28 November 2010

Chapter 71

Da ist Rafa gerade der Richtige wenn er meint das er kein Problem damit hat wenn er eine Weile nur faul ist. Das geht doch schon nach ein paar Tagen los das er unruhig wird weil ihm die ganze Bewegung fehlt. Ich hätte das ja nicht für möglich gehalten aber er hat tatsächlich fast zwei Wochen lang keinen Tennisschläger angefasst. Erst drei Tage bevor ich wieder nach Hause musste hat er wieder angefangen zu trainieren.
Berlin steht ja an und dann geht es in die USA, er hat ja viel vor bei den US Open. Lust hatte ich nicht wirklich wieder nach Hause zu fliegen. Die zwei Wochen waren zu schön um wahr zu sein und ich weiß ja das es eine Ausnahme war weil Rafa sonst nicht so viele freie Zeit hat. Ein bisschen ein schlechtes Gewissen hatte ich auch weil mir nicht entgangen ist das sich ein paar Freunde von ihm bei ihm beschwert haben das er seine ganze Freizeit mit mir verbringt. Wir waren zwar auch öfters ausgegangen abends aber davon abgesehen blieb nicht viel Zeit für seine Freunde übrig.
Das wollte Rafa aber unbedingt so, ich habe ihm mehrmals gesagt das er auch alleine wohin gehen kann. Golf spielen war er ja dann auch alleine, er hat mich gar nicht gefragt ob ich mitkomme weil er schon wusste das ich ablehne. Wir klebten zwar fast zwei Wochen lang permanent zusammen aber Golf spielen werde ich niemals und zugucken ist langweilig auch wenn Rafa da gänzlich anderer Meinung war. Er würde wohl wenn er könnte mehr Zeit auf dem Golfplatz zubringen als Tennis zu spielen.

Diese dämlichen Verlobungsgerüchte waren zum Glück wieder vom Tisch auch wenn Rafa sich gerne derbe Scherze erlaubte und mich seinen Freunden als seine Verlobte vorgestellt hat. Da wussten aber schon längst alle das es eine Ente war. Auch wenn er nur Spaß gemacht hat, klingt das beängstigend wenn er mich als seine Verlobte bezeichnet. Soweit ist es noch lange nicht, momentan haben wir genug zu überlegen mit dem Umzug.
Davon wusste vor allem noch keiner. Rafa bindet ja seinen Eltern immer gleich alles auf die Nase aber davon wusste niemand. Ich hatte schon ein bisschen bammel davor das Sara zu sagen und es fiel mir schwer dicht zu halten als ich wieder zu Hause war und sie mich besuchte. Natürlich würde ich es ihr sagen aber ich wollte mich erstmal bisschen an den Gedanke gewöhnen bevor ich es allen verkünde. Zu wissen das ich bald für längere Zeit in Porto Cristo bleibe machte es zumindest einfacher als ich mich von Rafa verabschieden musste weil mein Urlaub vorbei war. Am liebsten wäre ich gleich dort geblieben und gar nicht mehr zurückgeflogen.
Lange muss ich ja auch nicht warten um ihn wieder zu sehen, eigentlich nur eine Woche weil er an dem Wochenende vor dem Turnier in Berlin zu mir kommen will. Die Zeit zwischen den French Open und Wimbledon war nicht schön daher versuchen wir das so zu planen das wir uns schon ab und zu mal sehen können. Meine Eltern freuen sich schon darauf Rafa wieder zu sehen, es ist ja inzwischen fast ein halbes Jahr her das er zuletzt bei mir war.
Das es so lange dauert hatte ich natürlich nicht gehofft aber es ging nicht anders und er kann ja nichts machen in Deutschland außer mich besuchen daher war ich immer zu ihm gefahren. Mal sehen wie meine Eltern das finden mit dem umziehen, ich wollte es eigentlich sagen wenn Rafa dabei ist.

Wieder arbeiten zu gehen fiel mir sehr schwer aber es ist ja nur eine Woche bis Rafa mich mit seiner Anwesenheit beehrt. Sara freute sich bestimmt auch schon richtig auch wenn es erst knapp vier Wochen her ist das sie ihn gesehen hat bei Wimbledon. Berlin kommt schließlich auch noch und da werden wir ja hinfahren vom Freitag bis zum Sonntag.
Darauf freute ich mich schon richtig auch wenn ich das vor einem Jahr nicht für möglich gehalten hätte. Auch wenn eigentlich alles in Porto Cristo angefangen hat, wäre ich ohne Berlin nicht da wo ich heute bin. Nach dem Turnier in Berlin spielt er ja in Cincinnati und dort wird er auf meine Anwesenheit verzichten müssen da ich nicht wegen einem Wochenende in die USA fliege. Ich habe ihm mehr oder weniger die Wahl gelassen ob ich nach Cincinnati oder zu den US Open kommen soll wobei das keine Wahl war weil ich wusste das er US Open sagen wird.
Dann steht ja noch der Urlaub an also werden wir uns häufiger sehen in den nächsten Monaten. Wir wissen immer noch nicht was wir da genau machen aber das müssen wir spätestens in der Woche bevor ich nach New York fliege wissen damit ich mich darauf einrichten kann.

