich tief Luft bevor ich das Zimmer verließ um nachzusehen wo er ist. Lange suchen musste ich auch nicht, er saß vor dem Fernseher und beachtete mich nicht.
Ein paar Sekunden blieb ich stehen und beobachtete ihn. Am liebsten würde ich mich neben ihn setzen aber das ist im Moment wohl keine gute Idee. Das er von sich aus nichts sagen würde wusste ich also lag es an mir etwas zu sagen. „Es tut mir leid“ Sagte ich dann kleinlaut und blieb im Türrahmen stehen. „No, muss es nicht. Wenn dir deine Sachen wichtiger sind als ich kann ich es auch nicht ändern. Vielleicht hättest du ja zu Hause bleiben sollen, dann müsstest du jetzt keine Angst haben das ich irgendwelche Sachen von dir zerstöre“ Ich schluckte einfach nur und hatte Mühe die Fassung zu bewahren. Er hielt es nicht mal für nötig mich anzusehen. Wenn er mich so eiskalt abblitzen lässt, könnte ich ihn umbringen.
Es überrascht mich immer wie er es schafft so was ohne jegliche Emotion zu sagen. Normalerweise ist er nicht so abgebrüht. Mir fehlten spontan die Worte. Was sollte ich darauf auch antworten? Er kann unmöglich ernst gemeint haben das ich hätte zu Hause bleiben sollen. Fieberhaft suchte ich nach einem Weg um die Lage zu entschärfen. Wir sehen uns schon nicht lange, ich habe keine Lust wegen sinnlosen Dingen mit ihm zu streiten. Warum soll ich eigentlich einlenken? Ich habe doch schon gesagt, dass es mir leid tut. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass es hier schon lange nicht mehr um die Hosen geht. Was ich wirklich wollte war es ihm mit gleicher Münze heimzuzahlen, ich war zu sehr in Rage um mich zu beruhigen. „Wahrscheinlich hast du Recht. Du musst keine Angst haben das ich dich bei zukünftigen Turnieren mit meiner Anwesenheit belästige. Falls ich gehen soll sage es und ich bin weg“ Er sagte gar nichts mehr also drehte ich mich um und knallte die Tür nach mir zu.
Ganz toll, so hatte ich mir das vorgestellt! Es ist ja nicht zu glauben. Vor ein paar Stunden freute ich mich noch richtig darauf Rafa zu sehen und was hatte ich jetzt davon? Jetzt werfen wir uns im Affekt Bosheiten an den Kopf, die wir später bereuen werden. Ich bereute es zumindest, das mit den Turnieren war nur um ihn zu ärgern. Klar fahre ich hin wenn er mich lässt. Es regt mich auf das er nicht nachgibt und einlenkt. Wenn ich jetzt wieder rübergehe und etwas sage, nutzt es das doch wieder als Steilvorlage um mir eine gemeine Antwort zu geben. Da ich ja irgendwie reagieren musste, lief ich wieder rüber und setzte mich dann doch direkt neben ihn.
Ich versuche es einfach mit einem direkten Angriff. Es war Absicht, die Couch war groß genug das ich hätte woanders sitzen können. In der Stimmung wie er eben ist fühle ich mich zwar leicht unbehaglich neben ihm aber das nutzt alles nichts, mit Worten erreiche ich im Moment nichts bei ihm. „Was willst du?“ Fragte er dann nur und sah weiter auf den TV. Er versteht nicht mal etwas von dem was da kommt, da liefen arabische Schriftzeichen von rechts nach links durch das Bild. Ich weiß, dass er mich damit ärgern will, manchmal ist er wie ein kleines Kind. Ich lehnte mich nach vorn und drückte auf die Fernbedienung, ein paar Sekunden später wurde der Bildschirm dunkel.
Erst dachte ich das würde ihn dazu bewegen mich anzusehen aber da lag ich natürlich falsch, er drehte seinen Kopf zur Seite und sah jetzt erst recht von mir weg. Ich rückte noch näher an ihn, näher ging es nicht mehr. „Es tut mir leid, ich habe das nicht so gemeint vorhin. Ich war nur überrascht und dann habe ich überreagiert“ Sagte ich nochmal aber er blieb mit verschränkten Armen sitzen. Das spornte mich erst recht an etwas zu unternehmen um ihn zu einer Reaktion zu verleiten. Ich legte meinen Kopf an seine Schulter ab er blieb weiterhin stur also küsste ich ihn am Hals. Erst reagierte er nicht aber er konnte dann wohl nicht anders und legte seinen Kopf schief. Das wertete ich als positives Zeichen und küsste ihn weiter. Hilfe, ich könnte direkt auf unanständige Gedanken kommen! Ganz so einfach werde ich es ihm aber auch nicht machen also hörte ich wieder auf. „Willst du jetzt ewig einen auf eingeschnappt machen? Ich meine, so lange sehen wir uns nicht und ich will nicht mit dir streiten weil wir dazu keine Zeit haben“ “Ich hasse es wenn du Recht hast“ Kam es dann nur. Er drehte seinen Kopf zu mir und sah mich ein paar Sekunden neutral an.
„Warum flippst du gleich so aus?“ “Das wollte ich nicht. Das sind nur meine Lieblingshosen, die waren mal weiß und ich habe die gefärbt. So richtig hält die Farbe aber nicht daher wasche ich die nur wenn es sein muss. Ich bin vielleicht etwas zu empfindlich bei dem Thema“ Er umarmte mich und schüttelte langsam mit dem Kopf. “Das hättest du doch auch eher sagen können, ich kann das doch nicht riechen“ “Hätte ich ja nur wusste ich nicht was du planst“ Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber sein Lächeln erschien wieder.
„Was ich geplant hatte willst du lieber nicht wissen“ Ich musste lachen und konnte mir schon sehr genau ausmalen was er geplant hatte. „So schwach ist meine Fantasie auch nicht ausgeprägt das ich nicht darauf komme“ „Und jetzt?“ Fragte er mit einer hochgezogenen Augenbraue, was mich noch mehr zum lachen brachte. „Vergiss es einfach“
Ein paar Minuten blieben wir sitzen und sahen uns nur gegenseitig an. „Du siehst wirklich gut aus mit dem Handtuch“ Kam es dann plötzlich mit einem schüchternen Lächeln. Ich sah kurz an mir nach unten und sah ihn dann wieder an. „Ich dachte mir es lohnt sich nicht erst etwas anzuziehen“ Ich dachte er zieht mich früher oder später sowieso wieder aus also warum erst etwas anziehen? “Da könntest du Recht haben“ Meinte er dann noch. Ich legte meine Arme um seinen Hals und zog ihn näher zu mir. „Nicht das du glaubst ich bin nur hier weil ich dich ins Bett kriegen will“ Sein Lächeln ging fast vom einen Ohr zum anderen.
„Wenn das nicht so ist warum bist du dann hier?“ Kurz dachte ich nach und da wurde mir klar, dass ich mir eben selbst eine Falle gestellt hatte. „Ich wollte dich sehen“ “Du klingst wie meine Fans“ Ich ließ ihn wieder los, rollte mit den Augen und lehnte mich nach hinten. „Genau das wollte ich hören!“ Das Grinsen verging ihm aber nicht so schnell. „Es tut mir leid“ Da ich nicht reagierte kam er langsam näher und küsste mich am Hals. Ich schloss meine Augen und dachte mir ich lasse ihn einfach mal machen. Sauer war ich ja nicht auf ihn, im Gegenteil, er kann den ganzen Tag Küsse auf mir verteilen. Langsam küsste er sich meinen Hals nach oben zu meinem Mund und spätestens dann hatte er mich da wo er mich haben wollte.
Ich konnte gar nicht anders als ihn zu umarmen und seine Küsse zu erwidern. Es war zu schön wie es eben kribbelte und knisterte, alleine dafür wäre ich hier her gekommen. Wie schön das wir Zeit haben und Rafa erst morgen Mittag weg muss. Das sind viele Stunden die wir alleine sind und mir fällt eine Menge ein damit es nicht langweilig wird. Müde war ich noch gar nicht aber wir müssen ja auch nicht schlafen. Ich zog instinktiv an seinem Shirt und versuchte ihm das auszuziehen nur war das schwierig wenn er mich eben küsst aber ich habe bis jetzt noch immer bekommen was ich wollte. Es war nur ganz schlecht das er nicht mehr so viel an hat weil ich dann keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Ich musste mich beherrschen nicht über ihn herzufallen.
Bevor ich dazu kam mir genauere Gedanken darüber zu machen was ich mit Rafa anstelle, löste er sich von mir und stand plötzlich auf. Ich musste erst mal Luft holen damit ich wieder klar denken kann und sah ihn nur sprachlos an. „Ich denke wir sollten woanders hin gehen“ Meinte er nur mit einem zu verräterischen Grinsen und zog mich von der Couch hoch.
Als ich wieder aufwachte, musste ich kurz überlegen wo ich überhaupt bin. Das fiel mir aber schnell ein als ich neben mich sah. Rafa lag auf der Seite mit dem Rücken zu mir und schlief wohl noch. Das Bettlaken, was als Decke diente, hing halb über ihm aber das hielt mich nicht davon ab mir vorzustellen was unter dem Laken ist. Zu gerne würde ich näher an ihn rücken aber dann wecke ich ihn noch auf und das wollte ich eigentlich nicht. Ich streckte mich erst mal vorsichtig und sah dann auf meine Uhr.
Es war erst kurz nach um acht, dass hätte ich nicht gedacht. Es ist ja schon hell draußen aber ich weiß doch nicht wann es hier früh hell wird. In Deutschland ist es noch fast dunkel um diese Zeit. Hing sicher mit der Zeitverschiebung zusammen, dass ich ein wenig durchgedreht bin und nicht mehr schlafen kann. Erst dachte ich daran leise aufzustehen aber entschied mich dann dagegen. Ich kann ihn einfach nicht in Ruhe lassen, nicht nach gestern Abend. Das er sauer ist wenn ich ihn wecke glaube ich nicht, ich weiß nur das er nicht gerne aufsteht wenn es draußen noch dunkel ist aber das geht mir auch so.
Mit einem Lächeln drehte ich mich auf die Seite und rückte vorsichtig näher zu ihm. Musste mich ja schon beherrschen nicht gleich Küsse auf seinem Rücken zu verteilen. So dumm ist die Idee aber gar nicht also küsste ich ihn auf die Schulter und wartete ab was passiert. Erst passierte nichts aber ich ließ nicht locker. Er riecht immer so gut, deswegen würde ich auch nie meine Finger von ihm lassen. Seine Reaktion kam in der Form, dass er sich dann auf den Rücken drehte. Ich sah in sein Gesicht und zog ein breites Lächeln auch wenn er es mit geschlossenen Augen nicht sehen konnte. So schön verschlafen sieht er richtig gut aus.
Wahrscheinlich schläft er noch halb also kuschelte ich mich in seine Arme und schloss meine Augen wieder. Von mir aus bleiben wir noch eine Weile so liegen, es war so bequem, dass ich direkt wieder einschlafen könnte. „Der letzte Tag in diesem Jahr fängt richtig gut an“ Kam es plötzlich leise. Ich schlug meine Augen wieder auf und hob meinen Kopf. Von wegen er schläft, er sah mich mit großen Augen an was mich zum lächeln brachte. „Hey, ich dachte du schläfst noch“ “No aber du kannst mich gerne wecken“ “Eigentlich wollte ich dich schlafen lassen aber ich konnte mich nicht länger beherrschen“ “Habe ich gemerkt“ Ich legte meinen Kopf wieder an seine Schulter und umarme ihn soweit es ging.
„Wann bist du eigentlich heute Abend zurück?“ “Weiß ich noch nicht genau, spätestens zum Essen“ “Mhh“ Na gut, dass heißt wohl ich sehe ihn frühestens heute Abend um sechs oder später wieder. Kann man nicht ändern, deshalb sollten wir jetzt ausnutzen das er noch ein bisschen Zeit hat.
Viel wurde aber nicht mehr, wir blieben einfach faul im Bett liegen und ich wäre fast wieder eingeschlafen. Mit der Ruhe war es dann nämlich gleich vorbei. Frühstücken konnten wir noch zusammen und dann war Rafa auch schon weg. Alleine waren wir ja auch nicht beim frühstücken, sein Physio Rafa Maymo ist ja noch dabei und dann sein sogenannter Ersatztrainer Francisco Roig.
Toni war auf Mallorca geblieben, der wollte Silvester und Weihnachten mit seiner Familie verbringen. Kann ihm auch niemand verdenken, er ist ja sonst immer mit Rafa unterwegs. Einen Manager hat Rafa ja auch noch aber der war hier nicht dabei, der taucht erst bei dem Turnier nächste Woche in Doha wieder auf.
Es ist ja hier nur ein Show Turnier über drei Tage, da muss Rafa nicht mit seiner gesamten Entourage anreisen. In Doha wird seine Mutter noch dazukommen und zu den Australian Open dann sein Vater und eben Toni. Wirklich alleine ist Rafa also nie in den nächsten Wochen. Wenigstens etwas wenn seine Eltern schon jetzt keine Zeit haben.
Während Rafa also die Journalisten glücklich machte und wahrscheinlich wieder seltendumme Fragen beantworten muss, sonnte ich mich faul am Strand. Erst überlegte ich am Hotel zu bleiben und an den Pool zu gehen denn der sah wirklich sehr einladend aus. Das Meer ist aber direkt vor dem Hotel und wer weiß wann ich das nächste mal im persischen Golf planschen kann also ging ich ans Meer. Das ist richtig herrlich, Ende Dezember in der Sonne liegen und im Meer baden gehen.
Ich fühlte mich gleich wie im Hochsommer, verrückt das heute Abend Silvester ist. Eigentlich verbinde ich Silvester immer mit Kälte und Schnee. Da ist es doch gut mal etwas anderes zu machen in diesem Jahr. Das ganze wäre nur zu toppen gewesen wenn Rafa hier gewesen wäre aber was soll’s.
Ich habe mich ja noch gar nicht daran gewöhnt hier zu sein. Muss mich erst daran gewöhnen, dass 300 Kilometer nördlich von hier der Iran beginnt und gleich nebenan im Westen Saudi Arabien, nicht unbedingt Länder die als Urlaubsländer gelten. Umso erstaunlicher ist es zu sehen, wohin ein paar Erdölvorkommen innerhalb weniger Jahre führen können. Die meisten Gebäude die hier stehen gab es vor wenigen Jahren noch gar nicht.
Ab und zu sah ich auf die Uhr und überlegte was Rafa gerade machen wird. Er wird sicher keine Zeit haben darüber zu sinnieren ob das heute hier auch alles so aussehen würde, wenn es hier kein Öl gegeben hätte. Die Formel 1 Rennstrecke ist sicher nicht langweilig und die Autogrammstunde wird er auch überleben.
Trainieren geht er ja freiwillig und das stundenlang. Bestimmt muss ihn wieder jemand vom Platz scheuchen weil er sonst um Mitternacht noch trainiert. Manchmal ist er so verbissen darauf etwas unbedingt machen zu wollen, dass er dann stundenlang probiert bis es funktioniert.
Nur so hält er das wohl alles auch durch. Niemand würde sich das wohl nur aus langer Weile antuen, wenn man nicht wirklich voll dahinter steht schafft man es sicher auch kaum bis in die Weltspitze und dort ist Rafa ja schon ein paar Jahre. Tja, jetzt muss er eben arbeiten und kann nicht am Strand liegen, er wird ja auch sehr großzügig entschädigt.
Nach dem Mittagessen sah ich mich mal etwas im Hotel um. Da würde man Tage brauchen bis man alles gesehen hat, das Hotel war wirklich riesig. Davon musste ich unbedingt Bilder machen weil es sonst keiner glauben würde und hier kann man wirklich sehr viele Bilder machen.
Ich dachte, ich sehe vielleicht mal einen der anderen Spieler aber die haben sicher auch alle Termine über Termine. Fans waren auch keine zu sehen, dass ist wohl hier alles ein bisschen anders als bei normalen Turnieren. Bei den Zimmerpreisen wundert es mich auch nicht, dass hier keine Fans mit im Hotel sind. Das kann man sich als normaler Mensch ja kaum leisten wenn man nicht gerade Millionär ist. Meine Eltern sind natürlich auch schon richtig neugierig alles zu erfahren was hier vor sich geht also rief ich sie dann mal an. Sozusagen das letzte mal in diesem Jahr auch wenn das komisch klingt.
Heute Nacht wird es wohl nicht zu empfehlen sein sie anzurufen. Erst werden alle Netze zusammenbrechen wie jedes Jahr und dann kommt die Zeitverschiebung ja noch dazu. Hier wird es schon um drei in der Nacht sein wenn es in Deutschland um 12 ist also wird das nichts mit anrufen und vorher bringt ja Unglück. Rafa hat schon durchblicken lassen, dass er wohl fünf Minuten nach um 12 ins Bett verschwindet. Zu blöd das er auch morgen spielen muss.
Mit sonnen hatte ich irgendwann genug und der Tag neigte sich auch langsam dem Ende entgegen also ging ich zurück zum Zimmer. Da würde ich mir gleich mal die Bilder die ich heute alle gemacht habe auf dem Fernseher ansehen, sieht ja in groß besser aus als auf dem Display der Kamera.
Ich saß kaum entspannt auf der Couch, als ich Geräusche an der Tür hörte. Neugierig drehte ich meinen Kopf und wartete was passiert. Ein paar Sekunden später erschien Rafa mit einem Gepäck das man denken könnte er will schon abreisen. Ich musste mir ein lachen verkneifen als ich sah der er Mühe hatte durch die Tür zu kommen. Als er die ganzen Taschen abgestellt hatte, kam er näher und küsste mich kurz bevor er sich neben mir nieder ließ. Ich sah zu ihm rüber und musste dann spontan lachen. „Was?“ Fragte er nur und sah mich aus dem Augenwinkel an. “Was schleppst du alles mit dir rum?“ “Na meine ganze Ausrüstung“ “Du musst ja auch keine 100 Schläger mitnehmen“ “Es sind nur acht, was machst du denn?“ “Ich sehe mir nur die Bilder vom Hotel an die ich heute Nachmittag gemacht habe. Wer weiß wann ich wieder mal hier in der Gegend bin“
Sein grinsen wurde wieder unverschämt. “Wenn du brav bist nächstes Jahr um diese Zeit“ Ich schüttelte mit dem Kopf und musste lachen. „Werde mal nicht frech! Wie war es denn an der Rennstrecke?“ “Warm, hat nicht lange gedauert, es war nur ein Gag für die Fotografen. Die Autogrammstunde zog sich länger als geplant aber wenn ich hätte jedem irgendwas unterschreiben wollen, würde ich jetzt noch dort sitzen“ „Hast du jetzt Zeit?“ “Ein bisschen ja. Muss dann nochmal kurz so tun als könnte ich es kaum erwarten auf die Feier zu gehen aber das war es dann“
Da konnte ich direkt meine Lieblingshosen noch mal anziehen auch wenn Rafa erst nicht begeistert war weil er wohl dachte, dass ich wieder ausflippe wenn er nur zu nah neben mir steht. Ich wusste ja nicht was die anderen alle so anziehen aber es war mir dann auch egal, ich gehe bestimmt nicht im festlichen Abendkleid zu einer Silvesterfeier. Immerhin hatte ich mir ein paar schicke high heels mitgebracht auch wenn ich weiß das mir morgen die Füße weh tun werden.
Rafa sah ja auch eher leger aus in dunkelgrünen Jeans und einem schwarzen Hemd. Ich war schon gespannt ob wir alleine sind aber das sind wir natürlich nicht. Fans sind keine weiter da aber es gibt auch andere Gäste die gerne ein Bild mit Rafa hätten. Der restliche Anhang von seinem Team war ja auch mit dabei aber damit hatte ich gerechnet. Hier war sowieso alles recht gut gefüllt, die Feier wird wohl allen Gästen zu teil also war der Andrang dementsprechend. Sicher hat sich in Windeseile rumgesprochen wer heute für die Unterhaltung sorgen wird.
Ich war ja schon mächtig gespannt auf Lady Gaga. Ich würde zu gerne wissen was die kostet, immerhin unterbricht sie für den Auftritt hier extra ihre USA Tour. Mit Sicherheit bewegt es sich im sechsstelligen Bereich. Die Bühne war im Freien vor dem Hotel aufgebaut und man musste auch nicht drängeln wie sonst üblich bei Konzerten, es lief fast zu gesittet ab. Rafa war ja auch schon gespannt, ich glaube der freut sich mehr Lady Gaga zu sehen als mich. Vielleicht sollte ich ihn damit mal konfrontieren aber das kann ich noch machen wenn wir mal alleine sind.
Nach einer nicht enden wollenden Ankündigung erschien Lady Gaga dann auch auf der Bühne und sie hatte doch ein zweifelhaftes Outfit an. Es sah aus wie eine rote Ganzkörperstrumpfhose mit Löchern. Sie scheint es nicht zu kümmern in welchem Land sie gerade auftritt. Mal sehen wie lange sie auf der Bühne steht, Hauptsache sie vergisst Pokerface nicht damit ich Rafa dann ärgern kann. Ich konnte mich dann auch kaum halten vor lachen als die ersten Takte von Pokerface ertönten. Rafa sah mich nur streng an, anscheinend ahnte er, dass ich einen dummen Spruch sagen würde. Abschrecken ließ ich mich ab nicht von seinem Blick.
„Vergiss nicht mitzusingen, genug geübt hast du ja“ Schrie ich laut damit er es auch versteht. Er rollte nur mit den Augen und sah wieder auf die Bühne. Eine überragende Sängerin ist Lady Gaga mit Sicherheit nicht aber ihre Show kann sich sehen lassen. Sie holt eventuelle stimmliche Unsicherheiten locker mit ihren verrückten Outfits und der Show wieder rein. Immerhin stand sie fast 90 Minuten auf der Bühne, ging doch länger als ich dachte. Um 12 war es danach zwar noch nicht aber es gab ja ständig etwas anderes zu essen dabei war ich schon mehr als satt aber es sieht alles zu lecker aus und es schmeckt auch alles. Ich ließ gedanklich den Abend Revue passieren und es lief doch ganz gut. Es schien auch niemanden zu stören das ich neben Rafa sitze. Zwar hänge ich nicht andauernd über ihm aber es kommt sowieso irgendwann raus also brauchen wir auch nicht so zu tun als wenn wir uns nicht näher kennen.
Als es dann endlich um 12 war, brach leichtes Chaos aus. Es gab ein Feuerwerk das man denkt die Stadt wird gerade in die Luft gejagt. Eine irre Lautstärke, es war unmöglich mit jemandem zu reden. Da kann man sich die nervigen Neujahrsgrüße sparen auch wenn die natürlich dann später kommen. Von wegen gute Vorsätze und so was, dass ist doch alles Quatsch. Das Feuerwerk nahm überhaupt kein Ende mehr, wir standen nur da und sahen ergriffen nach oben.
Man hätte sich auch denken können, dass hier auch das Feuerwerk eine Nummer größer als in anderen Städten ausfällt. Reden ging ja im Moment nicht aber anstoßen konnten wir ja trotzdem schon immer. Betrinken ist ja sowieso nicht drinnen für Rafa und alleine macht es auch keinen Spaß also bleibt es sicher bei dem einen Glas zum anstoßen. War jetzt auch egal also umarmte ich Rafa einfach, sollen die Leute denken was sie wollen. Im Moment sind die meisten sowieso mit sich selbst beschäftigt. Nach fast einer halben Stunde war es dann vorbei mit dem Feuerwerk.
Die Feier ging natürlich noch weiter, ein Band spielte Musik und die ersten tanzten schon wieder. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und musste dann lachen. „Mein Gott, ich dachte schon das geht bis zum Sonnenaufgang so weiter“ Rafa zog ein breites Lächeln und umarmte mich wieder. „Darauf hatte ich mich auch eingerichtet. Die übertreiben immer ein wenig“ “Ich hasse zwar diese sinnlosen Sprüche aber ich wünsche dir trotzdem ein frohes neues Jahr. Ich weiß das du gleich mit den Augen rollen wirst aber es wäre doch schön wenn du in diesem Jahr alle Spiele gewinnst oder nicht? Und ich hoffe du kommst einigermaßen ohne Verletzungen durch die Saison und musst nicht wieder alles absagen.“ Wie schon erwartet rollte er auch mit den Augen.
Er sagt ja immer das er nur bis zum nächsten Spiel denkt daher wusste ich das er sich freut wenn ich gleich von der gesamten Saison rede. „Ich wünsche dir auch ein frohes neues Jahr und das du zu allen Turnieren kommst die ich spiele, mir aber dabei nicht zu sehr auf die Nerven gehst. Das ich alles gewinne hoffe ich nicht denn das wäre ja auch langweilig. Ich muss nicht alles gewinnen, Hauptsache die Knie machen mit“ “Du bist ja gleich wieder ausgesprochen nett zu mir“ Er grinste mich vom einen Ohr zum anderen an und sah kurz auf seine Uhr. „Ich muss ins Bett weil ich ein bisschen Schönheitsschlaf für das Spiel brauche“ “Wenn’s sein muss“ Wir drehten eine Runde bis alle versorgt waren mit Neujahrswünschen und verschwanden dann in unser Zimmer.
Ich war froh als wir endlich mal alleine waren. Das war ja irre, es kam mir so vor als wenn jeder dem wir auf dem Weg zum Zimmer begegnet sind Neujahrswünsche loswerden muss. Es kann Nachteile haben wenn man bekannt ist. Rafa lächelte zwar immer brav aber ein bisschen kenne ich ihn ja, er macht es nur weil ihm keine andere Wahl bleibt. Sein Augenrollen war auch herrlich als wir unsere Ruhe hatten. Ich dachte mir nur meinen Teil und verschwand dann im Bad.
Endlich konnte ich auch die Schuhe ausziehen. High heels sind eine ganz schlechte Erfindung. Die sehen vielleicht gut aus aber ich dachte meine Füße fallen ab. Bestimmt habe ich morgen überall Blasen und Rafa kann mich dann durch die Gegend tragen weil ich nicht mehr laufen kann. Ich hätte mir Plüschhausschuhe mitnehmen sollen, die sind wenigstens bequem. Nach dem duschen ließ ich kaltes Wasser über meine Füße laufen, dass tat gut! Entspannt ging ich aus dem Bad und ließ mich rückwärts ins Bett fallen.
Kaum zu glauben das wirklich eben ein neues Jahr angefangen hatte. Es ist noch nicht mal um eins und ich liege schon im Bett und betrunken bin ich auch nicht. „Schläfst du schon?“ Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und schlug meine Augen wieder auf. Rafa stand neben dem Bett und sah zu mir. War er auch schon da? Und ich dachte schon er bleibt wieder ewig im Bad. „Sieht es so aus?“ Fragte ich zurück. „Ich war mir nicht sicher“ Ich schloss meine Augen wieder und drehte mich auf die Seite als Rafa endlich mal lag. Eigentlich wollte ich ihn umarmen aber er war etwas zu weit weg. „Bleibst du heute auf deiner Seite?“ Fragte ich gleich mit geschlossenen Augen.
„Du kannst gerne näher rücken“ “Ich bin aber faul, kannst du nicht zu mir kommen?“ Gedacht hätte ich es nicht aber er rückte tatsächlich näher zu mir. Näher ging es gar nicht mehr, ist doch gleich viel bequemer so! Ich machte es mir bequem und umarmte ihn so weit es ging, eigentlich könnte ich jetzt schlafen… wenn da nicht meine Füße wären! Ich hätte doch nicht die hohen Schuhe anziehen sollen. „Ist dein Physio noch wach?“ “Wieso? Willst du bei ihm übernachten?“ Ich schlug meine Augen wieder auf und hob meinen Kopf etwas damit ich in sein Gesicht sehen kann.
„Wäre ich dann bei dir? No, meine Füße fallen nur gleich ab. Ich hätte vorhin Turnschuhe anziehen sollen“ “Es hat mich sowieso gewundert wie du das aushältst. Mir tun schon die Füße weh wenn ich die Schuhe nur sehe“ Wie schön, dass er Mitleid mit mir hat, nur nutzt mir das auch nichts. Ich legte meinen Kopf wieder an seine Schulter und zog die Decke bis zum Kinn hoch. „Vielleicht gibt es sich ja bis morgen wieder. Falls nicht, kannst du mich durch die Gegend tragen“ “Könnte dir so passen!“ Kam es nur. „Das heißt du würdest es nicht tun?“ Hakte ich weiter nach. „Doch natürlich, ich würde dich überall hin tragen“ Warum hört sich das nur so an als wenn er es nicht so meint? „Du versuchst nur die Kurve zu kriegen“ „No, gut vielleicht habe ich keine Lust den ganzen Tag deinen persönlichen Butler zu spielen aber ich weiß deine Anwesenheit zu schätzen“ Was wird denn das jetzt? Erst hörte es sich nach Spaß an aber das wurde dann wohl Ernst.
Ich wurde ein bisschen neugierig und sah nach oben in sein Gesicht. Nebenbei drehte ich mich etwas und lag schon halb über ihm. „Das sollte ich sagen, ich meine mir ist klar das ich normalerweise nicht so günstig hier her kommen würde. Das war echt ein interessanter Jahreswechsel“ Er zog ein Lächeln und fuhr mit seiner Hand meinen Rücken auf und ab. “Ich hätte das aber nicht unbedingt alles gebraucht, von mir aus hätten wir auch irgendwo alleine feiern können. Ich meine, ich bin ja lange genug unterwegs und es ist immer das gleiche nur an anderen Orten. Zwar sehe ich jeden Tag viele Leute und mein Team ist ja auch immer dabei aber am Ende bin ich trotzdem alleine in meinem Zimmer. Ich will mich ja nicht beschweren aber manchmal hätte ich schon gerne noch mehr Leute dabei. Manchmal kommt es mir so vor als würde ich gar nicht mitbekommen was zu Hause passiert. Meine Eltern sind ja auch ab und zu dabei aber das ist was anderes als zu Hause zu sein. Es stört mich schon das ich nur über Internet und Handy mit meiner Familie und meinen Freunden Kontakt halten kann. Deswegen freue ich mich ja das du hier bist, ich weiß das es nicht geht aber du kannst von mir aus zu jedem Turnier kommen“
Tja, wenn es so einfach wäre! Klar kann ich nachvollziehen das er mich am liebsten überall dabei hätte. Einige andere Spieler machen das ja so, die haben ihre Frau oder Freundin überall dabei. Das führt nur dazu, dass man sein eigenes Leben aufgibt und ob das auf Dauer gut geht, weiß ich auch nicht. Verlockend klingt es schon aber ich könnte mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen alles aufzugeben und mit Rafa um die Welt zu fliegen. Er versucht zum Glück auch nicht mich dazu zu bringen da ich fürchte, dass ich nicht nein sagen würde wenn er nur hartnäckig genug ist.
„Ich komme auf das Angebot zurück!“ Meinte ich dann und küsste ihn am Hals. Das Thema ließ mir dann aber keine Ruhe mehr. „Könntest du dir das wirklich vorstellen, dass ich überall dabei bin? Ich meine, ich weiß das es theoretisch kein Problem ist“ “Natürlich, ich wäre doch nicht mit dir zusammen wenn ich dich nicht am liebsten jeden Tag sehe wälte. Aber ich hätte immer ein schlechtes Gewissen weil ich weiß was ich da von dir verlangen würde. Ich könnte nur schwer mit dem Gedanke leben das du dein Leben für mich aufgibst“
An dieser Stelle kämen jetzt eine Menge Gefühle ins Spiel. Die Frage ist doch was man bereit ist zu opfern um mit jemandem zusammen zu sein. Wenn man jemanden wirklich liebt, tut man wahrscheinlich so einiges. In dem Moment erscheint einem alles aufzugeben ja auch nicht als Opfer. Vielleicht ist das was man dafür bekommt ja besser als das was man vorher hatte. Es ist zu kompliziert um jetzt lange darüber nachzudenken. Besser wir weiten das Thema jetzt nicht unnötig aus sonst wird es nichts mit dem Schönheitsschlaf für Rafa. „Vielleicht sollten wir ja schlafen?“ “Mhh, sollten wir!“
Als ich wieder aufwachte, fühlte ich mich total schlapp. Komisch dabei hatte ich gar nicht viel getrunken und war auch nicht so spät ins Bett gegangen. Am liebsten würde ich bis Mittag schlafen aber Rafa sprang kaum das der Wecker geklingelt hatte aus dem Bett und verbreitete Hektik. Er spielt zwar erst am Nachmittag aber er ist ja immer schon Stunden bevor sein Spiel anfängt auf der Tennisanlage.
Das war mir zu viel Stress auf einmal also blieb ich im Bett liegen während Rafa im Bad war. Es gab hier noch mehr Bäder, ich hätte nicht warten müssen aber ich war faul. Ich suchte mein Handy und machte es mir dann wieder bequem. Bestimmt habe ich jetzt unzählige dieser lästigen Neujahrs sms auf dem Handy.
Ich war auch kaum im Posteingang als ich schon die Bescherung sah. Selbst hier ist man davor nicht sicher! Die meisten wissen ja gar nicht wo ich gerade bin und wunderten sich vielleicht das ich nicht sofort geantwortet hatte. Tja, so um vier Ortszeit in Deutschland lag ich längst im Bett. Mir fiel dann nur spontan ein Absender ins Auge. Sara! Ich musste zweimal hinsehen um sicher zu sein.
Neugierig drehte ich mich wieder um und sagte erst mal nichts. Rafa lief ohne mich zu beachten zu seinem Koffer und suchte was zum anziehen. Ich kaute derweil auf meiner Unterlippe und dachte nach. Irgendwie fühlte ich mich jetzt schlecht, ich wollte nicht so ausflippen wegen eigentlich nichts. Zwar kenne ich Rafa noch nicht so lange aber sein Gesicht machte nachfragen überflüssig, ich weiß das er sauer ist. Ohne einen Ton zu sagen lief er dann wieder aus dem Zimmer. Wieso fühlte ich mich plötzlich so unwohl? Ich will doch nicht mit ihm streiten! Ein paar mal holte ich tief Luft bevor ich das Zimmer verließ um nachzusehen wo er ist. Lange suchen musste ich auch nicht, er saß vor dem Fernseher und beachtete mich nicht.