Pünktlich am Freitag abends um 11 war ich am Flughafen und wartete bis Rafa durch den Ausgang kommt. Zwar hatte ich ihn vermisst aber es war noch erträglich und kein Vergleich zu dem Wiedersehen in Wimbledon. Ich war ja letzten Sonntag zurückgeflogen also hatten wir uns wenn man den Freitag nicht mit rechnet vier Tage nicht gesehen. Etwas müde bin ich ja schon durch das frühe aufstehen und ich hatte nicht wirklich Lust Abends noch zum Flughafen zu fahren. Rafa hätte auch am Samstag fliegen können aber dann wäre er erst am Nachmittag da und wegen knapp 24 Stunden lohnt es sich gar nicht also wollte er am Freitag Abend fliegen.
Ich lief leicht nervös Runden und wartete gespannt, klar freue ich mich ihn gleich zu sehen. Alleine war ich nicht, hier warteten noch mehr Leute die jemanden abholen wollten.Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis Rafa endlich erschien, ich sah schon ständig auf meine Uhr. Mein Lächeln ging bestimmt vom einen Ohr zum anderen als ich ihn sah, es ist irgendwie immer wieder aufregend. Ich zwang mich ruhig zu bleiben bis er direkt vor mir stand.
„Hola“ Kam es mir mit einem breiten Lächeln entgegen, da konnte ich mich nicht mehr beherrschen und fiel ihm um den Hals. „Ich freue mich total dich zu sehen“ Meinte ich während ich ihn umschlang, es war richtig schön ihn zu umarmen. „Ich merke es“ Etwas löste ich mich von ihm damit ich in sein Gesicht sehen konnte. „Ich habe dich vermisst, also ein bisschen zumindest. Es ist ja nicht so lange her das wir uns gesehen haben“ Sagte ich dann mit einem begeisterten Lächeln. “Stimmt aber ich freue mich trotzdem dich zu sehen“ Das klang wirklich richtig gut! Ich konnte mich nicht bremsen und musste ihn unbedingt küssen, das war ich schon gewohnt daher fehlte mir das schon die letzten Tage.
Es nahm auch niemand um uns rum Notiz von uns also macht es nichts wenn wir uns nicht beherrschen. Damit wir nicht die halbe Nacht am Flughafen zubringen, liefen wir dann zu meinem Auto und verzogen uns in meine Wohnung. Ich konnte mich nur schwer auf die Straße konzentrieren da ich ständig neben mich sehen musste. Zwar lächelte Rafa aber irgendwas hat er, ich kann aber nicht genau sagen was es ist. Ich dachte aber das er schon noch sagen wird was los ist und wollte ihn nicht bedrängen. Wer ihn nicht kennt würde wohl gar nicht auf die Idee kommen das etwas im Busch ist aber er lächelt einfach wenn er etwas überspielen will, das macht er ja in der Öffentlichkeit auch so. Was schlimmes wird es wohl nicht sein, da ich denke das er sonst schon am Telefon was angedeutet hätte.

Viel auspacken musste er ja nicht da er am Montag früh zurück nach Mallorca fliegt also machten wir es uns auf der Couch bequem. Wenn ich es mir so überlege, bin ich doch froh das er heute Abend schon geflogen ist und nicht erst morgen früh. „Wie war denn das Training heute?“ “Kurz, du wirst es nicht glauben aber es hat den ganzen Tag geregnet. Da musste ich nach Manacor fahren, Hartplätze gibt es zum Glück auch in der Halle“ “Hoffentlich regnet es nächste Woche in Berlin nicht, sonst wird es noch wie das Finale in Rom. Das war echt nervig nach der zweiten Regenunterbrechung“ “Mhh“ Meinte er nur und sah mit einem abwesenden Blick auf sein Glas. Ich beobachtete ihn ein paar Sekunden und fragte mich warum er so in Gedanken versunken ist. „Ich hätte nicht gedacht das ich sowas jemals sagen würde aber ich freue mich richtig auf nächste Woche“
Er sah mich direkt an aber der nachdenkliche Blick blieb. Mir verging das Lächeln erst als er meine Hand in seine nahm und tief Luft zu holen schien. „Ich muss dir was sagen“ Ich schluckte kurz und war gespannt was gleich kommt. „Ich weiß das du dich total darauf freust aber ich spiele nächste Woche nicht in Berlin“ Was hat er eben gesagt, er spielt nicht in Berlin? Ich war erstmal platt von der Ansage. Ist das jetzt ein ganz dummer Scherz? „Was? Warum das denn?“ Fragte ich nach der ersten Verwirrung mit großen Augen. Da er nicht gleich antwortete und mich nur mit einem mitleidigen Blick ansah, reimte ich mir das selbst zusammen. Wenn er nicht spielt, kann es nur einen Grund geben...
„Sage nicht das Knie schon wieder!“ Meinte ich dann mehr feststellend. “No, ein bisschen weiter oben, linkes Handgelenk. Ich kann mir das selbst nicht erklären, ich habe ganz normal trainiert wie immer und plötzlich fing es an unangenehm zu ziehen bei einer bestimmten Bewegung. Ich finde das auch blöd weil ich die Matchpraxis brauche und lieber spielen würde. Ein paar Tage soll ich jetzt nicht trainieren, es ist nichts schlimmes weiter aber ich will kein unnötiges Risiko eingehen so kurz vor den US Open“ Das waren keine guten Neuigkeiten, ich hatte mich wirklich gefreut. Nicht nur das, ich hatte mit Sara auch schon die Flüge gebucht. Um das Hotel und die Eintrittskarten wollte sich ja Rafa kümmern. Mein Gesicht hing sicher bis zum Boden, dass ist wirklich schade das es nicht klappt.
„Warum sagst du das denn jetzt erst? Wir haben doch schon die Flüge nach Berlin gebucht!“ “Ich war doch erst heute Nachmittag beim Arzt und weiß es auch erst seit dem. Morgen früh wird die Turnierleitung meine Absage offiziell machen daher fliege ich auch nach Berlin am Montag eine Pressekonferenz geben bevor ich dann Abends nach Hause fliege“ “Das ist richtig blöd gelaufen, wir können die Flüge nicht stornieren oder umbuchen weil wir den günstigsten Tarif gebucht haben und daher nicht umbuchen können“ So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt! Es sollte doch so schön werden alles. „Es tut mir wirklich leid, ich weiß das du dich gefreut hast, ich freue mich auch nicht darüber“ Das er sich dafür entschuldigt will ich auch nicht, er kann ja nichts dafür. Ich denke zwar das er es wieder besonders gut machen wollte alles und daher übertrieben hat mit trainieren aber das ist jetzt auch egal.
„Da kann man wohl nichts machen“ Meinte ich immer noch ein bisschen deprimiert. „Sara wird ausflippen...“ Murmelte ich vor mich hin und überlegte derweil. Was sollen wir jetzt mit den Flügen anstellen wenn Rafa gar nicht in Berlin ist? Die Sekunden vergingen und keiner sagte ein Wort, Rafa sah mich nur mit großen Augen an als wenn er warten würde das ich etwas sage. „Tut es eigentlich weh?“ Fragte ich dann da er nicht weiter eingegangen war auf die Verletzung. “No, jetzt nicht, es ist nur wenn ich spiele“ Ich grübelte weiter nach und wägte alle Möglichkeiten ab. „Und wenn du trotzdem nach Berlin kommst? Ich meine wir können da ja auch was anderes machen wenn du nicht spielen kannst“ Er sah mich ein paar Sekunden an aber dem Gesicht das er zog nach zu urteilen war meine Idee nicht so gut.
„Das geht leider nicht, ich muss trainieren zu Hause“ Na super, meine Laune war inzwischen wieder im Keller... So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt! Da freut man sich und dann meint Rafa nicht spielen zu können nur weil es ihm mal im Handgelenk zwickt. Ich weiß ja das er auch lieber spielen würde aber langsam nervt es das immer diverse Verletzungen unsere Pläne durchkreuzen, noch dazu wo er selbst daran Schuld ist. Kann er nicht wie ein normaler Mensch trainieren? Rafa will immer 110%, das rächt sich meistens aber auch sehr bald. Vor meinem inneren Auge sah ich mich doch schon in Berlin in der Players Box sitzen mit Sara und jetzt fällt alles buchstäblich ins Wasser...