Ein paar Sekunden blieb ich stehen und beobachtete ihn. Am liebsten würde ich mich neben ihn setzen aber das ist im Moment wohl keine gute Idee. Das er von sich aus nichts sagen würde wusste ich also lag es an mir etwas zu sagen. „Es tut mir leid“ Sagte ich dann kleinlaut und blieb im Türrahmen stehen. „No, muss es nicht. Wenn dir deine Sachen wichtiger sind als ich kann ich es auch nicht ändern. Vielleicht hättest du ja zu Hause bleiben sollen, dann müsstest du jetzt keine Angst haben das ich irgendwelche Sachen von dir zerstöre“ Ich schluckte einfach nur und hatte Mühe die Fassung zu bewahren. Er hielt es nicht mal für nötig mich anzusehen. Wenn er mich so eiskalt abblitzen lässt, könnte ich ihn umbringen.
Es überrascht mich immer wie er es schafft so was ohne jegliche Emotion zu sagen. Normalerweise ist er nicht so abgebrüht. Mir fehlten spontan die Worte. Was sollte ich darauf auch antworten? Er kann unmöglich ernst gemeint haben das ich hätte zu Hause bleiben sollen. Fieberhaft suchte ich nach einem Weg um die Lage zu entschärfen. Wir sehen uns schon nicht lange, ich habe keine Lust wegen sinnlosen Dingen mit ihm zu streiten. Warum soll ich eigentlich einlenken? Ich habe doch schon gesagt, dass es mir leid tut. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass es hier schon lange nicht mehr um die Hosen geht. Was ich wirklich wollte war es ihm mit gleicher Münze heimzuzahlen, ich war zu sehr in Rage um mich zu beruhigen. „Wahrscheinlich hast du Recht. Du musst keine Angst haben das ich dich bei zukünftigen Turnieren mit meiner Anwesenheit belästige. Falls ich gehen soll sage es und ich bin weg“ Er sagte gar nichts mehr also drehte ich mich um und knallte die Tür nach mir zu.
Ganz toll, so hatte ich mir das vorgestellt! Es ist ja nicht zu glauben. Vor ein paar Stunden freute ich mich noch richtig darauf Rafa zu sehen und was hatte ich jetzt davon? Jetzt werfen wir uns im Affekt Bosheiten an den Kopf, die wir später bereuen werden. Ich bereute es zumindest, das mit den Turnieren war nur um ihn zu ärgern. Klar fahre ich hin wenn er mich lässt. Es regt mich auf das er nicht nachgibt und einlenkt. Wenn ich jetzt wieder rübergehe und etwas sage, nutzt es das doch wieder als Steilvorlage um mir eine gemeine Antwort zu geben. Da ich ja irgendwie reagieren musste, lief ich wieder rüber und setzte mich dann doch direkt neben ihn.
Ich versuche es einfach mit einem direkten Angriff. Es war Absicht, die Couch war groß genug das ich hätte woanders sitzen können. In der Stimmung wie er eben ist fühle ich mich zwar leicht unbehaglich neben ihm aber das nutzt alles nichts, mit Worten erreiche ich im Moment nichts bei ihm. „Was willst du?“ Fragte er dann nur und sah weiter auf den TV. Er versteht nicht mal etwas von dem was da kommt, da liefen arabische Schriftzeichen von rechts nach links durch das Bild. Ich weiß, dass er mich damit ärgern will, manchmal ist er wie ein kleines Kind. Ich lehnte mich nach vorn und drückte auf die Fernbedienung, ein paar Sekunden später wurde der Bildschirm dunkel.
Erst dachte ich das würde ihn dazu bewegen mich anzusehen aber da lag ich natürlich falsch, er drehte seinen Kopf zur Seite und sah jetzt erst recht von mir weg. Ich rückte noch näher an ihn, näher ging es nicht mehr. „Es tut mir leid, ich habe das nicht so gemeint vorhin. Ich war nur überrascht und dann habe ich überreagiert“ Sagte ich nochmal aber er blieb mit verschränkten Armen sitzen. Das spornte mich erst recht an etwas zu unternehmen um ihn zu einer Reaktion zu verleiten. Ich legte meinen Kopf an seine Schulter ab er blieb weiterhin stur also küsste ich ihn am Hals. Erst reagierte er nicht aber er konnte dann wohl nicht anders und legte seinen Kopf schief. Das wertete ich als positives Zeichen und küsste ihn weiter. Hilfe, ich könnte direkt auf unanständige Gedanken kommen! Ganz so einfach werde ich es ihm aber auch nicht machen also hörte ich wieder auf. „Willst du jetzt ewig einen auf eingeschnappt machen? Ich meine, so lange sehen wir uns nicht und ich will nicht mit dir streiten weil wir dazu keine Zeit haben“ “Ich hasse es wenn du Recht hast“ Kam es dann nur. Er drehte seinen Kopf zu mir und sah mich ein paar Sekunden neutral an.
„Warum flippst du gleich so aus?“ “Das wollte ich nicht. Das sind nur meine Lieblingshosen, die waren mal weiß und ich habe die gefärbt. So richtig hält die Farbe aber nicht daher wasche ich die nur wenn es sein muss. Ich bin vielleicht etwas zu empfindlich bei dem Thema“ Er umarmte mich und schüttelte langsam mit dem Kopf. “Das hättest du doch auch eher sagen können, ich kann das doch nicht riechen“ “Hätte ich ja nur wusste ich nicht was du planst“ Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber sein Lächeln erschien wieder.
„Was ich geplant hatte willst du lieber nicht wissen“ Ich musste lachen und konnte mir schon sehr genau ausmalen was er geplant hatte. „So schwach ist meine Fantasie auch nicht ausgeprägt das ich nicht darauf komme“ „Und jetzt?“ Fragte er mit einer hochgezogenen Augenbraue, was mich noch mehr zum lachen brachte. „Vergiss es einfach“
Ein paar Minuten blieben wir sitzen und sahen uns nur gegenseitig an. „Du siehst wirklich gut aus mit dem Handtuch“ Kam es dann plötzlich mit einem schüchternen Lächeln. Ich sah kurz an mir nach unten und sah ihn dann wieder an. „Ich dachte mir es lohnt sich nicht erst etwas anzuziehen“ Ich dachte er zieht mich früher oder später sowieso wieder aus also warum erst etwas anziehen? “Da könntest du Recht haben“ Meinte er dann noch. Ich legte meine Arme um seinen Hals und zog ihn näher zu mir. „Nicht das du glaubst ich bin nur hier weil ich dich ins Bett kriegen will“ Sein Lächeln ging fast vom einen Ohr zum anderen.
„Wenn das nicht so ist warum bist du dann hier?“ Kurz dachte ich nach und da wurde mir klar, dass ich mir eben selbst eine Falle gestellt hatte. „Ich wollte dich sehen“ “Du klingst wie meine Fans“ Ich ließ ihn wieder los, rollte mit den Augen und lehnte mich nach hinten. „Genau das wollte ich hören!“ Das Grinsen verging ihm aber nicht so schnell. „Es tut mir leid“ Da ich nicht reagierte kam er langsam näher und küsste mich am Hals. Ich schloss meine Augen und dachte mir ich lasse ihn einfach mal machen. Sauer war ich ja nicht auf ihn, im Gegenteil, er kann den ganzen Tag Küsse auf mir verteilen. Langsam küsste er sich meinen Hals nach oben zu meinem Mund und spätestens dann hatte er mich da wo er mich haben wollte.
Ich konnte gar nicht anders als ihn zu umarmen und seine Küsse zu erwidern. Es war zu schön wie es eben kribbelte und knisterte, alleine dafür wäre ich hier her gekommen. Wie schön das wir Zeit haben und Rafa erst morgen Mittag weg muss. Das sind viele Stunden die wir alleine sind und mir fällt eine Menge ein damit es nicht langweilig wird. Müde war ich noch gar nicht aber wir müssen ja auch nicht schlafen. Ich zog instinktiv an seinem Shirt und versuchte ihm das auszuziehen nur war das schwierig wenn er mich eben küsst aber ich habe bis jetzt noch immer bekommen was ich wollte. Es war nur ganz schlecht das er nicht mehr so viel an hat weil ich dann keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Ich musste mich beherrschen nicht über ihn herzufallen.
Bevor ich dazu kam mir genauere Gedanken darüber zu machen was ich mit Rafa anstelle, löste er sich von mir und stand plötzlich auf. Ich musste erst mal Luft holen damit ich wieder klar denken kann und sah ihn nur sprachlos an. „Ich denke wir sollten woanders hin gehen“ Meinte er nur mit einem zu verräterischen Grinsen und zog mich von der Couch hoch.
Als ich wieder aufwachte, musste ich kurz überlegen wo ich überhaupt bin. Das fiel mir aber schnell ein als ich neben mich sah. Rafa lag auf der Seite mit dem Rücken zu mir und schlief wohl noch. Das Bettlaken, was als Decke diente, hing halb über ihm aber das hielt mich nicht davon ab mir vorzustellen was unter dem Laken ist. Zu gerne würde ich näher an ihn rücken aber dann wecke ich ihn noch auf und das wollte ich eigentlich nicht. Ich streckte mich erst mal vorsichtig und sah dann auf meine Uhr.
Es war erst kurz nach um acht, dass hätte ich nicht gedacht. Es ist ja schon hell draußen aber ich weiß doch nicht wann es hier früh hell wird. In Deutschland ist es noch fast dunkel um diese Zeit. Hing sicher mit der Zeitverschiebung zusammen, dass ich ein wenig durchgedreht bin und nicht mehr schlafen kann. Erst dachte ich daran leise aufzustehen aber entschied mich dann dagegen. Ich kann ihn einfach nicht in Ruhe lassen, nicht nach gestern Abend. Das er sauer ist wenn ich ihn wecke glaube ich nicht, ich weiß nur das er nicht gerne aufsteht wenn es draußen noch dunkel ist aber das geht mir auch so.
Mit einem Lächeln drehte ich mich auf die Seite und rückte vorsichtig näher zu ihm. Musste mich ja schon beherrschen nicht gleich Küsse auf seinem Rücken zu verteilen. So dumm ist die Idee aber gar nicht also küsste ich ihn auf die Schulter und wartete ab was passiert. Erst passierte nichts aber ich ließ nicht locker. Er riecht immer so gut, deswegen würde ich auch nie meine Finger von ihm lassen. Seine Reaktion kam in der Form, dass er sich dann auf den Rücken drehte. Ich sah in sein Gesicht und zog ein breites Lächeln auch wenn er es mit geschlossenen Augen nicht sehen konnte. So schön verschlafen sieht er richtig gut aus.
Wahrscheinlich schläft er noch halb also kuschelte ich mich in seine Arme und schloss meine Augen wieder. Von mir aus bleiben wir noch eine Weile so liegen, es war so bequem, dass ich direkt wieder einschlafen könnte. „Der letzte Tag in diesem Jahr fängt richtig gut an“ Kam es plötzlich leise. Ich schlug meine Augen wieder auf und hob meinen Kopf. Von wegen er schläft, er sah mich mit großen Augen an was mich zum lächeln brachte. „Hey, ich dachte du schläfst noch“ “No aber du kannst mich gerne wecken“ “Eigentlich wollte ich dich schlafen lassen aber ich konnte mich nicht länger beherrschen“ “Habe ich gemerkt“ Ich legte meinen Kopf wieder an seine Schulter und umarme ihn soweit es ging.
„Wann bist du eigentlich heute Abend zurück?“ “Weiß ich noch nicht genau, spätestens zum Essen“ “Mhh“ Na gut, dass heißt wohl ich sehe ihn frühestens heute Abend um sechs oder später wieder. Kann man nicht ändern, deshalb sollten wir jetzt ausnutzen das er noch ein bisschen Zeit hat.
Viel wurde aber nicht mehr, wir blieben einfach faul im Bett liegen und ich wäre fast wieder eingeschlafen. Mit der Ruhe war es dann nämlich gleich vorbei. Frühstücken konnten wir noch zusammen und dann war Rafa auch schon weg. Alleine waren wir ja auch nicht beim frühstücken, sein Physio Rafa Maymo ist ja noch dabei und dann sein sogenannter Ersatztrainer Francisco Roig.
Toni war auf Mallorca geblieben, der wollte Silvester und Weihnachten mit seiner Familie verbringen. Kann ihm auch niemand verdenken, er ist ja sonst immer mit Rafa unterwegs. Einen Manager hat Rafa ja auch noch aber der war hier nicht dabei, der taucht erst bei dem Turnier nächste Woche in Doha wieder auf.
Es ist ja hier nur ein Show Turnier über drei Tage, da muss Rafa nicht mit seiner gesamten Entourage anreisen. In Doha wird seine Mutter noch dazukommen und zu den Australian Open dann sein Vater und eben Toni. Wirklich alleine ist Rafa also nie in den nächsten Wochen. Wenigstens etwas wenn seine Eltern schon jetzt keine Zeit haben.
Während Rafa also die Journalisten glücklich machte und wahrscheinlich wieder seltendumme Fragen beantworten muss, sonnte ich mich faul am Strand. Erst überlegte ich am Hotel zu bleiben und an den Pool zu gehen denn der sah wirklich sehr einladend aus. Das Meer ist aber direkt vor dem Hotel und wer weiß wann ich das nächste mal im persischen Golf planschen kann also ging ich ans Meer. Das ist richtig herrlich, Ende Dezember in der Sonne liegen und im Meer baden gehen.
Ich fühlte mich gleich wie im Hochsommer, verrückt das heute Abend Silvester ist. Eigentlich verbinde ich Silvester immer mit Kälte und Schnee. Da ist es doch gut mal etwas anderes zu machen in diesem Jahr. Das ganze wäre nur zu toppen gewesen wenn Rafa hier gewesen wäre aber was soll’s.
Ich habe mich ja noch gar nicht daran gewöhnt hier zu sein. Muss mich erst daran gewöhnen, dass 300 Kilometer nördlich von hier der Iran beginnt und gleich nebenan im Westen Saudi Arabien, nicht unbedingt Länder die als Urlaubsländer gelten. Umso erstaunlicher ist es zu sehen, wohin ein paar Erdölvorkommen innerhalb weniger Jahre führen können. Die meisten Gebäude die hier stehen gab es vor wenigen Jahren noch gar nicht.
Ab und zu sah ich auf die Uhr und überlegte was Rafa gerade machen wird. Er wird sicher keine Zeit haben darüber zu sinnieren ob das heute hier auch alles so aussehen würde, wenn es hier kein Öl gegeben hätte. Die Formel 1 Rennstrecke ist sicher nicht langweilig und die Autogrammstunde wird er auch überleben.
Trainieren geht er ja freiwillig und das stundenlang. Bestimmt muss ihn wieder jemand vom Platz scheuchen weil er sonst um Mitternacht noch trainiert. Manchmal ist er so verbissen darauf etwas unbedingt machen zu wollen, dass er dann stundenlang probiert bis es funktioniert.
Nur so hält er das wohl alles auch durch. Niemand würde sich das wohl nur aus langer Weile antuen, wenn man nicht wirklich voll dahinter steht schafft man es sicher auch kaum bis in die Weltspitze und dort ist Rafa ja schon ein paar Jahre. Tja, jetzt muss er eben arbeiten und kann nicht am Strand liegen, er wird ja auch sehr großzügig entschädigt.
Nach dem Mittagessen sah ich mich mal etwas im Hotel um. Da würde man Tage brauchen bis man alles gesehen hat, das Hotel war wirklich riesig. Davon musste ich unbedingt Bilder machen weil es sonst keiner glauben würde und hier kann man wirklich sehr viele Bilder machen.
Ich dachte, ich sehe vielleicht mal einen der anderen Spieler aber die haben sicher auch alle Termine über Termine. Fans waren auch keine zu sehen, dass ist wohl hier alles ein bisschen anders als bei normalen Turnieren. Bei den Zimmerpreisen wundert es mich auch nicht, dass hier keine Fans mit im Hotel sind. Das kann man sich als normaler Mensch ja kaum leisten wenn man nicht gerade Millionär ist. Meine Eltern sind natürlich auch schon richtig neugierig alles zu erfahren was hier vor sich geht also rief ich sie dann mal an. Sozusagen das letzte mal in diesem Jahr auch wenn das komisch klingt.
Heute Nacht wird es wohl nicht zu empfehlen sein sie anzurufen. Erst werden alle Netze zusammenbrechen wie jedes Jahr und dann kommt die Zeitverschiebung ja noch dazu. Hier wird es schon um drei in der Nacht sein wenn es in Deutschland um 12 ist also wird das nichts mit anrufen und vorher bringt ja Unglück. Rafa hat schon durchblicken lassen, dass er wohl fünf Minuten nach um 12 ins Bett verschwindet. Zu blöd das er auch morgen spielen muss.
Mit sonnen hatte ich irgendwann genug und der Tag neigte sich auch langsam dem Ende entgegen also ging ich zurück zum Zimmer. Da würde ich mir gleich mal die Bilder die ich heute alle gemacht habe auf dem Fernseher ansehen, sieht ja in groß besser aus als auf dem Display der Kamera.