21 November 2010

Chapter 70

Als ich am nächsten Tag aufwachte, hatte ich gleich so ein unruhiges Gefühl in mir. Dazu bestand eigentlich kein Grund da kein Problem anstand. Im Gegensatz zu sonst war Rafa auch nicht mitten in der Nacht aufgestanden und ich wachte alleine auf. Es ist etwas ungewöhnlich, das es schon nach um neun ist und er noch schläft. Ich beobachtete ihn ein paar Sekunden und konnte mir den Gedanke an gestern Abend nicht verkneifen.
Ich glaube seine Eltern waren nur so erschrocken über den Witz weil er sich gestern Abend grundlegend anders verhalten hat als Vorgestern. Er klebte mir ja ständig an den Fersen, da hat seine Mutter wohl für den Bruchteil einer Sekunde gedacht das es stimmen könnte. Es könnte mir ja egal sein aber mir lässt der Artikel keine Ruhe. Klar bin ich gespannt was passieren wird auch wenn das Dementi sofort folgt. Ich hatte mir ja fest vorgenommen nicht in Panik zu verfallen aber ich musste zumindest mal auf mein Handy sehen also drehte ich mich auf die Seite und griff nach meinem Handy. Es war auch kein große Überraschung das Sara in einer sms meinte das ich sie mal anrufen soll. Angerufen hatte sie auch schon zweimal aber sie müsste wissen das wir nicht vor um neun aufstehen.
Worum es geht kann ich mir denken, sie ist bestimmt vor Schreck fast vom Stuhl gekippt als sie ins Internet gegangen ist. Vermutlich wird es sich schon überall verbreitet haben in kürzester Zeit. „Was machst du da?“ Kam es plötzlich leise von hinter mir. Ich musste schmunzeln und drehte meinen Kopf nach hinten. Es sah wirklich gut aus wie Rafa mich so neugierig ansah. Er sah ein wenig verschlafen und zerzaust aus, was mich noch mehr zum lachen brachte. „Nichts“ Antwortete ich und drehte mich wieder auf den Rücken. „Wenn du nichts machst, wieso hast du dann dein Handy in der Hand?“ Ich sah zu ihm rüber und wusste schon das ich mir die Erklärung sparen kann, er weiß sehr wohl was ich mache. „Sara macht Telefonterror“ In der nächsten Sekunde rollte er gleich mit den Augen. „Überrascht dich das? Ich werde zur Sicherheit gar nicht erst auf mein Handy sehen“ Ich rückte näher zu ihm und schloss meine Augen wieder. „Vergiss Sara“ Meinte er dann nur und nahm mir mein Handy weg bevor er mich umarmte.
„Willst du dich den ganzen Tag im Bett verstecken?“ “No aber ich will auch nicht ständig nachdenken. Es beruhigt sich schon alles wieder. Nicht das du mich falsch verstehst, klar stört es mich sowas in der Zeitung zu lesen vor allem wenn es gar nicht stimmt aber aufregen bringt nichts. Costa regelt das schon, der ist nicht erst seit gestern mein Manager“ Es klingt fast alles gut wenn Rafa nebenbei mit seiner Hand meinen Rücken auf und ab wandert. Vielleicht sollten wir doch im Bett bleiben, jetzt haben wir ja endlich mal Zeit dazu. Es ist richtig komisch wenn Rafa den ganzen Tag Zeit hat, ich bin es gewohnt das er immer für ein paar Stunden weg ist. „Hast du den ganzen Tag Zeit?“ Fragte ich nur um sicher zu gehen. „Willst du mich los werden?“ Fragte er gleich zurück. Ich schlug meine Augen wieder auf und lächelte ihn breit an. „Quatsch, ich werde wohl noch fragen dürfen“ “Es wird dich erschüttern aber ich habe Zeit“ “Davon gehe ich aus da du sonst kaum im Bett liegen bleiben würdest“ “Das würde ich gerne öfters machen aber dazu fehlt mir sonst die Zeit und wenn du nicht da bist ist es langweilig alleine“ Das ist wirklich schade das er sonst so wenig Zeit hat weil ich mich daran gewöhnen könnte den Tag entspannt zu beginnen. Es könnte doch jeden Tag so schön sein auch wenn ich weiß das es keinen großen Unterschied macht ob ich hier wohne oder nicht.
Das Rafa Zeit hat liegt nur daran das er zwei Wochen Pause vom Tennis macht, sonst würde er jetzt längst auf einem Tennisplatz stehen und trainieren. „Gehen wir da wieder zum Strand heute?“ “Wenn du willst...“ Es ist total ungewohnt das ich entscheiden kann was wir machen heute und dabei keine Rücksicht auf Rafa nehmen muss weil er zu einer bestimmten Zeit wieder hier sein muss. So viele Möglichkeiten bleiben auch nicht, es wird ziemlich heiß werden um die Mittagszeit. Man braucht keine Wettervorhersage weil es immer um die 30 Grad oder knapp darüber sind und da hat man keine große Lust was anderes als Strand zu machen. „Dann gehen wir zum Strand“ “Dazu müssten wir aber aufstehen“ “Mhh, es ist aber eben so bequem“ Zwar kann er mich auch am Strand umarmen aber nicht so innig weil ich das nicht sehen will in den Zeitungen. Kussfotos will ich erst recht nicht sehen aber das lässt sich nicht immer vermeiden. Das wir zusammen sind wissen jetzt ja alle und wir müssen es ja nicht übertrieben öffentlich zur Schau stellen, das sollen andere Stars machen, manche haben ja Spaß dran ihre Beziehungen öffentlich auszuleben.
Da bin ich froh das Rafa so eine vermeintlich spießige Einstellung hat zu dem Thema und lieber zu wenig sagt als zu viel denn ich will keine Details von meiner Beziehung mit ihm in den Klatschblättern lesen.