Ich saß kaum entspannt auf der Couch, als ich Geräusche an der Tür hörte. Neugierig drehte ich meinen Kopf und wartete was passiert. Ein paar Sekunden später erschien Rafa mit einem Gepäck das man denken könnte er will schon abreisen. Ich musste mir ein lachen verkneifen als ich sah der er Mühe hatte durch die Tür zu kommen. Als er die ganzen Taschen abgestellt hatte, kam er näher und küsste mich kurz bevor er sich neben mir nieder ließ. Ich sah zu ihm rüber und musste dann spontan lachen. „Was?“ Fragte er nur und sah mich aus dem Augenwinkel an. “Was schleppst du alles mit dir rum?“ “Na meine ganze Ausrüstung“ “Du musst ja auch keine 100 Schläger mitnehmen“ “Es sind nur acht, was machst du denn?“ “Ich sehe mir nur die Bilder vom Hotel an die ich heute Nachmittag gemacht habe. Wer weiß wann ich wieder mal hier in der Gegend bin“
Sein grinsen wurde wieder unverschämt. “Wenn du brav bist nächstes Jahr um diese Zeit“ Ich schüttelte mit dem Kopf und musste lachen. „Werde mal nicht frech! Wie war es denn an der Rennstrecke?“ “Warm, hat nicht lange gedauert, es war nur ein Gag für die Fotografen. Die Autogrammstunde zog sich länger als geplant aber wenn ich hätte jedem irgendwas unterschreiben wollen, würde ich jetzt noch dort sitzen“ „Hast du jetzt Zeit?“ “Ein bisschen ja. Muss dann nochmal kurz so tun als könnte ich es kaum erwarten auf die Feier zu gehen aber das war es dann“
Da konnte ich direkt meine Lieblingshosen noch mal anziehen auch wenn Rafa erst nicht begeistert war weil er wohl dachte, dass ich wieder ausflippe wenn er nur zu nah neben mir steht. Ich wusste ja nicht was die anderen alle so anziehen aber es war mir dann auch egal, ich gehe bestimmt nicht im festlichen Abendkleid zu einer Silvesterfeier. Immerhin hatte ich mir ein paar schicke high heels mitgebracht auch wenn ich weiß das mir morgen die Füße weh tun werden.
Rafa sah ja auch eher leger aus in dunkelgrünen Jeans und einem schwarzen Hemd. Ich war schon gespannt ob wir alleine sind aber das sind wir natürlich nicht. Fans sind keine weiter da aber es gibt auch andere Gäste die gerne ein Bild mit Rafa hätten. Der restliche Anhang von seinem Team war ja auch mit dabei aber damit hatte ich gerechnet. Hier war sowieso alles recht gut gefüllt, die Feier wird wohl allen Gästen zu teil also war der Andrang dementsprechend. Sicher hat sich in Windeseile rumgesprochen wer heute für die Unterhaltung sorgen wird.
Ich war ja schon mächtig gespannt auf Lady Gaga. Ich würde zu gerne wissen was die kostet, immerhin unterbricht sie für den Auftritt hier extra ihre USA Tour. Mit Sicherheit bewegt es sich im sechsstelligen Bereich. Die Bühne war im Freien vor dem Hotel aufgebaut und man musste auch nicht drängeln wie sonst üblich bei Konzerten, es lief fast zu gesittet ab. Rafa war ja auch schon gespannt, ich glaube der freut sich mehr Lady Gaga zu sehen als mich. Vielleicht sollte ich ihn damit mal konfrontieren aber das kann ich noch machen wenn wir mal alleine sind.
Nach einer nicht enden wollenden Ankündigung erschien Lady Gaga dann auch auf der Bühne und sie hatte doch ein zweifelhaftes Outfit an. Es sah aus wie eine rote Ganzkörperstrumpfhose mit Löchern. Sie scheint es nicht zu kümmern in welchem Land sie gerade auftritt. Mal sehen wie lange sie auf der Bühne steht, Hauptsache sie vergisst Pokerface nicht damit ich Rafa dann ärgern kann. Ich konnte mich dann auch kaum halten vor lachen als die ersten Takte von Pokerface ertönten. Rafa sah mich nur streng an, anscheinend ahnte er, dass ich einen dummen Spruch sagen würde. Abschrecken ließ ich mich ab nicht von seinem Blick.
„Vergiss nicht mitzusingen, genug geübt hast du ja“ Schrie ich laut damit er es auch versteht. Er rollte nur mit den Augen und sah wieder auf die Bühne. Eine überragende Sängerin ist Lady Gaga mit Sicherheit nicht aber ihre Show kann sich sehen lassen. Sie holt eventuelle stimmliche Unsicherheiten locker mit ihren verrückten Outfits und der Show wieder rein. Immerhin stand sie fast 90 Minuten auf der Bühne, ging doch länger als ich dachte. Um 12 war es danach zwar noch nicht aber es gab ja ständig etwas anderes zu essen dabei war ich schon mehr als satt aber es sieht alles zu lecker aus und es schmeckt auch alles. Ich ließ gedanklich den Abend Revue passieren und es lief doch ganz gut. Es schien auch niemanden zu stören das ich neben Rafa sitze. Zwar hänge ich nicht andauernd über ihm aber es kommt sowieso irgendwann raus also brauchen wir auch nicht so zu tun als wenn wir uns nicht näher kennen.
Als es dann endlich um 12 war, brach leichtes Chaos aus. Es gab ein Feuerwerk das man denkt die Stadt wird gerade in die Luft gejagt. Eine irre Lautstärke, es war unmöglich mit jemandem zu reden. Da kann man sich die nervigen Neujahrsgrüße sparen auch wenn die natürlich dann später kommen. Von wegen gute Vorsätze und so was, dass ist doch alles Quatsch. Das Feuerwerk nahm überhaupt kein Ende mehr, wir standen nur da und sahen ergriffen nach oben.
Man hätte sich auch denken können, dass hier auch das Feuerwerk eine Nummer größer als in anderen Städten ausfällt. Reden ging ja im Moment nicht aber anstoßen konnten wir ja trotzdem schon immer. Betrinken ist ja sowieso nicht drinnen für Rafa und alleine macht es auch keinen Spaß also bleibt es sicher bei dem einen Glas zum anstoßen. War jetzt auch egal also umarmte ich Rafa einfach, sollen die Leute denken was sie wollen. Im Moment sind die meisten sowieso mit sich selbst beschäftigt. Nach fast einer halben Stunde war es dann vorbei mit dem Feuerwerk.
Die Feier ging natürlich noch weiter, ein Band spielte Musik und die ersten tanzten schon wieder. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und musste dann lachen. „Mein Gott, ich dachte schon das geht bis zum Sonnenaufgang so weiter“ Rafa zog ein breites Lächeln und umarmte mich wieder. „Darauf hatte ich mich auch eingerichtet. Die übertreiben immer ein wenig“ “Ich hasse zwar diese sinnlosen Sprüche aber ich wünsche dir trotzdem ein frohes neues Jahr. Ich weiß das du gleich mit den Augen rollen wirst aber es wäre doch schön wenn du in diesem Jahr alle Spiele gewinnst oder nicht? Und ich hoffe du kommst einigermaßen ohne Verletzungen durch die Saison und musst nicht wieder alles absagen.“ Wie schon erwartet rollte er auch mit den Augen.
Er sagt ja immer das er nur bis zum nächsten Spiel denkt daher wusste ich das er sich freut wenn ich gleich von der gesamten Saison rede. „Ich wünsche dir auch ein frohes neues Jahr und das du zu allen Turnieren kommst die ich spiele, mir aber dabei nicht zu sehr auf die Nerven gehst. Das ich alles gewinne hoffe ich nicht denn das wäre ja auch langweilig. Ich muss nicht alles gewinnen, Hauptsache die Knie machen mit“ “Du bist ja gleich wieder ausgesprochen nett zu mir“ Er grinste mich vom einen Ohr zum anderen an und sah kurz auf seine Uhr. „Ich muss ins Bett weil ich ein bisschen Schönheitsschlaf für das Spiel brauche“ “Wenn’s sein muss“ Wir drehten eine Runde bis alle versorgt waren mit Neujahrswünschen und verschwanden dann in unser Zimmer.
Ich war froh als wir endlich mal alleine waren. Das war ja irre, es kam mir so vor als wenn jeder dem wir auf dem Weg zum Zimmer begegnet sind Neujahrswünsche loswerden muss. Es kann Nachteile haben wenn man bekannt ist. Rafa lächelte zwar immer brav aber ein bisschen kenne ich ihn ja, er macht es nur weil ihm keine andere Wahl bleibt. Sein Augenrollen war auch herrlich als wir unsere Ruhe hatten. Ich dachte mir nur meinen Teil und verschwand dann im Bad.
Endlich konnte ich auch die Schuhe ausziehen. High heels sind eine ganz schlechte Erfindung. Die sehen vielleicht gut aus aber ich dachte meine Füße fallen ab. Bestimmt habe ich morgen überall Blasen und Rafa kann mich dann durch die Gegend tragen weil ich nicht mehr laufen kann. Ich hätte mir Plüschhausschuhe mitnehmen sollen, die sind wenigstens bequem. Nach dem duschen ließ ich kaltes Wasser über meine Füße laufen, dass tat gut! Entspannt ging ich aus dem Bad und ließ mich rückwärts ins Bett fallen.
Kaum zu glauben das wirklich eben ein neues Jahr angefangen hatte. Es ist noch nicht mal um eins und ich liege schon im Bett und betrunken bin ich auch nicht. „Schläfst du schon?“ Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und schlug meine Augen wieder auf. Rafa stand neben dem Bett und sah zu mir. War er auch schon da? Und ich dachte schon er bleibt wieder ewig im Bad. „Sieht es so aus?“ Fragte ich zurück. „Ich war mir nicht sicher“ Ich schloss meine Augen wieder und drehte mich auf die Seite als Rafa endlich mal lag. Eigentlich wollte ich ihn umarmen aber er war etwas zu weit weg. „Bleibst du heute auf deiner Seite?“ Fragte ich gleich mit geschlossenen Augen.
„Du kannst gerne näher rücken“ “Ich bin aber faul, kannst du nicht zu mir kommen?“ Gedacht hätte ich es nicht aber er rückte tatsächlich näher zu mir. Näher ging es gar nicht mehr, ist doch gleich viel bequemer so! Ich machte es mir bequem und umarmte ihn so weit es ging, eigentlich könnte ich jetzt schlafen… wenn da nicht meine Füße wären! Ich hätte doch nicht die hohen Schuhe anziehen sollen. „Ist dein Physio noch wach?“ “Wieso? Willst du bei ihm übernachten?“ Ich schlug meine Augen wieder auf und hob meinen Kopf etwas damit ich in sein Gesicht sehen kann.
„Wäre ich dann bei dir? No, meine Füße fallen nur gleich ab. Ich hätte vorhin Turnschuhe anziehen sollen“ “Es hat mich sowieso gewundert wie du das aushältst. Mir tun schon die Füße weh wenn ich die Schuhe nur sehe“ Wie schön, dass er Mitleid mit mir hat, nur nutzt mir das auch nichts. Ich legte meinen Kopf wieder an seine Schulter und zog die Decke bis zum Kinn hoch. „Vielleicht gibt es sich ja bis morgen wieder. Falls nicht, kannst du mich durch die Gegend tragen“ “Könnte dir so passen!“ Kam es nur. „Das heißt du würdest es nicht tun?“ Hakte ich weiter nach. „Doch natürlich, ich würde dich überall hin tragen“ Warum hört sich das nur so an als wenn er es nicht so meint? „Du versuchst nur die Kurve zu kriegen“ „No, gut vielleicht habe ich keine Lust den ganzen Tag deinen persönlichen Butler zu spielen aber ich weiß deine Anwesenheit zu schätzen“ Was wird denn das jetzt? Erst hörte es sich nach Spaß an aber das wurde dann wohl Ernst.
Ich wurde ein bisschen neugierig und sah nach oben in sein Gesicht. Nebenbei drehte ich mich etwas und lag schon halb über ihm. „Das sollte ich sagen, ich meine mir ist klar das ich normalerweise nicht so günstig hier her kommen würde. Das war echt ein interessanter Jahreswechsel“ Er zog ein Lächeln und fuhr mit seiner Hand meinen Rücken auf und ab. “Ich hätte das aber nicht unbedingt alles gebraucht, von mir aus hätten wir auch irgendwo alleine feiern können. Ich meine, ich bin ja lange genug unterwegs und es ist immer das gleiche nur an anderen Orten. Zwar sehe ich jeden Tag viele Leute und mein Team ist ja auch immer dabei aber am Ende bin ich trotzdem alleine in meinem Zimmer. Ich will mich ja nicht beschweren aber manchmal hätte ich schon gerne noch mehr Leute dabei. Manchmal kommt es mir so vor als würde ich gar nicht mitbekommen was zu Hause passiert. Meine Eltern sind ja auch ab und zu dabei aber das ist was anderes als zu Hause zu sein. Es stört mich schon das ich nur über Internet und Handy mit meiner Familie und meinen Freunden Kontakt halten kann. Deswegen freue ich mich ja das du hier bist, ich weiß das es nicht geht aber du kannst von mir aus zu jedem Turnier kommen“
Tja, wenn es so einfach wäre! Klar kann ich nachvollziehen das er mich am liebsten überall dabei hätte. Einige andere Spieler machen das ja so, die haben ihre Frau oder Freundin überall dabei. Das führt nur dazu, dass man sein eigenes Leben aufgibt und ob das auf Dauer gut geht, weiß ich auch nicht. Verlockend klingt es schon aber ich könnte mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen alles aufzugeben und mit Rafa um die Welt zu fliegen. Er versucht zum Glück auch nicht mich dazu zu bringen da ich fürchte, dass ich nicht nein sagen würde wenn er nur hartnäckig genug ist.
„Ich komme auf das Angebot zurück!“ Meinte ich dann und küsste ihn am Hals. Das Thema ließ mir dann aber keine Ruhe mehr. „Könntest du dir das wirklich vorstellen, dass ich überall dabei bin? Ich meine, ich weiß das es theoretisch kein Problem ist“ “Natürlich, ich wäre doch nicht mit dir zusammen wenn ich dich nicht am liebsten jeden Tag sehe wälte. Aber ich hätte immer ein schlechtes Gewissen weil ich weiß was ich da von dir verlangen würde. Ich könnte nur schwer mit dem Gedanke leben das du dein Leben für mich aufgibst“
An dieser Stelle kämen jetzt eine Menge Gefühle ins Spiel. Die Frage ist doch was man bereit ist zu opfern um mit jemandem zusammen zu sein. Wenn man jemanden wirklich liebt, tut man wahrscheinlich so einiges. In dem Moment erscheint einem alles aufzugeben ja auch nicht als Opfer. Vielleicht ist das was man dafür bekommt ja besser als das was man vorher hatte. Es ist zu kompliziert um jetzt lange darüber nachzudenken. Besser wir weiten das Thema jetzt nicht unnötig aus sonst wird es nichts mit dem Schönheitsschlaf für Rafa. „Vielleicht sollten wir ja schlafen?“ “Mhh, sollten wir!“
Als ich wieder aufwachte, fühlte ich mich total schlapp. Komisch dabei hatte ich gar nicht viel getrunken und war auch nicht so spät ins Bett gegangen. Am liebsten würde ich bis Mittag schlafen aber Rafa sprang kaum das der Wecker geklingelt hatte aus dem Bett und verbreitete Hektik. Er spielt zwar erst am Nachmittag aber er ist ja immer schon Stunden bevor sein Spiel anfängt auf der Tennisanlage.
Das war mir zu viel Stress auf einmal also blieb ich im Bett liegen während Rafa im Bad war. Es gab hier noch mehr Bäder, ich hätte nicht warten müssen aber ich war faul. Ich suchte mein Handy und machte es mir dann wieder bequem. Bestimmt habe ich jetzt unzählige dieser lästigen Neujahrs sms auf dem Handy.
Ich war auch kaum im Posteingang als ich schon die Bescherung sah. Selbst hier ist man davor nicht sicher! Die meisten wissen ja gar nicht wo ich gerade bin und wunderten sich vielleicht das ich nicht sofort geantwortet hatte. Tja, so um vier Ortszeit in Deutschland lag ich längst im Bett. Mir fiel dann nur spontan ein Absender ins Auge. Sara! Ich musste zweimal hinsehen um sicher zu sein.
15 February 2010
Chapter 31
Als ich das Hotel von weitem sah, wurde mir auch klar was Rafa eben meinte mit dem verlaufen. Es war ja riesig, dass sah aus wie ein Palast und nicht wie ein Hotel. Ich hatte schon ein paar Hotels gesehen aber so was noch nie. Gut, sechs Sterne Hotels sieht man auch nicht jeden Tag. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus, dabei war es schon dunkel. Wer weiß, wie es erst alles aussieht wenn es morgen früh hell wird. Ich fühlte mich wie in 1001 Nacht.
Die Eingangshalle glich dann auch eher einem Flughafenterminal von den Ausmaßen her. Das war ja echt der absolute Wahnsinn! Beinahe hätte ich noch vergessen warum ich hier bin. Natürlich musste ich mein Gepäck nicht selbst zum Zimmer tragen obwohl ich nicht viel eingepackt hatte. Ich dachte schon die Hotelmitarbeiter verfolgen mich bis ins Zimmer aber direkt vor dem Zimmer wurde mein Koffer abgestellt. Oder war es wegen Rafa?