„Dein Kleid sieht komisch aus auf dem Fußboden“ Ich hob meinen Kopf etwas und sah zur Seite. Es stimmt ja schon, es ist zu schade um auf dem Boden zu liegen aber da lagen ja noch mehr Sachen. An mir liegt das ja auch nicht, wenn Rafa mich nicht so abgelenkt hätte, würden meine Sachen jetzt nicht im ganzen Haus verteilt liegen. „Ich hatte gestern Abend keine Zeit es erst ordentlich zusammen zu legen aber wenn du nicht da wärst, würde es jetzt nicht auf dem Boden liegen“ Antwortete ich mit einem breiten Lächeln. „Wenn du mich so anlächelst, kannst du alles mögliche zu mir sagen ohne das ich es dir übel nehme. Um aber auf das Thema zurückzukommen verbitte ich mir die Unterstellung, dass es an mir alleine liegt. Du hättest dich ja wehren können und ich habe dich zu nichts gezwungen“ “Das es mir ganz offensichtlich unmöglich ist no zu sagen müsstest du inzwischen gemerkt haben“ “Das würde ich aber nie ausnutzen“ Er grinste mich so unverschämt an als er das sagte, dass ich in schallendes Gelächter ausbrach.
„Ich kann schon deinen Heiligenschein sehen“ “Ich kann auch nichts dafür das niemand etwas böses von mir denkt“ “Es ist aber besser unterschätzt zu werden als überschätzt“ Rafa sah aus dem Augenwinkel auf mein Handy. „Sara hat lange Weile, no?“ Den Ton hatte ich ausgestellt aber man sah es ja am Display wenn jemand anruft. Der Aussage von Rafa entnehme ich mal das Sara versucht mich anzurufen also streckte ich mich etwas um an mein Handy zu gelangen. „Hey Sara, lange nichts gehört von dir“ Ging ich ran und das war ironisch gemeint denn wir hatten gestern Abend erst telefoniert aber da hatte ich nichts erwähnt von den vermeintlichen Neuigkeiten. Ich wollte nur sehen wie lange es dauert bis es sich herumspricht aber es ging offenbar sehr schnell. „Hallo, ich habe dich hoffentlich nicht geweckt oder sollte ich sagen euch?“ “Na ja, nicht wirklich“ Auf die zweite Bemerkung ging ich lieber nicht weiter ein. „Du glaubst nicht was im Internet los ist“ Na jetzt war ich aber gespannt und Rafa sah auch so aus als wenn es ihn interessiert. Zwar versteht er nichts aber es ist nicht schwer zu erraten wieso Sara anruft. Rafa tut wahrscheinlich nur so als wenn es ihm egal ist, insgeheim kann er es wahrscheinlich kaum erwarten zu hören wie das ankommt.
„Ich kann es mir vorstellen“ Meinte ich dann nur vielsagend und machte mich auf das Schlimmste gefasst. „Du weißt es schon?“ Oh, sie klang doch ein wenig enttäuscht. Dachte sie wir wissen noch nichts davon? „Aber nicht lange, Carlos Costa hat uns gestern vorgewarnt das der Artikel heute erscheint“ Beeilte ich mich gleich zu sagen da ich nicht will das sie sauer ist weil ich sie nicht vorgewarnt habe. „Warum konntest du mich nicht warnen gestern Abend? Na ja, egal jetzt, jedenfalls bin ich fast vom Glauben abgefallen als ich vorhin ins Internet ging und die Scans von der Zeitung gesehen habe!“ Es ist schon ein bisschen schade das ich nicht dabei war als sie das gesehen hat. Ihr Gesicht dabei kann ich mir schon bildlich vorstellen und das sie total geschockt war kann ich nachvollziehen, das ging mir ja selbst so.
„Was steht denn da? Ich weiß nur von dem Artikel und den Bildern aber nicht was da steht“ “Na da steht nicht so viel weil ja nicht wirklich was bekannt ist über dich außer dein Name und die spekulieren eben ob das ein Verlobungsring ist also quasi als Krönung von Wimbledon. Die Bilder toppen aber alles, da ist eines von uns in der Players Box von Wimbledon und da haben die extra als Ausschnitt nur den Ring vergrößert, der ja eigentlich meiner ist. Mir war gar nicht bekannt, dass die Öffentlichkeit so außerordentliches Interesse an meinem Schmuck hat“ Jetzt musste ich aber doch lachen, sie sagte das so als wenn sie sich das gar nicht erklären könnte. „Ich habe nicht eine Sekunde daran gedacht wohin das führen würde“ “Mache dir nix daraus, bis heute früh habe ich mir da auch keine Gedanken weiter gemacht aber die suchen wohl auf Teufel komm raus nach einer Story um die Seiten zu füllen. Das offizielle Dementi ist zwar schon auf der Seite von Rafa aber die Aufregung ist trotzdem groß. Ich hätte es auch nicht geglaubt wenn es kein Dementi geben würde“ “Wieso?“ Fragte ich nach und war da aber doch neugierig wie sie das meinte.
„Na ich will mich nicht weit aus dem Fenster lehnen und behaupten Rafa zu kennen aber das schien mir ein bisschen weit hergeholt. Sag' s mir wenn ich mich täusche aber mir scheint es nicht so als wenn er überstürzt Entscheidungen trifft“ “Du kennst mich ja auch aber die anderen haben ja keine Ahnung und können es nicht einschätzen“ “Stimmt! Außerdem gehe ich mal davon aus das du mir das sagen würdest bevor es in der Zeitung steht wenn es stimmen würde oder?“ “Klar würde ich es dir sagen und dann würde es auch nicht in der Zeitung stehen weil es dazu keine offizielle Meldung geben würde“ “Dachte ich mir auch schon aber ich war trotzdem erstmal erschrocken“ Ich versuchte mich auf das Gespräch zu konzentrieren aber es fiel mir schwer weil mir nicht der Blick von Rafa entging. Es nervt ihn wohl das ich jetzt mit Sara quatsche aber nicht weil er kein Wort versteht sondern weil wir immer eine halbe Ewigkeit telefonieren.
Er kennt das ja schon aber meistens rufe ich Sara an wenn ich alleine bin und viel Zeit habe. „Zwei Minuten, ok?“ Sagte ich leise und hielt meine Hand kurz über das Handy. Er rollte nur mit den Augen und verzog sein Gesicht aber er sagte zumindest nichts. „Du kannst ja noch ein bisschen beobachten was weiter passiert im Internet“ Widmete ich mich dann wieder Sara. “Wenn du meinst aber ich lese das nicht alles durch weil mir die Kommentare dazu zu blöd sind“ Zwei Minuten später hatte ich schon längst wieder vergessen was ich zu Rafa gesagt hatte. Ich hatte das auch nur gesagt damit er nicht meckert weil ich so lange telefoniere aber ich wurde dann wieder daran erinnert als er plötzlich aufstand und ohne einen Ton zu sagen aus dem Zimmer verschwand. Da es ja dann nicht mehr so viel zu bereden gab, beendete ich das Gespräch mit Sara und stand dann auf. Natürlich habe ich nicht gewollt das Rafa quasi aus seinem eigenen Bett flüchtet, vielleicht hätte ich doch nicht an mein Handy gehen sollen da ich ahnte das es ein längeres Gespräch wird.

Jetzt war es aber zu spät also stand ich dann auf und verschwand ins Bad, Rafa ist ja vermutlich gerade in dem anderen Bad. Hoffentlich ist er jetzt nicht sauer deswegen, ich habe keine Lust auf neuen Stress wegen Kleinigkeiten. Als ich wieder aus dem Bad kam, war Rafa zufällig eben im Flur. Er blieb stehen und sah mich an als wenn er wartet bis ich zuerst etwas sagte. Ich lief näher zu ihm und machte ein übertrieben betroffenes Gesicht. „Es tut mir leid wegen vorhin. Ich wollte nicht ewig mit ihr reden und ich will es auch nicht auf sie alleine schieben aber ich wollte schon wissen wie schnell sich das herumspricht“ Er verzog keine Mine und zuckte dann etwas hilflos mit den Schultern.
„Was soll ich sagen, ich kann es offensichtlich nicht ändern das du stundenlang mit ihr telefonierst“ Da er noch immer so ein ernstes Gesicht machte, nahm ich erst seine Hände in meine und umarmte ihn dann. „Sieh mich nicht so an“ Sagte er plötzlich mit einem vorsichtigen Lächeln. „Warum?“ Fragte ich übertrieben ahnungslos zurück. „Du weißt genau das ich den Blick nicht ertragen kann!“ Kam es mit einem breiten Lächeln zurück. Ich werde irgendwie immer nervös wenn er mich so breit anlächelt. Das ist richtig schön wie es kribbelt und genau da liegt ja das Problem wenn wir uns nicht sehen können. „Ich kann nachvollziehen das es dich nervt wenn sie andauernd anruft und ich wäre ja auch nicht ran gegangen wenn ich nicht gewusst hätte das sie andauernd anruft bis sie mich erwischt“ “Obwohl sie nicht hier ist, geht sie mir langsam auf die Nerven. Hat die niemand anderes zum reden?“ “No, zumindest keinen mit dem sie über dich reden kann deswegen musste ich es auch immer ertragen“ Da er nichts mehr sagte und mich nur verlegen musterte, umarmte ich ihn wieder und küsste ihn spontan.
Das lenkte ihn dann wenigstens davon ab über Sara zu meckern. Zugegeben, ich dachte auch nicht mehr lange über Sara nach. Zwar wollte ich ihn erst nur kurz küssen aber es stört mich auch nicht wenn es nicht dabei bleibt. „Das können wir den ganzen Tag machen“ Kam es dann mit einem breiten Lächeln. „Was? Hier stehen?“ Fragte ich mit einem kichern zurück. „Das auch“ “Was machen wir heute eigentlich? Zum Strand gehen?“ “Mhh, klingt ganz gut“ “Das ist total komisch das du andauernd Zeit hast“ “Weiß ich aber das wird bald wieder anders also gewöhne dich besser nicht daran wobei ich mich auch daran gewöhnen könnte eine Weile faul zu sein und nur mit dir am Strand zu liegen“ “Das hältst du höchstens zwei Wochen durch“ “Deswegen fange ich dann auch wieder mit dem Training an“

11 November 2010

Chapter 69

Ich dachte schon eine Weile darüber nach. Es ist eine Sache mit jemandem zusammen zu wohnen aber nochmal was ganz anderes zu heiraten. Vor einer Weile konnte ich es mir auch nicht vorstellen mit Rafa zusammen zu wohnen aber ich kenne ihn inzwischen gut genug um den Schritt zu wagen. Er würde es vielleicht auch schaffen mich zum Heiraten zu überreden wenn er hartnäckig wäre. Ich hatte ja vor Rafa auch schon Beziehungen aber an sowas wie heiraten hatte ich noch nie gedacht. Vielleicht war auch nur der Gedanke am Anfang so erschreckend, man kann sich an vieles gewöhnen.
Sollten wir in sechs oder sieben Jahren noch zusammen sein, könnten wir da ja mal genauer drüber nachdenken. Ich weiß ja das ich viel Glück habe Rafa als Freund zu haben und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Das einzige worüber wir uns aktuell den Kopf zerbrechen sollten ist was wir in der Woche nach den US Open machen. Er hat da ja frei und wir wollten ja Urlaub machen. Nach New York spielt er ja in Thailand ein Turnier also wäre es praktisch für ihn wenn wir sozusagen in Richtung Osten fliegen um Urlaub zu machen damit er dann nicht 10 Stunden oder mehr Zeitverschiebung hat wenn er nach Thailand fliegt. „Was wäre denn wenn du die US Open gewinnst?“ Fragte ich dann aus meinen Gedanken raus, das Gesicht was er zog war auch filmreif. So total fassungslos und schockiert.
„Höre auf davon zu reden! Das wird nicht passieren!“ “Wieso nicht, du hast doch in den letzten Monaten alles gewonnen, darunter zwei Grand Slam Turniere und drei Masters 1000 falls es dir entfallen ist“ “Gracias das du mich daran erinnerst. Das ist utopisch, daran denke ich jetzt noch nicht“ “Na ja ich meine ja auch nur so. Du hast doch gesagt, dass du frei hast in der Woche danach. Jetzt nur mal rein hypothetisch angenommen du gewinnst in New York, hast du dann auch frei in der Woche danach oder musst du dann nach Madrid und hier her sozusagen um dich feiern zu lassen?“ “Das käme dann drauf an. Also besser wäre es wenn wir zwei oder drei Tage Luft haben dazwischen für den unwahrscheinlichen Fall das ich da gewinne. Um eine Pressekonferenz in Madrid oder Barcelona würde ich dann sicher nicht drum rumkommen. Wo willst du hinfahren?“ “Na ja, du hast ja gesagt du spielst dann Bangkok also fällt vieles schon weg wenn wir uns irgendwo zwischen hier und Thailand aufhalten wollen. Mauritius warst du ja schon und in Kenia war ich schon. Ich hätte gesagt Vereinigte Arabische Emirate aber da waren wir ja auch schon und du kommst da ja nächstes Jahr wieder hin“ “Silvester und dann im Februar nochmal“ “Ok, lass mich überlegen… wie wär’s mit Sansibar?“ “Wo ist das?“ Das hatte ich mir gedacht, dass er das fragt. „Eine kleine Insel im indischen Ozean vor Tansania“ “Die Inseln sind da alle gleich oder nicht? Ich meine Mauritius, Seychellen und Malediven werden sich nicht so groß unterscheiden außer das Mauritius größer als die anderen ist“ “Bleibt noch Bali aber das ist ja auch eine Insel. Wie wär‘s mit Indien oder Sri Lanka?“ Ein paar Sekunden schien er zu überlegen.
„Indien wäre nicht schlecht, da war ich zuletzt in Chennai als ich dort gespielt habe, das war vor zwei Jahren glaube ich. Wir können auch gleich nach Thailand fliegen“ Er wusste wohl nicht warum aber ich musste plötzlich lachen. „Das sind echt Probleme, die Welt ist so groß und wir haben so wenig Zeit aber gut, bleiben wir vorerst bei Indien und Thailand“ “Mir ist das nicht so wichtig. Ich bin andauernd unterwegs und richte mich da nach dir, wenn du sagst du willst nach Indien machen wir das. Solange du dabei bist ist es mir egal wo wir hinfahren“ “Egal ist das nicht, es muss schon warm sein“ Es war schon verrückt, als ich Rafa noch nicht kannte, habe ich ganz normal wie jeder andere auch Geld gespart und bin dann im Sommer mit Sara nach Spanien oder irgendwo anders im Mittelmeerraum gefahren und jetzt kann ich es mir praktisch aussuchen wo ich hin will.
Ich habe ja schon viel gesehen in diesem Jahr und hätte auch auf einen weiteren Urlaub verzichten können aber ich kann verstehen das Rafa nicht zu Hause bleiben will. Die wenigen Wochen wo er mal frei hat ist die einzige Möglichkeit das er mal irgendwohin fahren kann wo er sonst nie hinkommt während der Turniere weil die ja auch immer an denselben Orten stattfinden.