Ich schätze wenn er nicht schon da wäre, würden die auch meinen Koffer auspacken. Ob er noch im Zimmer ist weiß ich ja nicht aber gleich.
Gespannt öffnete ich die Tür und ging rein. Ein paar Sekunden sah ich mich nur um und wusste nicht wo ich zuerst hinsehen sollte. Rafa schien Recht zu haben, alleine das Wohnzimmer wenn man es so nennen kann war größer wie meine ganze Wohnung. Es schien vom Bad abgesehen noch mehr Zimmer zu geben, es waren zumindest mehrere Türen zu sehen.
Ich blieb direkt hinter der Tür stehen und musste das erst mal auf mich wirken lassen. Als dann Geräusche zu hören waren und Rafa kurz darauf erschien, fiel mir wieder ein warum ich hier war. Ich blieb stehen und lächelte vom einen Ohr zum anderen, dass war zu schön um wahr zu sein. Beherrschen konnte ich mich nicht länger also lief ich zu ihm und fiel ihm um den Hals.
„Ich dachte schon wir sehen uns heute gar nicht mehr“ Murmelte ich dann während ich ihn umarmte. „Besser später als nie“ Das war richtig schön, ich würde ihn wenn es nach mir geht gar nicht mehr los lassen. Etwas locker ließ ich dann schon, zumindest so das ich sein Gesicht sehen kann. „Ich freue mich total dich zu sehen“ Sein Lächeln ging vom einen Ohr zum anderen. „Und ich dachte schon du willst das nicht“ “Klar will ich dich sehen“ Bevor ich antworten konnte, kam er wieder näher und küsste mich verführerisch. Es kribbelte gleich wieder bei mir, ich könnte alles um mich rum vergessen. „War das schon alles?“ Fragte ich als er sich überraschend von mir löste. „Wir können uns ja für später noch etwas aufheben, no?“
So wie er mich angrinst, kann ich mir schon bildlich vorstellen was er damit meint. „Da wir eben beim Thema sind. Dürfen wir überhaupt in einem Bett schlafen? Ich meine wegen Islam und so“ “In einem Bett schlafen dürfen wir schon, das ist ja nicht verboten“ Ich rollte mit den Augen und musste kichern. „Tue nicht so“ “Spaß bei Seite, theoretisch dürften wir das nicht aber die nehmen es nicht so genau bei den Touristen. Ich meine, sonst würden wir hier auch keinen Tropfen Alkohol bekommen und das käme wohl nicht gut an wenn es sich rumspricht“ “Dann hätten wir das ja geklärt“ “Ist deine größte Angst gewesen das dich jemand davon abhält mich Abends nach 22 Uhr noch zu sehen?“ Macht er sich etwa gerade lustig über mich?
„Sagt der Richtige, wir schlafen wirklich getrennt wenn es dir lieber ist“ “Heute nicht aber morgen brauche ich ein bisschen Schlaf damit ich Übermorgen spielen kann“ “Du tust ja gerade so als wenn ich dich auffressen würde“ “Ich meine ja nur“
Ich ließ ihn stehen und wollte erst mal meinen Koffer auspacken, es wird ja nicht lange dauern da ich nicht viel mit habe. Nebenbei sah ich mich im Zimmer um wobei es wohl schon eher so was wie eine Wohnung ist. „Warst du eigentlich schon oben?“ Ich sah vom Schrank aus zur Tür, wo Rafa eben stand.
„Wie oben?“ Fragte ich nur. Ging es etwa in einer anderen Etage noch weiter? “Na oben auf der Terrasse“ “Es gibt eine Terrasse?“ “Sí, mit Meerblick. Es ist zwar jetzt dunkel aber ich kenne das noch vom letzten Jahr. Ich sehe ja eine ganze menge Hotels aber so was wie das hier schockiert mich auch jedes Jahr auf’s neue“ Ich musste gleich lachen und ich dachte schon Rafa würde das gar nichts mehr ausmachen so was zu sehen. „Kommt da noch was? Ich meine, machen die eine Feier morgen?“ “Darauf kannst du aber wetten. Ich bin schon gespannt wer da auftritt“
Daran dachte ich ja noch gar nicht. Jetzt wo er es sagte fiel mir wieder ein das er ja erzählt hat das Shakira letztes Jahr hier aufgetreten ist zu Silvester. Die hätte ich auch gerne gesehen aber sie wird wohl dieses Jahr nicht wieder hier auftreten. „Also ich gehe jetzt doch mal hoch“ Das ließ mir dann keine Ruhe mit der Terrasse, ich musste das sehen egal wie dunkel es gerade ist. Rafa lief mir nach und blieb dann hinter mir stehen. Er hatte Recht, es gab eben wirklich nicht viel zu sehen außer den Möbeln die hier standen. Es war aber wenigstens noch richtig warm, man bedenke das Datum. Gut, hier ist das wohl normal, dass um die 20 Grad sind. Da bin ich aber gespannt wie es aussieht wenn morgen früh die Sonne aufgeht. „Das ist echt verrückt hier! Ich will gar nicht wissen was das hier kostet“ “Also das will ich auch nicht wissen. Ich bezahle auch nix weil es über einen Sponsor läuft aber ich schätze mal es ist so viel wie ein besseres Auto“
Ich drehte mich zu Rafa um und konnte nicht glauben das ich wirklich hier bin. Nie hätte ich gedacht mal in einem sechs Sterne Hotel zu sein und dann noch alleine. Direkt alleine bin ich ja nicht, Rafa ist ja hier aber ich meine ohne meine Eltern oder Sara. Das glaubt mir ja gar keiner wenn ich das erzähle, die denken alle ich spinne! „Was machst du eigentlich morgen?“ Fragte ich dann neugierig. Zwar wusste ich im Groben wie das alles abläuft aber nicht was er morgen genau macht, spielen muss er ja zumindest nicht. Das heißt aber noch lange nicht, dass er Zeit hat, die hat er nämlich nie wenn er bei Turnieren ist. Rafa kam näher bis er direkt vor mir stand und umarmte mich dann.
„Morgen früh ist es noch relativ entspannt und am Nachmittag habe ich erst eine Autogrammstunde, dann ein Rendezvous mit Roger Federer an der Formel 1 Rennstrecke und danach muss ich ein bisschen trainieren“ Oh Gott, dass klang ja richtig super! Sieht so aus als könnte ich Rafa ausplanen von meinen Tagesaktivitäten. „Ich hätte doch zu Hause bleiben sollen“ Meinte ich als Scherz und rollte mit den Augen. „Wenn du Glück hast, sehen wir uns noch vor Silvester. No, Spaß bei Seite, ich bin pünktlich zum Abendessen mit allem fertig “ Zwar hätte ich ihn lieber für mich alleine aber ich wusste das er nicht viel Zeit haben wird also hatte ich mich schon darauf eingestellt.
Als ich so überlegte, fiel mir Federer wieder ein. Wieso geht er mit dem zur Formel 1 Rennstrecke? Soweit ich mich erinnere, ist jetzt gar kein Formel 1 Rennen in Abu Dhabi in nächster Zeit. „Was machst du mit Federer?“ “Tennis spielen“ Jetzt verstand ich gar nichts mehr. „Hä?“ Rafa lächelte mich vom einen Ohr zum anderen an und fuhr mit seinen Händen meinen Rücken auf und ab. „Das ist eine PR-Aktion von den Veranstaltern hier. Die bauen einen Tennisplatz auf der Rennstrecke nach und ich soll dort mit Federer spielen. Dann werden ein paar Bilder gemacht und das war es“ Inzwischen wurde mir so einiges klar. „Sag’s doch gleich!“ “Mir gefiel dein verwirrter Gesichtsausdruck“ Ich zwickte ihn aus Spaß in den Arm und legte meine Arme dann um seinen Hals.
„Kannst du wenigstens ausschlafen?“ “Sí morgen schon, Übermorgen hängt es davon ab wann ich spiele“ Na wenigstens können wir in Ruhe schlafen! Besser als gar nichts. „Bueno, solltest du doch mitten in der Nacht aufstehen, lässt du mich aber ausschlafen denn ich habe keine Lust früh aufzustehen“ “Ich kann sowieso nicht aufstehen wenn du neben mir liegst. Theoretisch könnte ich schon aber es würde mir sehr schwer fallen“ “Da weißt du wie es mir immer geht wenn du bei mir bist und ich Montag früh zur Arbeit muss. Aber im Gegensatz zu sonst bin ich morgen faul und du darfst arbeiten“ “Was machst du denn morgen?“ Wie schön das er das fragte! Ich hatte mir alles schon genau überlegt.
“Ich gehe an den Strand und mache gar nichts außer vielleicht an dich zu denken“ “Ich würde auch lieber an den Strand gehen“ “Du kannst bei dir zu Hause an den Strand gehen“ “Ich meinte mit dir, jetzt bist du schon hier und ich habe keine Zeit“ Langsam verschwand mein Lächeln dann wieder. „Ist schon ok, wirklich. Ich meine, ich wusste doch vorher, dass du nicht hier bist um Urlaub zu machen. Ich muss wohl damit leben das die halbe Welt Interesse an dir hat“ Entgegen meiner Erwartungen wurde sein Gesicht dann aber auch Ernst. “Falls es dich doch irgendwann stört, sage was. Ich will nicht das sich alles aufstaut und du mir dann vorwirfst das ich zu wenig Zeit für dich habe“ “Mache dir nicht so viele Gedanken. Ich weiß, dass es dich nur so gibt und ich habe mir das gründlich überlegt. Zeit dazu hatte ich ja in den letzten Wochen. Außerdem wäre es ja langweilig wenn wir uns andauernd sehen“ Im nächsten Augenblick entspannte sich sein Gesicht auch wieder.
„Ok, wie du meinst. Nicht das du glaubst mir ist egal wie du das findest das ich wenig Zeit habe. Ich kann nur niemanden gebrauchen der mir noch in den Rücken fällt und so noch mehr Stress macht“ “Habe ich verstanden und jetzt?“ Er sah kurz auf seine Uhr und dann wieder in mein Gesicht. „Ich weiß, dass es noch nicht so spät ist aber ich sollte wohl ins Bett gehen wenn ich morgen nicht schon vor Mitternacht einschlafen will“ “Kannst du überhaupt schlafen? Ich meine wegen der Zeitverschiebung“
Ich wusste ja auch, dass es schon nach um neun ist aber ich hatte jegliches Gefühlt für Raum und Zeit verloren. Eigentlich wäre es ja jetzt erst um sechs in Deutschland aber durch den Flug war ich total von der Rolle. „Mal sehen, ich vermute nicht aber uns wird schon nicht langweilig werden“ Bevor ich Luft holen konnte um etwas zu antworten küsste er mich kurz und drehte sich dann um.
„Ich gehe duschen, bis gleich“ Ich blieb mit offenem Mund stehen und sah ihm nach wie er verschwand. Na das war ja ein filmreifer Abgang! Erst trödeln wir auf der Terrasse ewig rum und dann verschwindet er innerhalb von Sekunden.
Alleine machte es auch keinen Spaß noch auf der Terrasse zu bleiben also ging ich dann auch wieder rein und rief mal meine Eltern an, Meldung erstatten das ich heil hier angekommen bin. Die machen sich sonst wieder Sorgen und denken ich bin ins falsche Flugzeug gestiegen oder so was. Eigentlich dachte ich ja das Rafa nur duschen geht und dann wieder erscheint aber er tauchte gar nicht mehr auf. Hat er sich auf dem Weg ins Bad verlaufen oder versucht er in der Duschkabine zu schwimmen?
Gut, so hatte ich wenigstens einen Grund mal nachzusehen was er macht. Ich freue mich schon auf sein Gesicht, bestimmt denkt er ich würde nur unter einem Vorwand ins Bad kommen weil ich glaube, dass es was zu sehen gibt. So ganz daneben würde er da ja auch nicht liegen aber ich kann es auch nicht ändern! Alleine bei der Vorstellung musste ich schon schmunzeln. Außerdem war ich ja vorhin schon mal im Bad und wusste daher, dass es nichts zu sehen gibt wenn jemand duscht. So blöd waren die nun auch nicht bei der Konstruktion. Da war Milchglas rings um die Dusche wo man bestenfalls etwas erahnen konnte aber es gibt definitiv nichts zu sehen von außen, abgesehen vom Kopf weil das verwaschene Glas ungefähr bis 1,60 m ging.
Die Idee an sich war gut, die hatten doch tatsächlich so eine Art Felsengrotte im Bad kreiert und da war die Dusche drinnen. So was hatte ich höchstens mal im fernsehen gesehen. Ich lief also zielsicher ins Bad und war auf die Reaktion von Rafa gespannt. Damit er mich nicht gleich bemerkt, öffnete ich die Tür extra langsam und schlich dann auf Zehenspitzen rein. Er duschte ja tatsächlich noch und das Beste, er hat mich nicht bemerkt. Ich rieb mir gedanklich die Hände und dachte kurz daran ihn mal zu erschrecken. Inzwischen leuchtete mir auch ein warum er so lange braucht, man konnte Musik hören beim duschen.
Ich rollte gleich gedanklich mit den Augen und dachte Lady Gaga verfolgt einen mit Pokerface auch überall hin. Bevor ich den ersten Schock überwunden hatte kam der Refrain und Rafa fühlte sich wohl wirklich gänzlich unbeobachtet denn anders kann ich mir nicht erklären warum er sonst laut mitsingen würde. Jetzt musste ich mich aber wirklich sehr beherrschen nicht laut zu lachen. Es klang doch sehr exotisch um es harmlos auszudrücken. Singen kann Rafa schon mal überhaupt gar nicht, ich machte mir fast ein vor lachen! Es war mir dann auch nicht möglich keinen Ton von mir zu geben also entfuhr mir ein kichern. In der nächsten Sekunde sah Rafa zu mir und fragte sich wohl wieso ich mich an der Bad Tür krümme vor lachen.
„Was machst du da?“ Fragte er auch gleich mit großen Augen. „Ich wollte nur sehen wo du abgeblieben bist“ Konnte ich dann sagen während dem lachen. „Bist du schon lange hier?“ “Lange genug“ Konnte ich gerade so sagen bevor ich mir wieder den Bauch hielt vor lachen. Da er mich jetzt sowieso schon gesehen hat, kann ich auch näher zu ihm gehen. Ich blieb direkt vor der Duschkabine stehen und musste mich erst mal wieder beruhigen. „Ich wusste gar nicht das du singst“ Ich konnte mir einen spitzen Spruch absolut nicht verkneifen. „Tue ich auch nicht, dass musst du dir eingebildet haben“ “Ach so ja, dann höre ich wohl schon Stimmen?“ “Sí, die von Lady Gaga“ “Na ja wie auch immer, bleibst du noch lange hier drinnen?“ “Bin gleich fertig“
Inzwischen war Pokerface zu Ende aber als der nächste Song begann, wurde ich skeptisch. Kein Radiosender spielt zwei Songs von einem Interpreten direkt hintereinander. Außerdem habe ich das Album von Lady Gaga und weiß was nach Pokerface kommt, ein vielsagender Titel namens eh, eh, nothing else I can say. „Sage nicht du hast das Album“ Meinte ich mehr als Feststellung. „Was ist so schlimm daran? Die halbe Welt hat das! Falls es dich schockt, es ist die fame monster Version“ Ich konnte nur noch mit dem Kopf schütteln, Rafa hört Lady Gaga. Obwohl, dass hätte man sich auch denken können weil die halbe Erde das hört. „Wo kann man das einstellen was hier aus dem Lautsprecher kommt?“ “Neben dem Fernseher ist so eine Station wo man eigene Geräte anschließen kann“ “Das ist von deinem Mp3-Player?“ “Handy“ “Das ist ja interessant, du bleibst lieber stundenlang im Bad und hörst Lady Gaga als mal nachzusehen was ich mache“ “Die tritt übrigens morgen Abend auf der Feier auf“ “Wer?“ Fragte ich nach da ich nicht hinterher kam was er meinte.
„Na Lady Gaga“ Ich dachte er nimmt mich eben auf den Arm. „Was? Die tritt hier auf?“ “Genau so ist es, ich bin schon gespannt. Es gab schon länger Gerüchte das sie auftritt aber inzwischen ist es offiziell“ Für einen Moment war ich sprachlos. Das wäre ja echt die Krönung! Ich würde jetzt nicht bei einem Konzert unbedingt in die erste Reihe drängeln um sie zu sehen aber das gucke ich mir natürlich an wenn es nix kostet. Ich kann schon einen riesen Skandal riechen wenn sie wieder praktisch nackt auftritt, kommt sicher in den arabischen Ländern besonders gut an. „Du hättest doch gleich sagen können das du dich schon für morgen Abend warm singst“ Er schnappte nach Luft und sah mich übertrieben ernst an. “Ich singe nicht!“ “Wie auch immer, kann ich dann auch noch duschen?“ Sein Lächeln wurde gleich wieder unverschämt breit.