Es war schon ein bisschen komisch, dass wir unsere Ruhe hatten am Strand. Mich stört das natürlich nicht, ich bin gerne mal mit ihm alleine und muss nicht ständig Leute um mich haben. Fast fühlte es sich an als wenn wir normale Touristen wären die den ganzen Tag faul am Strand liegen. Es fällt Rafa sicher schwer den ganzen Tag faul zu sein wobei er das auch mal nötig hatte. Die letzten Monate war er ja ständig auf Achse und das er jetzt tatsächlich keinen Tennisschläger anfasst, spricht für sich. Mit dem Essen gehen bei seinen Eltern kamen wir auch um das kochen drum rum. Ich würde es zwar schon machen wenn ich müsste aber so ist es bequemer. Ich musste ja vorher noch Haare waschen und duschen also verschwanden wir um fünf vom Strand und fuhren zurück nach Porto Cristo. Nachdem Rafa ja sich erst geweigert hat mit mir zu reden bin ich froh, dass sich alles wieder entspannt hat.

„Bist du fertig?“ Warum hat er es so eilig heute? Gut, es war schon nach um acht aber das macht doch nix wenn wir 10 Minuten später erscheinen. Eigentlich ist er es doch der immer ewig rumtrödelt und erst eine halbe Stunde später erscheint. „Bin gleich fertig“ Rief ich laut von oben und zog mein Kleid noch zurecht. Im gefiel ja das Kleid so was ich letzte Woche zum Champions Dinner getragen hatte und ich wollte es ja schon gestern Abend anziehen aber dann dachte ich mir das er es sowieso nicht zu schätzen weiß weil er so eine üble Laune hatte und keinen Ton gesagt hat. Wie ich sah stand er mit verschränkten Armen an der Haustür und wartete wohl auf mich. So total genervt sieht er irgendwie auch gut aus. Das erinnert mich an meinen Exfreund, der Pünktlichkeit über alles liebte und mir daher immer einen Riesenszene gemacht hat wenn er mal drei Minuten auf mich warten musste. Das Problem werde ich mit Rafa sicher nicht haben. Ich musste kichern als ich ihn so stehen sah und lief langsam die Treppen nach unten. „Deine Eltern werden uns schon nicht gleich vermisst melden wenn wir ein bisschen später kommen“ Meinte ich dann mit einem amüsierten lächeln.
Es sah so aus als wenn er etwas antworten wollte aber er blieb stehen und sah mich nur mit großen Augen an. Ich sah kurz an mir nach unten und blieb dann vor ihm stehen. „Dir hat das Kleid doch so gefallen letzte Woche“ Meinte ich dann da er nichts sagte und mich mit einem breiten Lächeln von oben bis unten musterte. Ein wenig nervös wurde ich da schon. „Es hat zwar lange gedauert aber du siehst echt umwerfend aus. Ich versuche mich zu beherrschen aber ich weiß nicht ob es mir gelingt“ Ich sah es schon an seinem Blick, das er sich freut. „Wir sind ja auch mal wieder hier, no?“ Meinte ich nur mit einem breiten Grinsen und lief raus zum Auto. Ich dachte ja er fährt mal los als wir im Auto saßen aber er sah zu mir und dachte wohl gar nicht daran loszufahren. Ganz langsam kam er näher zu mir aber ich konnte mir das nicht so richtig erklären. Werst dachte ich er will mich küssen aber so sah es nicht aus.
„Was ist?“ Fragte ich dann einfach. „Riechst du nach Schokolade?“ Kurz musste ich überlegen. Ich war ja vorhin duschen und hatte mich danach mit einer Körperbutter eingecremt wo Kakaobutter enthalten ist. Das es so extrem riecht, hatte ich aber nicht vermutet. „Ähhm könnte sein, ich habe mich vorhin eingecremt“ Im nächsten Augenblick umschlang er mich erst und küsste mich dann. Ein wenig überrascht war ich aber schon wobei mir nicht entgangen war, das er leicht nervös ist. „Hey, was soll das denn?“ Fragte ich dann und versuchte ihn von mir fern zu halten während ich lachen musste. Wenn ich jetzt darauf einsteige, kommen wir nie in Manacor an. Er drehte sich von mir weg und sah auf das Lenkrad, der Gesichtsausdruck erinnert mich an ein kleines Kind, das etwas angestellt hat und dabei erwischt wurde. „Es tut mir leid“ Kam es dann noch ganz sachlich. Ich musste wirklich lachen, er benimmt sich schon etwas absonderlich heute. „Fahre einfach los“ Sagte ich dann nur und zwickte ihn in den Arm.

Erst dachte ich seine Eltern sagen vielleicht was weil wir statt um acht erst halb neun erschienen sind aber es störte sie wohl nicht oder sie haben einfach damit gerechnet das wir nicht pünktlich sind weil wir das nie sind. Es fiel mir schon schwer nicht an gestern Abend zu denken, es war alles genauso wie gestern. Zwar gibt es was anderes zu essen aber das andere ist gleich. Rafa tat ja gestern so als hätte ich eine ansteckende Krankheit, der Meinung scheint er heute nicht mehr zu sein.
Er rückte ja so nah es ging an mich und dabei würde es sicher nicht bleiben wenn seine Eltern nicht da wären und er sich nicht beherrschen müsste. Zwar fragte seine Mutter nicht nach was gestern los war aber ich schätze man sieht es auch daran wie wir uns verhalten was los ist. Nachdem wir uns gestern ja weitgehend ignorierten, klebte Rafa heute wie ein Klette an mir. Er neigt gelegentlich dazu zu übertreiben und zwar in beide Richtungen, entweder er beachtet mich überhaupt gar nicht oder ich kann kaum in Ruhe Luft holen. Es wunderte mich schon das er seinen Eltern noch gar nicht verkündet hatte mit welch zweifelhaften Neuigkeiten wir morgen in der Presse auftauchen. Er hatte ja damals als er überraschend bei mir aufgetaucht war auch vorher gesagt wo er ist damit die Presse nicht schneller ist. Vielleicht ist die Geschichte aber so unglaublich, dass er meint es nicht sagen zu müssen weil es sowieso niemand glaubt.
Zumindest hatten wir nicht darüber geredet wie wir damit jetzt weiter umgehen. Vielleicht sollten wir einfach abwarten was passiert. Ich ging fest davon aus, dass nichts mehr passiert bis wir wieder gehen wollten und an der Tür standen. Rafa machte einen auf geheimnisvoll und meinte, er will noch etwas sagen. Entsprechend der Ankündigung sahen uns seine Eltern dann auch dementsprechend gespannt an. Ich wusste nicht warum ich wurde da ein bisschen nervös. Er blieb neben mir stehen und hielt meine Hand fest während er es wohl absichtlich spannend macht weil es ihm Spaß macht die Leute auf die Folter zu spannen. „Wir haben uns verlobt“ Kam es plötzlich ganz ernst.

Ich wartete schon ganz ungeduldig auf den Rest aber es kam nichts mehr! Kann es sein, dass er da ein bisschen was vergessen hat? Mir blieb im wortwörtlichen Sinne die Luft weg und seinen Eltern scheinbar auch wenn ich das richtig deutete, seiner Mutter fiel ja förmlich das Lächeln aus dem Gesicht. Irgendwie standen alle da wie vom Blitz getroffen, niemand sagte einen Ton, mich inbegriffen und ich wusste vorher schon davon. Wenn er das so sagt, ist es erschreckend das zu hören. Die Stimmung war blitzschnell am kippen, komisch fand ich das jetzt nicht mehr. Ist er verrückt geworden?
„Was?“ Fragte Ana Maria dann nur nach einer scheinbar endlosen Stille, die sicher nur wenige Sekunden dauerte aber mir erschien es wie Stunden. „Na da erscheint morgen so ein Artikel in einer Klatschzeitung, die haben da was missverstanden“ Puh, war ich froh das Rafa doch noch mit der ganzen Wahrheit raus rückte. Kurz dachte ich er will das wirklich so stehen lassen. Das Gesicht seiner Mutter entspannte sich sichtbar im nächsten Augenblick. „Tue das nie wieder!“ Sagte sie dann übertrieben streng und musste dann aber auch schon darüber lachen. Ich musste mich auch erst von dem Schreck erholen, für eine kurze zeit dachte ich Rafa ist jetzt total übergeschnappt. Kann er das nicht anders machen wenn er sehen will ob er die Leute damit schocken kann?