„Natürlich!“ Ehe ich überlegen konnte warum er so übertrieben grinst, hatte er seine Hände auf meinen Schultern und zog mich in die Dusche. Ich sah mit offenem Mund das Wasser an mir nach unten laufen. Meine Sachen! „Jetzt kannst du duschen“ Meinte er dann noch trocken. Noch immer fassungslos sah ich an mir nach unten. Meine Lieblingshosen! Türkise Jeans, leider nicht ganz farbecht. Oh weia, ich wasche die doch nur wenn es absolut unvermeidlich ist weil ich nicht will das die ausbleichen. Meine gute Laune verflüchtigte sich immer weiter je länger ich da stand. Als ich den ersten Schreck überwunden hatte, flüchtete ich mit einem entsetzten Gesicht aus der Dusche und versuchte schnellstmöglich aus den Hosen zu kommen.
„Bist du total verrückt geworden? Dank dir lösen sich meine Lieblingshosen gleich auf oder werden weiß!“ Sagte ich dann mit weit aufgerissenen Augen und sah wieder zur Dusche. Rafa sah mit einem komischen Gesichtsausdruck zu mir und schien zu überlegen was gerade ab geht. Langsam wurde ich wütend, wenn er da steht und mich mit offenem Mund ansieht wie ein Goldfisch, könnte ich ausflippen. „Es tut mir leid“ Meinte er dann nur aber er sah nicht aus als wenn es ihm wirklich leid tut sondern eher so als würde er sich lustig machen. Fehlte nur noch das er mit den Augen rollt aber das traut er sich wohl nicht. Ohne das ich noch ein Wort sagte, verschwand ich aus dem Bad mit einem lauten Türknallen.
Die Eingangshalle glich dann auch eher einem Flughafenterminal von den Ausmaßen her. Das war ja echt der absolute Wahnsinn! Beinahe hätte ich noch vergessen warum ich hier bin. Natürlich musste ich mein Gepäck nicht selbst zum Zimmer tragen obwohl ich nicht viel eingepackt hatte. Ich dachte schon die Hotelmitarbeiter verfolgen mich bis ins Zimmer aber direkt vor dem Zimmer wurde mein Koffer abgestellt. Oder war es wegen Rafa?
Ich schätze wenn er nicht schon da wäre, würden die auch meinen Koffer auspacken. Ob er noch im Zimmer ist weiß ich ja nicht aber gleich.
Gespannt öffnete ich die Tür und ging rein. Ein paar Sekunden sah ich mich nur um und wusste nicht wo ich zuerst hinsehen sollte. Rafa schien Recht zu haben, alleine das Wohnzimmer wenn man es so nennen kann war größer wie meine ganze Wohnung. Es schien vom Bad abgesehen noch mehr Zimmer zu geben, es waren zumindest mehrere Türen zu sehen.
Ich blieb direkt hinter der Tür stehen und musste das erst mal auf mich wirken lassen. Als dann Geräusche zu hören waren und Rafa kurz darauf erschien, fiel mir wieder ein warum ich hier war. Ich blieb stehen und lächelte vom einen Ohr zum anderen, dass war zu schön um wahr zu sein. Beherrschen konnte ich mich nicht länger also lief ich zu ihm und fiel ihm um den Hals.
„Ich dachte schon wir sehen uns heute gar nicht mehr“ Murmelte ich dann während ich ihn umarmte. „Besser später als nie“ Das war richtig schön, ich würde ihn wenn es nach mir geht gar nicht mehr los lassen. Etwas locker ließ ich dann schon, zumindest so das ich sein Gesicht sehen kann. „Ich freue mich total dich zu sehen“ Sein Lächeln ging vom einen Ohr zum anderen. „Und ich dachte schon du willst das nicht“ “Klar will ich dich sehen“ Bevor ich antworten konnte, kam er wieder näher und küsste mich verführerisch. Es kribbelte gleich wieder bei mir, ich könnte alles um mich rum vergessen. „War das schon alles?“ Fragte ich als er sich überraschend von mir löste. „Wir können uns ja für später noch etwas aufheben, no?“
So wie er mich angrinst, kann ich mir schon bildlich vorstellen was er damit meint. „Da wir eben beim Thema sind. Dürfen wir überhaupt in einem Bett schlafen? Ich meine wegen Islam und so“ “In einem Bett schlafen dürfen wir schon, das ist ja nicht verboten“ Ich rollte mit den Augen und musste kichern. „Tue nicht so“ “Spaß bei Seite, theoretisch dürften wir das nicht aber die nehmen es nicht so genau bei den Touristen. Ich meine, sonst würden wir hier auch keinen Tropfen Alkohol bekommen und das käme wohl nicht gut an wenn es sich rumspricht“ “Dann hätten wir das ja geklärt“ “Ist deine größte Angst gewesen das dich jemand davon abhält mich Abends nach 22 Uhr noch zu sehen?“ Macht er sich etwa gerade lustig über mich?
„Sagt der Richtige, wir schlafen wirklich getrennt wenn es dir lieber ist“ “Heute nicht aber morgen brauche ich ein bisschen Schlaf damit ich Übermorgen spielen kann“ “Du tust ja gerade so als wenn ich dich auffressen würde“ “Ich meine ja nur“
Ich ließ ihn stehen und wollte erst mal meinen Koffer auspacken, es wird ja nicht lange dauern da ich nicht viel mit habe. Nebenbei sah ich mich im Zimmer um wobei es wohl schon eher so was wie eine Wohnung ist. „Warst du eigentlich schon oben?“ Ich sah vom Schrank aus zur Tür, wo Rafa eben stand.
„Wie oben?“ Fragte ich nur. Ging es etwa in einer anderen Etage noch weiter? “Na oben auf der Terrasse“ “Es gibt eine Terrasse?“ “Sí, mit Meerblick. Es ist zwar jetzt dunkel aber ich kenne das noch vom letzten Jahr. Ich sehe ja eine ganze menge Hotels aber so was wie das hier schockiert mich auch jedes Jahr auf’s neue“ Ich musste gleich lachen und ich dachte schon Rafa würde das gar nichts mehr ausmachen so was zu sehen. „Kommt da noch was? Ich meine, machen die eine Feier morgen?“ “Darauf kannst du aber wetten. Ich bin schon gespannt wer da auftritt“
Daran dachte ich ja noch gar nicht. Jetzt wo er es sagte fiel mir wieder ein das er ja erzählt hat das Shakira letztes Jahr hier aufgetreten ist zu Silvester. Die hätte ich auch gerne gesehen aber sie wird wohl dieses Jahr nicht wieder hier auftreten. „Also ich gehe jetzt doch mal hoch“ Das ließ mir dann keine Ruhe mit der Terrasse, ich musste das sehen egal wie dunkel es gerade ist. Rafa lief mir nach und blieb dann hinter mir stehen. Er hatte Recht, es gab eben wirklich nicht viel zu sehen außer den Möbeln die hier standen. Es war aber wenigstens noch richtig warm, man bedenke das Datum. Gut, hier ist das wohl normal, dass um die 20 Grad sind. Da bin ich aber gespannt wie es aussieht wenn morgen früh die Sonne aufgeht. „Das ist echt verrückt hier! Ich will gar nicht wissen was das hier kostet“ “Also das will ich auch nicht wissen. Ich bezahle auch nix weil es über einen Sponsor läuft aber ich schätze mal es ist so viel wie ein besseres Auto“
Ich drehte mich zu Rafa um und konnte nicht glauben das ich wirklich hier bin. Nie hätte ich gedacht mal in einem sechs Sterne Hotel zu sein und dann noch alleine. Direkt alleine bin ich ja nicht, Rafa ist ja hier aber ich meine ohne meine Eltern oder Sara. Das glaubt mir ja gar keiner wenn ich das erzähle, die denken alle ich spinne! „Was machst du eigentlich morgen?“ Fragte ich dann neugierig. Zwar wusste ich im Groben wie das alles abläuft aber nicht was er morgen genau macht, spielen muss er ja zumindest nicht. Das heißt aber noch lange nicht, dass er Zeit hat, die hat er nämlich nie wenn er bei Turnieren ist. Rafa kam näher bis er direkt vor mir stand und umarmte mich dann.
„Morgen früh ist es noch relativ entspannt und am Nachmittag habe ich erst eine Autogrammstunde, dann ein Rendezvous mit Roger Federer an der Formel 1 Rennstrecke und danach muss ich ein bisschen trainieren“ Oh Gott, dass klang ja richtig super! Sieht so aus als könnte ich Rafa ausplanen von meinen Tagesaktivitäten. „Ich hätte doch zu Hause bleiben sollen“ Meinte ich als Scherz und rollte mit den Augen. „Wenn du Glück hast, sehen wir uns noch vor Silvester. No, Spaß bei Seite, ich bin pünktlich zum Abendessen mit allem fertig “ Zwar hätte ich ihn lieber für mich alleine aber ich wusste das er nicht viel Zeit haben wird also hatte ich mich schon darauf eingestellt.
Als ich so überlegte, fiel mir Federer wieder ein. Wieso geht er mit dem zur Formel 1 Rennstrecke? Soweit ich mich erinnere, ist jetzt gar kein Formel 1 Rennen in Abu Dhabi in nächster Zeit. „Was machst du mit Federer?“ “Tennis spielen“ Jetzt verstand ich gar nichts mehr. „Hä?“ Rafa lächelte mich vom einen Ohr zum anderen an und fuhr mit seinen Händen meinen Rücken auf und ab. „Das ist eine PR-Aktion von den Veranstaltern hier. Die bauen einen Tennisplatz auf der Rennstrecke nach und ich soll dort mit Federer spielen. Dann werden ein paar Bilder gemacht und das war es“ Inzwischen wurde mir so einiges klar. „Sag’s doch gleich!“ “Mir gefiel dein verwirrter Gesichtsausdruck“ Ich zwickte ihn aus Spaß in den Arm und legte meine Arme dann um seinen Hals.
„Kannst du wenigstens ausschlafen?“ “Sí morgen schon, Übermorgen hängt es davon ab wann ich spiele“ Na wenigstens können wir in Ruhe schlafen! Besser als gar nichts. „Bueno, solltest du doch mitten in der Nacht aufstehen, lässt du mich aber ausschlafen denn ich habe keine Lust früh aufzustehen“ “Ich kann sowieso nicht aufstehen wenn du neben mir liegst. Theoretisch könnte ich schon aber es würde mir sehr schwer fallen“ “Da weißt du wie es mir immer geht wenn du bei mir bist und ich Montag früh zur Arbeit muss. Aber im Gegensatz zu sonst bin ich morgen faul und du darfst arbeiten“ “Was machst du denn morgen?“ Wie schön das er das fragte! Ich hatte mir alles schon genau überlegt.
“Ich gehe an den Strand und mache gar nichts außer vielleicht an dich zu denken“ “Ich würde auch lieber an den Strand gehen“ “Du kannst bei dir zu Hause an den Strand gehen“ “Ich meinte mit dir, jetzt bist du schon hier und ich habe keine Zeit“ Langsam verschwand mein Lächeln dann wieder. „Ist schon ok, wirklich. Ich meine, ich wusste doch vorher, dass du nicht hier bist um Urlaub zu machen. Ich muss wohl damit leben das die halbe Welt Interesse an dir hat“ Entgegen meiner Erwartungen wurde sein Gesicht dann aber auch Ernst. “Falls es dich doch irgendwann stört, sage was. Ich will nicht das sich alles aufstaut und du mir dann vorwirfst das ich zu wenig Zeit für dich habe“ “Mache dir nicht so viele Gedanken. Ich weiß, dass es dich nur so gibt und ich habe mir das gründlich überlegt. Zeit dazu hatte ich ja in den letzten Wochen. Außerdem wäre es ja langweilig wenn wir uns andauernd sehen“ Im nächsten Augenblick entspannte sich sein Gesicht auch wieder.
„Ok, wie du meinst. Nicht das du glaubst mir ist egal wie du das findest das ich wenig Zeit habe. Ich kann nur niemanden gebrauchen der mir noch in den Rücken fällt und so noch mehr Stress macht“ “Habe ich verstanden und jetzt?“ Er sah kurz auf seine Uhr und dann wieder in mein Gesicht. „Ich weiß, dass es noch nicht so spät ist aber ich sollte wohl ins Bett gehen wenn ich morgen nicht schon vor Mitternacht einschlafen will“ “Kannst du überhaupt schlafen? Ich meine wegen der Zeitverschiebung“
Ich wusste ja auch, dass es schon nach um neun ist aber ich hatte jegliches Gefühlt für Raum und Zeit verloren. Eigentlich wäre es ja jetzt erst um sechs in Deutschland aber durch den Flug war ich total von der Rolle. „Mal sehen, ich vermute nicht aber uns wird schon nicht langweilig werden“ Bevor ich Luft holen konnte um etwas zu antworten küsste er mich kurz und drehte sich dann um.
„Ich gehe duschen, bis gleich“ Ich blieb mit offenem Mund stehen und sah ihm nach wie er verschwand. Na das war ja ein filmreifer Abgang! Erst trödeln wir auf der Terrasse ewig rum und dann verschwindet er innerhalb von Sekunden.
Alleine machte es auch keinen Spaß noch auf der Terrasse zu bleiben also ging ich dann auch wieder rein und rief mal meine Eltern an, Meldung erstatten das ich heil hier angekommen bin. Die machen sich sonst wieder Sorgen und denken ich bin ins falsche Flugzeug gestiegen oder so was. Eigentlich dachte ich ja das Rafa nur duschen geht und dann wieder erscheint aber er tauchte gar nicht mehr auf. Hat er sich auf dem Weg ins Bad verlaufen oder versucht er in der Duschkabine zu schwimmen?
Gut, so hatte ich wenigstens einen Grund mal nachzusehen was er macht. Ich freue mich schon auf sein Gesicht, bestimmt denkt er ich würde nur unter einem Vorwand ins Bad kommen weil ich glaube, dass es was zu sehen gibt. So ganz daneben würde er da ja auch nicht liegen aber ich kann es auch nicht ändern! Alleine bei der Vorstellung musste ich schon schmunzeln. Außerdem war ich ja vorhin schon mal im Bad und wusste daher, dass es nichts zu sehen gibt wenn jemand duscht. So blöd waren die nun auch nicht bei der Konstruktion. Da war Milchglas rings um die Dusche wo man bestenfalls etwas erahnen konnte aber es gibt definitiv nichts zu sehen von außen, abgesehen vom Kopf weil das verwaschene Glas ungefähr bis 1,60 m ging.
Die Idee an sich war gut, die hatten doch tatsächlich so eine Art Felsengrotte im Bad kreiert und da war die Dusche drinnen. So was hatte ich höchstens mal im fernsehen gesehen. Ich lief also zielsicher ins Bad und war auf die Reaktion von Rafa gespannt. Damit er mich nicht gleich bemerkt, öffnete ich die Tür extra langsam und schlich dann auf Zehenspitzen rein. Er duschte ja tatsächlich noch und das Beste, er hat mich nicht bemerkt. Ich rieb mir gedanklich die Hände und dachte kurz daran ihn mal zu erschrecken. Inzwischen leuchtete mir auch ein warum er so lange braucht, man konnte Musik hören beim duschen.
Ich rollte gleich gedanklich mit den Augen und dachte Lady Gaga verfolgt einen mit Pokerface auch überall hin. Bevor ich den ersten Schock überwunden hatte kam der Refrain und Rafa fühlte sich wohl wirklich gänzlich unbeobachtet denn anders kann ich mir nicht erklären warum er sonst laut mitsingen würde. Jetzt musste ich mich aber wirklich sehr beherrschen nicht laut zu lachen. Es klang doch sehr exotisch um es harmlos auszudrücken. Singen kann Rafa schon mal überhaupt gar nicht, ich machte mir fast ein vor lachen! Es war mir dann auch nicht möglich keinen Ton von mir zu geben also entfuhr mir ein kichern. In der nächsten Sekunde sah Rafa zu mir und fragte sich wohl wieso ich mich an der Bad Tür krümme vor lachen.
„Was machst du da?“ Fragte er auch gleich mit großen Augen. „Ich wollte nur sehen wo du abgeblieben bist“ Konnte ich dann sagen während dem lachen. „Bist du schon lange hier?“ “Lange genug“ Konnte ich gerade so sagen bevor ich mir wieder den Bauch hielt vor lachen. Da er mich jetzt sowieso schon gesehen hat, kann ich auch näher zu ihm gehen. Ich blieb direkt vor der Duschkabine stehen und musste mich erst mal wieder beruhigen. „Ich wusste gar nicht das du singst“ Ich konnte mir einen spitzen Spruch absolut nicht verkneifen. „Tue ich auch nicht, dass musst du dir eingebildet haben“ “Ach so ja, dann höre ich wohl schon Stimmen?“ “Sí, die von Lady Gaga“ “Na ja wie auch immer, bleibst du noch lange hier drinnen?“ “Bin gleich fertig“
Inzwischen war Pokerface zu Ende aber als der nächste Song begann, wurde ich skeptisch. Kein Radiosender spielt zwei Songs von einem Interpreten direkt hintereinander. Außerdem habe ich das Album von Lady Gaga und weiß was nach Pokerface kommt, ein vielsagender Titel namens eh, eh, nothing else I can say. „Sage nicht du hast das Album“ Meinte ich mehr als Feststellung. „Was ist so schlimm daran? Die halbe Welt hat das! Falls es dich schockt, es ist die fame monster Version“ Ich konnte nur noch mit dem Kopf schütteln, Rafa hört Lady Gaga. Obwohl, dass hätte man sich auch denken können weil die halbe Erde das hört. „Wo kann man das einstellen was hier aus dem Lautsprecher kommt?“ “Neben dem Fernseher ist so eine Station wo man eigene Geräte anschließen kann“ “Das ist von deinem Mp3-Player?“ “Handy“ “Das ist ja interessant, du bleibst lieber stundenlang im Bad und hörst Lady Gaga als mal nachzusehen was ich mache“ “Die tritt übrigens morgen Abend auf der Feier auf“ “Wer?“ Fragte ich nach da ich nicht hinterher kam was er meinte.
„Na Lady Gaga“ Ich dachte er nimmt mich eben auf den Arm. „Was? Die tritt hier auf?“ “Genau so ist es, ich bin schon gespannt. Es gab schon länger Gerüchte das sie auftritt aber inzwischen ist es offiziell“ Für einen Moment war ich sprachlos. Das wäre ja echt die Krönung! Ich würde jetzt nicht bei einem Konzert unbedingt in die erste Reihe drängeln um sie zu sehen aber das gucke ich mir natürlich an wenn es nix kostet. Ich kann schon einen riesen Skandal riechen wenn sie wieder praktisch nackt auftritt, kommt sicher in den arabischen Ländern besonders gut an. „Du hättest doch gleich sagen können das du dich schon für morgen Abend warm singst“ Er schnappte nach Luft und sah mich übertrieben ernst an. “Ich singe nicht!“ “Wie auch immer, kann ich dann auch noch duschen?“ Sein Lächeln wurde gleich wieder unverschämt breit.
„Natürlich!“ Ehe ich überlegen konnte warum er so übertrieben grinst, hatte er seine Hände auf meinen Schultern und zog mich in die Dusche. Ich sah mit offenem Mund das Wasser an mir nach unten laufen. Meine Sachen! „Jetzt kannst du duschen“ Meinte er dann noch trocken. Noch immer fassungslos sah ich an mir nach unten. Meine Lieblingshosen! Türkise Jeans, leider nicht ganz farbecht. Oh weia, ich wasche die doch nur wenn es absolut unvermeidlich ist weil ich nicht will das die ausbleichen. Meine gute Laune verflüchtigte sich immer weiter je länger ich da stand. Als ich den ersten Schreck überwunden hatte, flüchtete ich mit einem entsetzten Gesicht aus der Dusche und versuchte schnellstmöglich aus den Hosen zu kommen.
„Bist du total verrückt geworden? Dank dir lösen sich meine Lieblingshosen gleich auf oder werden weiß!“ Sagte ich dann mit weit aufgerissenen Augen und sah wieder zur Dusche. Rafa sah mit einem komischen Gesichtsausdruck zu mir und schien zu überlegen was gerade ab geht. Langsam wurde ich wütend, wenn er da steht und mich mit offenem Mund ansieht wie ein Goldfisch, könnte ich ausflippen. „Es tut mir leid“ Meinte er dann nur aber er sah nicht aus als wenn es ihm wirklich leid tut sondern eher so als würde er sich lustig machen. Fehlte nur noch das er mit den Augen rollt aber das traut er sich wohl nicht. Ohne das ich noch ein Wort sagte, verschwand ich aus dem Bad mit einem lauten Türknallen.
4 February 2010
Chapter 30 - Abu Dhabi أبو ظبي
Ich blieb stehen und überlegte ob er jetzt sauer ist weil ich nicht gleich ja gesagt habe. Was erwartet er denn? Ich habe keine Lust mich rumkommandieren zu lassen. Er wackelt mit dem Finger und alle springen, so kennt er das wahrscheinlich. Es ging ja auch nicht darum das es mich stört wenn er solche Vorschläge macht, was mich stört ist das er gleich ein ja erwartet ohne das ich mir das mal durch den Kopf gehen lassen kann. Da es frisch wurde, lief ich auch wieder rein und wollte mal nachsehen wo Rafa sich versteckt. Seine Eltern sind ja nicht da und er wird sich kaum bei seinen Großeltern vor mir verstecken. Zielsicher lief ich zu seinem alten Zimmer.
Die Tür stand einen Spalt offen, genau so weit, dass ich reinsehen konnte. Rafa stand in der Mitte vom Zimmer und schien gedankenverloren durch den Raum zu sehen. Hatte ich mir doch gleich gedacht, dass er in seinem früheren Zimmer ist. Von der Einrichtung her erinnert nichts mehr daran das Rafa mal hier gewohnt hat, ich kannte sein früheres Zimmer ja von Bildern. „Darf ich reinkommen?“ Fragte ich durch den Spalt und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Er sah kurz zu mir und dann wieder weg. „Wenn ich no sage kommst du ja trotzdem rein“ Ein wenig verschlug es mir die Sprache. Im Moment wusste ich nicht so richtig was mit ihm los ist und warum er so abweisend reagiert. Es war das gleiche wie heute Vormittag, Weltuntergangsstimmung.
Ich beschloss dann seine letzte Bemerkung zu ignorieren und lief in sein Zimmer. Erst kam gar keine Reaktion, Rafa blieb stehen mit den Händen in den Hosentaschen und tat als wäre nichts weiter. „Was ist denn los?“ Fragte ich ihn direkt da ich keine Lust hatte noch länger zu raten wie ich mit ihm umgehen soll. „Das sollte ich dich vielleicht eher fragen“ Kam es schließlich. So eine Antwort hatte ich mir natürlich nicht erhofft. Was er genau meint, wusste ich immer noch nicht aber wenigstens sah er mich wieder an auch wenn das gar nicht gut aussah. „Wieso?“ Fragte ich vorsichtig zurück und dachte kurz daran einzulenken oder irgendwas zu sagen damit es nicht noch eskaliert.
„Wenn du keine Lust hast Silvester mit mir zu feiern kannst du es ruhig sagen“ Jetzt verstand ich gar nichts mehr, wie kommt er denn darauf? „Das habe ich doch gar nicht gesagt“ Antwortete ich leicht perplex. „No aber dein Gesicht war eindeutig. Es war nur ein Angebot, du kannst es ruhig sagen wenn du nicht willst“ Ich machte einen Schritt auf ihn zu bis ich direkt vor ihm stand. „Das ist totaler Quatsch. Klar will ich mit dir Silvester feiern“ “Aber?“ Kam es nur ernst zurück.
„Nichts aber. Ich dachte nur kurz nach, ist das verboten?“ “No aber ich dachte du freust dich. Irgendwie kommt es mir aber vor als wenn du das gar nicht willst. Ich will nicht das du es nur machst um mir einen Gefallen zu tun“ Ich umarmte ihn und schob meine Unterlippe vor. „Ich dachte nur daran das wir uns im neuen Jahr nicht mehr so oft sehen können. Ich weiß ja das du es kaum erwarten kannst bis die neue Saison anfängt. Natürlich will ich dich sehen aber ich muss mich erst mal daran gewöhnen das du jede Woche woanders bist. Erst wollte ich ja keine Fernbeziehung aber ich will mit dir zusammen sein, ich mache das sicher nicht nur weil du es willst. Das ich nicht gleich ja gesagt habe heißt nicht das ich es nicht will“
Er umarmte mich und sein Gesicht entspannte sich auch wieder. „Also doch Abu Dhabi?“ Ich konnte mir ein Lächeln nicht länger verkneifen. „Sieht so aus, es gibt sicherlich schlimmere Orte an denen man feiern kann“ Das war noch untertrieben. Klar fahre ich dort hin. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollte ich mir sowieso mal ansehen und dort ist wahrscheinlich Sommer während Deutschland im Schnee versinkt. Das sind doch wirklich schöne Aussichten.
“Es ist wirklich schön dort, ich bin mir ziemlich sicher das es dir gefallen wird“ “Denke ich auch wobei ich ja nicht dorthin fahre weil es da so schön ist“ “Letztes Jahr waren meine Eltern mit aber die haben geschäftliche Termine und können zu Weihnachten hier nicht weg. Toni bleibt auch hier und feiert mit seiner Familie. Ich könnte noch ein paar Freunde nerven aber ich weiß das die es nur machen weil ich frage, mir ist klar das die lieber hier feiern. Im Grunde würde ich auch lieber hier mit meinen Freunden und Eltern feiern“
Wenn ich mir das so anhöre, drängt sich mir eine logische Frage auf. “Warum machst du es dann?“ “Weil ich die matchpraxis unbedingt brauche, außerdem gibt es Geld, viel Geld. Ich bin ja die Siegesprämien gewohnt aber was die alleine dafür zahlen das ich überhaupt dort spiele, ist selbst für mich nicht nachvollziehbar. Ich mache es sicher nicht wegen dem Geld aber ich kann es schlecht ablehnen“ Wenn ich nicht schon gesagt hätte, dass ich nach Abu Dhabi komme, hätte er mich spätestens jetzt rumgekriegt. Wenn seine Eltern keine Zeit haben und seine Freunde lieber hier sind, kann ich ihn ja schlecht hängen lassen. So haben wir auch ein bisschen mehr Ruhe, abgesehen vom Turnier. Langsam wurde mein Lächeln dann wieder unverschämt.
„Heißt das eigentlich du hast mich nur gefragt weil deine Eltern und Freunde keine Zeit haben?“ Natürlich meinte ich das als Scherz, ich wollte nur sehen wie er versucht sich zu retten. Daran wie er nach Luft schnappte, merkte ich schon das es genau die richtige Frage war. „No, es ist nicht so das ich meine Eltern vorziehe. Ich hätte dich trotzdem gefragt und so schlecht ist es auch nicht. Wenn niemand da ist, kann auch niemand stören“ Ich musste mich beherrschen nicht laut zu lachen. „Da hast du aber gerade so die Kurve gekriegt“
Sein breites Lächeln erschien auch gleich wieder. „Du hast das mit Absicht gemacht weil du sehen wolltest was ich sage“ Meinte er dann feststellend. Natürlich war es so, nur hat er das wohl nicht gleich gemerkt. Ich grinste ihn breit an und nickte mit dem Kopf. „Exakt aber du hast schon Recht, je weniger Leute da sind umso mehr Zeit hast du um mich zu nerven“
Abu Dhabi أبو ظبي – Dezember 2009
Die knapp sechs Wochen bis zum Ende des Jahres vergingen schneller als ich gucken konnte. Vor Weihnachten ist immer alles so extrem hektisch, dass es einem wie im Zeitraffer erscheint. Zwischen dem Shoppingstress fiel mir die Entscheidung ob ich nach Abu Dhabi fliege oder nicht ziemlich leicht. Ist doch ein schöner Gedanke zwischen den nervigen Feiertagen mal hier rauszukommen. Ich müsste nicht mal länger Urlaub machen als geplant weil es günstig ist dieses Jahr mit den Feiertagen. Weihnachten hatte ich ja bei meinen Eltern gefeiert und war jetzt froh mal was anderes zu sehen und vor allem aus der Kälte zu entfliehen.
Na ja, noch bin ich nicht weg aber so gut wie. Immerhin hatte ich es schon nach Frankfurt zum Flughafen geschafft. Zum Glück hatte sich das Wetterchaos der letzten Tage wieder beruhigt. Nach einem Kältetief mit viel Schnee fielen überall in Deutschland sämtliche Flüge aus. Es wäre die Krönung wenn ich am Flughafen bin und dann nicht hier weg komme wegen dem Wetter. Ist aber alles noch mal gut gegangen.
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke war es doch gut, dass ich fliege. Andernfalls hätte ich Rafa ja gar nicht gesehen in nächster Zeit. Er war zwar kurz vor Weihnachten noch mal kurz bei mir aber das waren auch nur drei Tage. Länger werden wir uns wohl jetzt auch nicht sehen. Heute war der 30. Dezember, morgen dann demnach Silvester und am 1. Darf er ja endlich wieder offiziell zum Tennisschläger greifen. Er muss sich also zurückhalten mit feiern aber ich denke ein Sieg auf dem Tennisplatz wäre ihm viel lieber als Silvester.
Sollte er am 1. gewinnen, darf er am 2. nochmal spielen und das war es dann schon mit Abu Dhabi. Na ja, lieber vier Tage als gar nix. Noch dazu wird er nicht 24 Stunden lang Zeit haben aber das weiß ich ja schon. Wenn er meint stundenlang trainieren zu müssen oder was anderes der Art, gehe ich eben alleine an den Strand. Ich kann es kaum erwarten bis es losgeht. Zwar hat Rafa es schon so eingefädelt das ich früh hier losfliege aber der Flug dauert sieben Stunden und dazu kommen nochmal drei Stunden Zeitverschiebung.
Da wird es fast egal wann man startet weil man sowieso erst Abend in der Wüste ankommt. Der Flug ist geplant für neun Uhr, das geht noch, da bin ich Abends um 19 Uhr in Abu Dhabi wenn alles glatt geht.
Ich drängelte gleich mit los als der Flug aufgerufen wurde. Sämtliche Passagiere stürzten zum Ausgang, es war immer das selbe. Haben wohl alle Angst das sie nicht mitgenommen werden dabei haben sowieso alle ihre festen Plätze und können sich das drängeln sparen. Der Grund warum ich es so eilig hatte war, dass ich sehen wollte wo ich sitze. Rafa meinte die Flüge würden nichts kosten weil die Fluglinie einer der Hauptsponsoren von dem Turnier ist. Da Rafa die richtigen Leute kennt, kostet es nichts, genau wie das Hotel. Es ist irgendwie ungerecht, erst bekommt Rafa Millionen dafür, dass er überhaupt spielt und dann darf er auch noch gratis anreisen und es sich in einem teuren Hotel bequem machen.
Die gesamte Reise kostet mich keinen Euro, darüber freute ich mich natürlich. Ich konnte es erst glauben als ich die Flugtickets in meinem Briefkasten fand. Bei einem genaueren Blick dachte ich erst es handelt sich um eine Verwechslung, da stand first class. Erst dachte ich das wäre auch auf den Mist von Rafa gewachsen aber er hatte nichts damit zu tun. Ich wollte ihm eben einen langen Vortrag halten das es nicht nötig ist das ich erste Klasse fliege als er meinte das er gar nichts davon wüsste. Die Veranstalter wollen es sich wohl nicht mit Rafa verscherzen und übertreiben etwas. Mir hätte es auch gereicht nur einen Fensterplatz zu haben.
Ich sitze eigentlich immer am Fenster wenn ich fliege, falls ich einen anderen Platz habe, nerve ich jemanden so lange bis ich ans Fenster kann. Wie sich dann rausstellte, hatte ich fast sechs Fenster zur freien Verfügung. Es war schon sehr bequem und sicher auch teuer. Eigentlich will ich gar nicht wissen, was die Flugtickets und das Hotel kosten. Ich konnte mich direkt richtig ausstrecken und geschätzte 1000 TV-Sender und 1000 Kinofilme sehen im in flight Programm. War ganz nett aber kann es nicht schneller gehen?
So weit weg kann es doch gar nicht sein. Zu Essen gab es auch ständig etwas aber mir wurde dann so nach und nach langweilig. Zeitungen gab es auch und alles andere mit dem man sich unterhalten konnte aber nach fast fünf Stunden fliegen kommt so ein toter Punkt wo einen alles nervt. Zwar habe ich das meiste schon hinter mir aber es sind immer noch zwei lange Stunden bis zur Landung. Mal sehen ob Rafa schneller dort ist. Er fliegt auch heute los aber er fliegt erst von Palma nach Madrid und dann nach Abu Dhabi.
Er ist mit Sicherheit auch erst heute Abend dort. Wenn man aus dem Fenster blickt, sieht es auch schon nach Abend aus. Schneller als ich gucken konnte, wurde es draußen dunkel. Bei Flügen in Ostrichtung gibt es immer einen Sonnenuntergang wie im Zeitraffer. Durch die drei Stunden Zeitverschiebung kam es mir vor als wenn es Mittag schon dunkel würde. In Wahrheit ist es kurz vor um sieben und ich bin gleich am Ziel.
Pünktlich auf die Minute landete ich dann in Abu Dhabi und war zum ersten mal in meinem Leben am persischen Golf. Die erste Überraschung kam kurz vor der Landung. Auf diesem kleinen Monitor von meinem Sitz konnte ich ja eine Karte sehen wo die Flugroute eingezeichnet ist. Inzwischen war das kleine Flugzeug schon fast über Abu Dhabi aber das eigentlich erstaunlich war das Abu Dhabi auf einer Insel liegt! Das es am Meer liegt wusste ich ja aber ich wäre nie auf den Gedanke gekommen, dass es mehrere Inseln sind.
Na da bin ich aber mal gespannt! Schon die Gebäude vom Flughafen sahen sehr orientalisch aus. Ich war schon gespannt was mich hier erwartet. Auf den ersten Blick könnte es auch als Ägypten oder Tunesien durchgehen. Ich war schon froh endlich aus dem Flugzeug zu kommen und mich wieder mehr bewegen zu können. Zwar hatte ich mehr Platz als die Passagiere der economy class aber Müde war ich trotzdem.