„Bist du total übergeschnappt?“ Fragte ich vielleicht etwas zu ernst als wir wieder im Auto saßen. Rafa war sich offenbar keiner Schuld bewusst, sein Lächeln war ein bisschen zu breit dafür. „Was denn? Ich konnte doch nicht ahnen das die so reagieren. Es war nicht meine Absicht alle zu erschrecken falls du das meinst, ich dachte die merken gleich das ich sie veralbern will“ So richtig lachen konnte ich nicht darüber. Jedenfalls fand ich es nicht so unheimlich komisch wie er. Das hat er doch mit Absicht so komisch formuliert sonst hätte er ja erst gesagt das es in der Zeitung steht und dann erst die Geschichte dazu. „Ich dachte schon du sagst gar nicht mehr das es eine Zeitungsente ist“ “Hey, entspanne dich, ging ja nochmal gut“ Ich sah geradeaus auf die Straße und fand es schade das er mit dem blöden Scherz die ganze Stimmung ruiniert hat. „Wäre es so schlimm wenn es stimmen würde?“ Kam es dann plötzlich. Ich sah kurz zu ihm rüber und rollte dann mit den Augen.
Da ich nicht noch mit ihm streiten wollte, sagte ich gar nichts mehr. Die Stimmung war schon drückend und ich war froh das es nicht weit ist bis nach Porto Cristo. „Es tut mir leid, ok? Ich wollte das so nicht“ Meinte er dann plötzlich als wir wieder bei seinem Haus waren. Ich stieg aus dem Auto und machte die Tür nach mir zu. Mir ist ja klar das er wohl nicht in Betracht gezogen hat das seine Eltern am zweifeln waren ob es stimmt oder nicht. Der absolute Knaller wäre ja gewesen wenn er es nicht aufgeklärt hätte. Ich war so platt in dem Moment, das ich wohl sicher nicht dazu gekommen wäre die Story richtig zu stellen wenn Rafa es nicht getan hätte. „Das du nicht mit bedacht hast das es glaubhaft wirkt habe ich gesehen“ Meinte ich dann nur und lief ihm nach zu der Sitzecke neben dem Pool. Er antwortete nichts und das Lachen war ihm wohl inzwischen auch vergangen da er mir nur einen ernsten Blick zuwarf. Da ich mir jetzt aber nicht den ganzen Abend davon versauen lassen wollte, holte ich uns was zu trinken und setzte mich dann neben Rafa. Es lief eben blöd aber jetzt ist es zu spät und seine Eltern werden ihm das schon nicht übel nehmen. Vorhin fand er seinen Witz ja noch ganz toll aber inzwischen sah er mich nur noch todernst von der Seite an.
Ich habe auch keine Lust jetzt den Rest des Abends darüber zu reden also drückte ich ihm sein Glas in die Hand. „Denke einfach nicht drüber nach“ Meinte ich dann um die Stimmung zu retten. Er sah gedankenverloren auf sein Glas und trank dann einen Schluck. „Ich hätte nicht gedacht, dass die wirklich denken das es stimmen könnte“ Kam es dann leise während er wohl in dem Glas sein Horoskop zu suchen scheint. „Na ja, du bist alt genug um das selbst zu entscheiden. Es gibt ja so verrückte die schon mit 18 heiraten“ Ich wollte ja die Stimmung auflockern aber es gelang mir nur teilweise, er zog immer noch so ein ernstes Gesicht. „Schon aber ich dachte das meine Eltern mich kennen und das einschätzen können wenn ich sowas sage“ Es war zwar nicht zum lachen aber ich musste spontan lachen, es hatte was wie er das sagte und so ein ernstes Gesicht dabei zog. „Das ist mein schlechter Einfluss auf dich“ Meinte ich nur mit einem feixen, immerhin lächelte er mal kurz. „So schlecht kann dein Einfluss auf mich nicht sein denn sonst hätte ich in diesem Jahr keine zwei Grand Slam Turniere und fünf Masters Turniere gewonnen“
Kurz überlegte ich, wenn er das so sagt... „Ich war nicht in Madrid und du hast trotzdem gewonnen“ Stellte ich fest und war froh das er mich nicht mehr so todernst ansieht. „Wir haben ja telefoniert, das zählt mit“ “Und das Jahr ist noch nicht um! Wenn du die US Open nicht gewinnst, kannst du gleich in New York bleiben!“ Ich musste über mich selbst lachen, das muss schon fast wie ein Drohung bei Rafa angekommen sein. Seinem Lächeln nach zu urteilen freute er sich darüber. „Du musst jetzt noch drohen das du nur nach New York kommst wenn ich im Finale spiele“ Bisher war das auch mein Plan. Das Halbfinale und Finale will ich schon live sehen falls er soweit kommt. „Sí! Es soll sich ja auch lohnen, ich will nicht umsonst so weit fliegen“ “Früher hat es dir auch gereicht mich nur zu sehen und jetzt verlangst du das ich ins Finale komme“ “Du tust ja gerade so als wäre das etwas absolut unmögliches“ “Es ist wirklich schwierig ins Finale zu kommen“ “Das streite ich gar nicht ab aber es läuft doch eben so gut da kannst du das Ding auch noch mitnehmen. Dich wird keiner als gierig bezeichnen nur weil du Trophäen sammelst wie andere Briefmarken“ “Du müsstest dich mal reden hören“ Als er das sagte, musste ich an Sara denken.
Die hatte ja auch schon oft bemerkt, das ich inzwischen so über Tennis rede als wenn ich mich seit Jahren damit befasse. Ich lehnte mich seitlich an ihn und legte meinen Kopf an seine Schulter. „Wenn du nicht gewinnst kann ich auch damit leben aber mir ist es lieber du gewinnst weil du sonst so eine üble Laune hast“ “Du kannst mich ja trösten“ Ich musterte ihn eine Weile und küsste ihn dann spontan am Hals nur war seine Reaktion anders als ich dachte. Statt darauf einzugehen fing er an zu kichern und hörte gar nicht mehr auf, mir war nicht bekannt das er kitzelig ist. Über mich macht er sich lustig und dann lacht er selbst. Ich wollte es ausnutzen und ihn ärgern aber er sprang auf und flüchtete vor mir. So einfach kommt er mir aber nicht davon, ich verfolgte ihn hartnäckig. Kurz kam mir der Gedanke in den Kopf das wir froh sein können das wir hier alleine sind und uns niemand sieht. Es siehst bestimmt bescheuert aus wie wir quer durch das Haus rennen und fangen spielen.

„Bleib stehen!“ Rief ich zum tausendsten Male aber er verschwand laut kichernd die Treppen nach oben. Ich lief langsam die Treppen nach oben um in Ruhe Luft zu holen und dachte manchmal ist er wie ein kleines Kind und er macht sich gar nichts daraus. Er blieb oben an der letzten Stufe stehen und wartete wohl auf mich. „Wie alt bist du? Vier oder fünf Jahre?“ Fragte ich als ich mit ihm auf einer Stufe stand. „Fünfeinhalb“ Kam es breit grinsend. “Gut, dann schreibe ich in meine Bewerbungen alleinerziehend“ “Du suchst ja nur einen Grund um mich zu schikanieren“ Ich hielt seine Hände fest damit er nicht wieder wegläuft und küsste ihn kurz. „Stimmt und wenn du nicht gleich aufhörst, fange ich sofort damit an und wir schlafen getrennt“ Erst dachte ich er gibt mir eine freche Antwort aber er umarmte mich nur und sah mich mit einem leicht überheblichen grinsen an. „Wollen wir wetten das du in meinem Bett schläfst?“
Ich sah in seine Augen und schluckte kräftig da ich ein wenig nervös wurde. Seine Hand wanderte unter meinem Oberteil langsam meinen Rücken nach oben während er mich interessiert musterte. Ertrinken könnte ich in seinen Augen und er weiß nur zu genau wie er mich einwickeln kann. Ich überlegte kurz aber es gab keinen Ausweg da ich weiß das er es sonst erst recht darauf anlegt mich in sein Bett zu locken und ich sowieso irgendwann schwach werde. „Dabei kann ich ja nur verlieren“ “Einsicht ist der erste Weg zur Besserung und du wirst es nicht bereuen“ “Nimm' den Mund nicht so voll!“ Eigentlich wollte ich das richtig ernst sagen aber es gelang mir nicht da er mich so schön anlächelte und ich langsam die Kontrolle über mich verlor. „Komme mit“ Meinte er nur und zog mich an der Hand hinter sich her in Richtung Schlafzimmer.