Die warme Luft die mir entgegenschlug, war gleich angenehm gegenüber der Kälte in Deutschland. Laut der Anzeige vom Flugzeug sind hier 18° C und morgen sollen es über 20 Grad werden. Wie gut das ich meinen Bikini eingepackt hatte. Ehe ich den auspacken konnte, musste ich aber noch durch den Zoll und dann gucken wo mich jemand vom Hotel abholt. Kaum hatte ich mein Handy im Auto wieder angeschaltet, kam auch schon eine Nachricht.
Ich drückte anzeigen und musste dann kichern. ‚Wo bist du?‘ Stand dort nur. Ich suchte den Telefonbucheintrag von Rafa und drückte wählen. Es klingelte kaum zwei mal, als er auch schon ranging. „Sí?“ Kam es nur. „Tue nicht so als wenn du nicht wüsstest wer es ist“ Sagte ich während ich aus dem Fenster sah.
„Hi, nette Begrüßung“ “Dachte ich auch als ich eben auf mein Handy sah, bist du schon hier? Also ich meine in Abu Dhabi“ “Sí, bin eben dabei das Zimmer anzugucken. Kann sein ich verlaufe mich hier“ “Wieso? Ist es so groß?“ “Warte ab und sieh es dir selbst an. Wo bist du eigentlich genau?“ “Sitze eben im Shuttle vom Hotel. Der Flughafen ist schon außer Sichtweite, keine Ahnung wie weit es noch ist“ “Sind ungefähr 40 Kilometer vom Flughafen bis hier her, dauert aber nicht lange, dann bis gleich“ Ich musste gleich wieder breit lächeln, bestimmt dachte der Fahrer noch etwas von mir.
Es klingt gut wenn Rafa sagt bis gleich und nicht bis nächste Woche oder so was. Ist zwar erst knapp zwei Wochen her das wir uns gesehen haben aber ich freue mich richtig darauf Rafa gleich zu sehen. „Mhh, bis gleich, ich freue mich schon richtig“ “Ich mich auch!“ Da wir nicht unnötig lange telefonieren müssen wenn wir uns gleich sehen, legte ich dann wieder auf und steckte das Handy in meine Tasche.
Die Tür stand einen Spalt offen, genau so weit, dass ich reinsehen konnte. Rafa stand in der Mitte vom Zimmer und schien gedankenverloren durch den Raum zu sehen. Hatte ich mir doch gleich gedacht, dass er in seinem früheren Zimmer ist. Von der Einrichtung her erinnert nichts mehr daran das Rafa mal hier gewohnt hat, ich kannte sein früheres Zimmer ja von Bildern. „Darf ich reinkommen?“ Fragte ich durch den Spalt und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Er sah kurz zu mir und dann wieder weg. „Wenn ich no sage kommst du ja trotzdem rein“ Ein wenig verschlug es mir die Sprache. Im Moment wusste ich nicht so richtig was mit ihm los ist und warum er so abweisend reagiert. Es war das gleiche wie heute Vormittag, Weltuntergangsstimmung.
Ich beschloss dann seine letzte Bemerkung zu ignorieren und lief in sein Zimmer. Erst kam gar keine Reaktion, Rafa blieb stehen mit den Händen in den Hosentaschen und tat als wäre nichts weiter. „Was ist denn los?“ Fragte ich ihn direkt da ich keine Lust hatte noch länger zu raten wie ich mit ihm umgehen soll. „Das sollte ich dich vielleicht eher fragen“ Kam es schließlich. So eine Antwort hatte ich mir natürlich nicht erhofft. Was er genau meint, wusste ich immer noch nicht aber wenigstens sah er mich wieder an auch wenn das gar nicht gut aussah. „Wieso?“ Fragte ich vorsichtig zurück und dachte kurz daran einzulenken oder irgendwas zu sagen damit es nicht noch eskaliert.
„Wenn du keine Lust hast Silvester mit mir zu feiern kannst du es ruhig sagen“ Jetzt verstand ich gar nichts mehr, wie kommt er denn darauf? „Das habe ich doch gar nicht gesagt“ Antwortete ich leicht perplex. „No aber dein Gesicht war eindeutig. Es war nur ein Angebot, du kannst es ruhig sagen wenn du nicht willst“ Ich machte einen Schritt auf ihn zu bis ich direkt vor ihm stand. „Das ist totaler Quatsch. Klar will ich mit dir Silvester feiern“ “Aber?“ Kam es nur ernst zurück.
„Nichts aber. Ich dachte nur kurz nach, ist das verboten?“ “No aber ich dachte du freust dich. Irgendwie kommt es mir aber vor als wenn du das gar nicht willst. Ich will nicht das du es nur machst um mir einen Gefallen zu tun“ Ich umarmte ihn und schob meine Unterlippe vor. „Ich dachte nur daran das wir uns im neuen Jahr nicht mehr so oft sehen können. Ich weiß ja das du es kaum erwarten kannst bis die neue Saison anfängt. Natürlich will ich dich sehen aber ich muss mich erst mal daran gewöhnen das du jede Woche woanders bist. Erst wollte ich ja keine Fernbeziehung aber ich will mit dir zusammen sein, ich mache das sicher nicht nur weil du es willst. Das ich nicht gleich ja gesagt habe heißt nicht das ich es nicht will“
Er umarmte mich und sein Gesicht entspannte sich auch wieder. „Also doch Abu Dhabi?“ Ich konnte mir ein Lächeln nicht länger verkneifen. „Sieht so aus, es gibt sicherlich schlimmere Orte an denen man feiern kann“ Das war noch untertrieben. Klar fahre ich dort hin. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollte ich mir sowieso mal ansehen und dort ist wahrscheinlich Sommer während Deutschland im Schnee versinkt. Das sind doch wirklich schöne Aussichten.
“Es ist wirklich schön dort, ich bin mir ziemlich sicher das es dir gefallen wird“ “Denke ich auch wobei ich ja nicht dorthin fahre weil es da so schön ist“ “Letztes Jahr waren meine Eltern mit aber die haben geschäftliche Termine und können zu Weihnachten hier nicht weg. Toni bleibt auch hier und feiert mit seiner Familie. Ich könnte noch ein paar Freunde nerven aber ich weiß das die es nur machen weil ich frage, mir ist klar das die lieber hier feiern. Im Grunde würde ich auch lieber hier mit meinen Freunden und Eltern feiern“
Wenn ich mir das so anhöre, drängt sich mir eine logische Frage auf. “Warum machst du es dann?“ “Weil ich die matchpraxis unbedingt brauche, außerdem gibt es Geld, viel Geld. Ich bin ja die Siegesprämien gewohnt aber was die alleine dafür zahlen das ich überhaupt dort spiele, ist selbst für mich nicht nachvollziehbar. Ich mache es sicher nicht wegen dem Geld aber ich kann es schlecht ablehnen“ Wenn ich nicht schon gesagt hätte, dass ich nach Abu Dhabi komme, hätte er mich spätestens jetzt rumgekriegt. Wenn seine Eltern keine Zeit haben und seine Freunde lieber hier sind, kann ich ihn ja schlecht hängen lassen. So haben wir auch ein bisschen mehr Ruhe, abgesehen vom Turnier. Langsam wurde mein Lächeln dann wieder unverschämt.
„Heißt das eigentlich du hast mich nur gefragt weil deine Eltern und Freunde keine Zeit haben?“ Natürlich meinte ich das als Scherz, ich wollte nur sehen wie er versucht sich zu retten. Daran wie er nach Luft schnappte, merkte ich schon das es genau die richtige Frage war. „No, es ist nicht so das ich meine Eltern vorziehe. Ich hätte dich trotzdem gefragt und so schlecht ist es auch nicht. Wenn niemand da ist, kann auch niemand stören“ Ich musste mich beherrschen nicht laut zu lachen. „Da hast du aber gerade so die Kurve gekriegt“
Sein breites Lächeln erschien auch gleich wieder. „Du hast das mit Absicht gemacht weil du sehen wolltest was ich sage“ Meinte er dann feststellend. Natürlich war es so, nur hat er das wohl nicht gleich gemerkt. Ich grinste ihn breit an und nickte mit dem Kopf. „Exakt aber du hast schon Recht, je weniger Leute da sind umso mehr Zeit hast du um mich zu nerven“
Abu Dhabi أبو ظبي – Dezember 2009
Die knapp sechs Wochen bis zum Ende des Jahres vergingen schneller als ich gucken konnte. Vor Weihnachten ist immer alles so extrem hektisch, dass es einem wie im Zeitraffer erscheint. Zwischen dem Shoppingstress fiel mir die Entscheidung ob ich nach Abu Dhabi fliege oder nicht ziemlich leicht. Ist doch ein schöner Gedanke zwischen den nervigen Feiertagen mal hier rauszukommen. Ich müsste nicht mal länger Urlaub machen als geplant weil es günstig ist dieses Jahr mit den Feiertagen. Weihnachten hatte ich ja bei meinen Eltern gefeiert und war jetzt froh mal was anderes zu sehen und vor allem aus der Kälte zu entfliehen.
Na ja, noch bin ich nicht weg aber so gut wie. Immerhin hatte ich es schon nach Frankfurt zum Flughafen geschafft. Zum Glück hatte sich das Wetterchaos der letzten Tage wieder beruhigt. Nach einem Kältetief mit viel Schnee fielen überall in Deutschland sämtliche Flüge aus. Es wäre die Krönung wenn ich am Flughafen bin und dann nicht hier weg komme wegen dem Wetter. Ist aber alles noch mal gut gegangen.
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke war es doch gut, dass ich fliege. Andernfalls hätte ich Rafa ja gar nicht gesehen in nächster Zeit. Er war zwar kurz vor Weihnachten noch mal kurz bei mir aber das waren auch nur drei Tage. Länger werden wir uns wohl jetzt auch nicht sehen. Heute war der 30. Dezember, morgen dann demnach Silvester und am 1. Darf er ja endlich wieder offiziell zum Tennisschläger greifen. Er muss sich also zurückhalten mit feiern aber ich denke ein Sieg auf dem Tennisplatz wäre ihm viel lieber als Silvester.
Sollte er am 1. gewinnen, darf er am 2. nochmal spielen und das war es dann schon mit Abu Dhabi. Na ja, lieber vier Tage als gar nix. Noch dazu wird er nicht 24 Stunden lang Zeit haben aber das weiß ich ja schon. Wenn er meint stundenlang trainieren zu müssen oder was anderes der Art, gehe ich eben alleine an den Strand. Ich kann es kaum erwarten bis es losgeht. Zwar hat Rafa es schon so eingefädelt das ich früh hier losfliege aber der Flug dauert sieben Stunden und dazu kommen nochmal drei Stunden Zeitverschiebung.
Da wird es fast egal wann man startet weil man sowieso erst Abend in der Wüste ankommt. Der Flug ist geplant für neun Uhr, das geht noch, da bin ich Abends um 19 Uhr in Abu Dhabi wenn alles glatt geht.
Ich drängelte gleich mit los als der Flug aufgerufen wurde. Sämtliche Passagiere stürzten zum Ausgang, es war immer das selbe. Haben wohl alle Angst das sie nicht mitgenommen werden dabei haben sowieso alle ihre festen Plätze und können sich das drängeln sparen. Der Grund warum ich es so eilig hatte war, dass ich sehen wollte wo ich sitze. Rafa meinte die Flüge würden nichts kosten weil die Fluglinie einer der Hauptsponsoren von dem Turnier ist. Da Rafa die richtigen Leute kennt, kostet es nichts, genau wie das Hotel. Es ist irgendwie ungerecht, erst bekommt Rafa Millionen dafür, dass er überhaupt spielt und dann darf er auch noch gratis anreisen und es sich in einem teuren Hotel bequem machen.
Die gesamte Reise kostet mich keinen Euro, darüber freute ich mich natürlich. Ich konnte es erst glauben als ich die Flugtickets in meinem Briefkasten fand. Bei einem genaueren Blick dachte ich erst es handelt sich um eine Verwechslung, da stand first class. Erst dachte ich das wäre auch auf den Mist von Rafa gewachsen aber er hatte nichts damit zu tun. Ich wollte ihm eben einen langen Vortrag halten das es nicht nötig ist das ich erste Klasse fliege als er meinte das er gar nichts davon wüsste. Die Veranstalter wollen es sich wohl nicht mit Rafa verscherzen und übertreiben etwas. Mir hätte es auch gereicht nur einen Fensterplatz zu haben.
Ich sitze eigentlich immer am Fenster wenn ich fliege, falls ich einen anderen Platz habe, nerve ich jemanden so lange bis ich ans Fenster kann. Wie sich dann rausstellte, hatte ich fast sechs Fenster zur freien Verfügung. Es war schon sehr bequem und sicher auch teuer. Eigentlich will ich gar nicht wissen, was die Flugtickets und das Hotel kosten. Ich konnte mich direkt richtig ausstrecken und geschätzte 1000 TV-Sender und 1000 Kinofilme sehen im in flight Programm. War ganz nett aber kann es nicht schneller gehen?
So weit weg kann es doch gar nicht sein. Zu Essen gab es auch ständig etwas aber mir wurde dann so nach und nach langweilig. Zeitungen gab es auch und alles andere mit dem man sich unterhalten konnte aber nach fast fünf Stunden fliegen kommt so ein toter Punkt wo einen alles nervt. Zwar habe ich das meiste schon hinter mir aber es sind immer noch zwei lange Stunden bis zur Landung. Mal sehen ob Rafa schneller dort ist. Er fliegt auch heute los aber er fliegt erst von Palma nach Madrid und dann nach Abu Dhabi.
Er ist mit Sicherheit auch erst heute Abend dort. Wenn man aus dem Fenster blickt, sieht es auch schon nach Abend aus. Schneller als ich gucken konnte, wurde es draußen dunkel. Bei Flügen in Ostrichtung gibt es immer einen Sonnenuntergang wie im Zeitraffer. Durch die drei Stunden Zeitverschiebung kam es mir vor als wenn es Mittag schon dunkel würde. In Wahrheit ist es kurz vor um sieben und ich bin gleich am Ziel.
Pünktlich auf die Minute landete ich dann in Abu Dhabi und war zum ersten mal in meinem Leben am persischen Golf. Die erste Überraschung kam kurz vor der Landung. Auf diesem kleinen Monitor von meinem Sitz konnte ich ja eine Karte sehen wo die Flugroute eingezeichnet ist. Inzwischen war das kleine Flugzeug schon fast über Abu Dhabi aber das eigentlich erstaunlich war das Abu Dhabi auf einer Insel liegt! Das es am Meer liegt wusste ich ja aber ich wäre nie auf den Gedanke gekommen, dass es mehrere Inseln sind.
Na da bin ich aber mal gespannt! Schon die Gebäude vom Flughafen sahen sehr orientalisch aus. Ich war schon gespannt was mich hier erwartet. Auf den ersten Blick könnte es auch als Ägypten oder Tunesien durchgehen. Ich war schon froh endlich aus dem Flugzeug zu kommen und mich wieder mehr bewegen zu können. Zwar hatte ich mehr Platz als die Passagiere der economy class aber Müde war ich trotzdem.
Die warme Luft die mir entgegenschlug, war gleich angenehm gegenüber der Kälte in Deutschland. Laut der Anzeige vom Flugzeug sind hier 18° C und morgen sollen es über 20 Grad werden. Wie gut das ich meinen Bikini eingepackt hatte. Ehe ich den auspacken konnte, musste ich aber noch durch den Zoll und dann gucken wo mich jemand vom Hotel abholt. Kaum hatte ich mein Handy im Auto wieder angeschaltet, kam auch schon eine Nachricht.
Ich drückte anzeigen und musste dann kichern. ‚Wo bist du?‘ Stand dort nur. Ich suchte den Telefonbucheintrag von Rafa und drückte wählen. Es klingelte kaum zwei mal, als er auch schon ranging. „Sí?“ Kam es nur. „Tue nicht so als wenn du nicht wüsstest wer es ist“ Sagte ich während ich aus dem Fenster sah.
„Hi, nette Begrüßung“ “Dachte ich auch als ich eben auf mein Handy sah, bist du schon hier? Also ich meine in Abu Dhabi“ “Sí, bin eben dabei das Zimmer anzugucken. Kann sein ich verlaufe mich hier“ “Wieso? Ist es so groß?“ “Warte ab und sieh es dir selbst an. Wo bist du eigentlich genau?“ “Sitze eben im Shuttle vom Hotel. Der Flughafen ist schon außer Sichtweite, keine Ahnung wie weit es noch ist“ “Sind ungefähr 40 Kilometer vom Flughafen bis hier her, dauert aber nicht lange, dann bis gleich“ Ich musste gleich wieder breit lächeln, bestimmt dachte der Fahrer noch etwas von mir.
Es klingt gut wenn Rafa sagt bis gleich und nicht bis nächste Woche oder so was. Ist zwar erst knapp zwei Wochen her das wir uns gesehen haben aber ich freue mich richtig darauf Rafa gleich zu sehen. „Mhh, bis gleich, ich freue mich schon richtig“ “Ich mich auch!“ Da wir nicht unnötig lange telefonieren müssen wenn wir uns gleich sehen, legte ich dann wieder auf und steckte das Handy in meine Tasche.
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