Ich war total aufgeregt, als wir am Abend zu meinen Eltern fuhren. Sie freuen sich schon länger darauf Rafa wieder zu sehen und wären wohl auch glücklich wenn wir nur so vorbeikommen. Von der Überraschung ahnen sie ja noch nichts. Zwar werden sie sich denken können, dass es auf die Dauer nervig ist immer hin und her zu fliegen aber manchen Leuten macht sowas ja Spaß und die machen das jahrelang so. Nun, für mich ist das keine Option auf längere Sicht. Ich bin dann doch lieber an einem Ort. Man sieht es ja an nächster Woche. Nachdem Berlin ja ins Wasser fällt, fliege ich also doch nach Mallorca nächstes Wochenende auch wenn ich mich ärgern werde die Flüge nach Berlin einfach verfallen zu lassen. Rafa hat mir auch angeboten die zu bezahlen aber darum geht es nicht, die waren ja ein Superschnäppchen, es geht nur um das Prinzip. Im Moment bin ich aber damit beschäftigt mich moralisch auf meine Eltern einzurichten. „Ich bin echt gespannt“ Sagte ich als wir vor dem Haus waren und klingelten. Das war noch harmlos ausgedrückt, total zappelig war ich. „Sie werden es schon irgendwie überleben. Wegen mir musst du es nicht unbedingt heute sagen“ “Ich will dich aber dabei haben“ Rafa sagte nichts mehr und sah mich nur an. Damit wird ihm klar sein, dass es nur heute geht. Wer weiß ob er überhaupt nochmal hier her kommen wird. Komische Vorstellung, man kann an einer Hand abzählen wie oft er hier war seit ich mit ihm zusammen bin. Wenn ich wirklich umziehe, kommt er doch höchstens einmal im Jahr hier her um meine Eltern zu sehen oder vielleicht auch gar nicht. Er hat mehr oder minder deutlich gemacht, das er auch meine Eltern zu Turnieren einlädt wenn sie Lust haben zu kommen. Davon wissen die aber noch nichts. Mein Vater würde jedes Turnier mitnehmen wenn er könnte. Vielleicht ergibt sich ja was bei den US Open. Ich fahre ja sowieso hin also können meine Eltern theoretisch auch mitkommen wenn sie Lust und Zeit haben.
Ich freute mich ja auch meine Eltern zu sehen aber sich schienen sich mehr darüber zu freuen Rafa zu sehen als mich. Meine Mutter umarmte Rafa und schien ihn nie wieder loslassen zu wollen, ich stand daneben und musste mir ein dämliches grinsen verkneifen. Seinem Gesicht nach zu urteilen hat er auch nicht damit gerechnet, meine Eltern lieben ihn nun mal. Wir hatten uns darauf geeinigt, das er erstmal das mit den Turnieren sagt, also das meine Eltern kommen können. Wie ich schon erwartet hatte, spitzte mein Vater auch gleich beide Ohren als Rafa anfing von den US Open zu reden. Meine Mutter interessiert sich eigentlich nicht für Tennis aber sie würde sicher trotzdem mitkommen. Zwar sagten meine Eltern nicht sofort, dass sie nach New York kommen aber ich sah schon an dem Gesicht von meinem Vater, dass die Entscheidung längst gefallen war. Vielleicht wollte er Rafa nicht so sehr schocken indem er gleich total begeistert zusagt. Er kann doch bestimmt kaum noch ruhig schlafen alleine von dem Gedanke in New York live das Finale der US Open zu sehen. Der Abend verlief richtig gut aber ich konnte mich nicht so recht entspannen weil da ja noch was war. Bisher dachten meine Eltern ja wirklich das wir nur so vorbeigekommen waren. „Es ähhm, gäbe da noch was zu verkünden“ Meine Eltern sahen mich neugierig an aber sie ahnten sicher nichts wichtiges weil sie wohl glauben, dass die Einladung nach New York das Hauptereignis ist, man kann sich täuschen. Ich wurde richtig nervös und rutschte unruhig auf dem Stuhl rum. Rafa hielt zwar meine Hand unter dem Tisch aber das half mir nicht wirklich. Der beste Weg wäre wohl es direkt zu sagen da ich sonst ewig rumeiere. Plötzlich wollte ich es doch nicht mehr sagen aber jetzt sahen mich meine Eltern so gespannt an. Da muss ich jetzt durch. „Ich ziehe nach Porto Cristo“ Sagte ich dann direkt nach dem ich tief Luft geholt hatte und mich überwinden konnte. Beinahe wäre ich über meine eigenen Worte erschrocken, es fühlte sich merkwürdig an den Satz laut zu sagen. Mit Rafa habe ich ja auch schon drüber gesprochen aber er hat es wohl geahnt, meine Eltern hatten ja gar keine Vorahnung. Es passierte erst gar nichts, die Sekunden vergingen und ich schwitzte immer mehr. Was werden sie sagen? Sagen sie überhaupt was sie wirklich denken wenn Rafa dabei ist? „Was?“ Fragte meine Mutter dann nur und sah mich ungläubig an. Es überrascht sie also doch... und ich war nicht sicher ob sie nicht gleich jegliche Höflichkeit vergisst und ausflippt. „Na ja, es ist nervig mit dem hin und her immer und da kann ich auch nach Mallorca ziehen“ Versuchte ich dann die explosive Stimmung etwas zu entschärfen. Ich sah kurz neben mir zu Rafa und seinem Gesicht nach zu urteilen war er auch gespannt wie sie reagieren. Meine Eltern warfen sich wieder gegenseitig stumme Blicke zu. „Das ist jetzt keine fixe Idee oder?“ Fragte mein Vater dann endlich mal vorsichtig. Ich schüttelte leicht mit dem Kopf. „Nein, ich überlege das schon länger. Es geht eigentlich auch nur Ende des Jahres wenn Rafa mal ein bisschen Zeit hat. Ich meine, es ist nicht so das wir überlegen es zu machen oder nicht. Theoretisch steht die Entscheidung fest. Ich hätte es ja auch andeuten können aber es war immer unpassend in letzter Zeit und ich wollte Rafa dabei haben wenn ich es sage“ Etwas schockiert waren sie wohl schon aber damit hatte ich gerechnet. Ein bisschen hatte ich auch Angst, dass sie versuchen mich davon abzuhalten. „Das ist jetzt wirklich eine Überraschung...“ Ich saß weiter wie auf heißen Kohlen und wollte eigentlich hören was sie davon halten und nicht ob sie überrascht sind oder nicht. „Ich habe geahnt, dass es euch schockiert“ Sagte ich dann leise und schluckte kräftig. „Wenn ihr das unbedingt so machen wollt, dann soll es nicht an uns scheitern. Es ist deine Entscheidung am Ende, wir könnten höchstens sagen das wir es nicht gut finden weil du dann so weit weg bist“ “Sind doch nur zwei Flugstunden und es gibt unzählige Flugverbindungen hier her“ Innerlich war ich total erleichtert, dass meine Eltern jetzt keine Szene machen denn es schien mir alles ein bisschen zu einfach zu sein. Dann hätte ich mir ja gar nicht so viele Gedanken deswegen machen brauchen! Ein komisches Gefühl blieb aber bei mir, sie bleiben nur so gelassen weil Rafa hier ist. Zum Glück sagte er dann auch mal was dazu und überließ mir nicht die Unterhaltung mit meinen Eltern alleine. Ich war sogar froh das er die Details erklärte da ich so ein paar Momente Zeit hatte mich wieder zu beruhigen.
„Es ging ja gerade nochmal gut“ Meinte Rafa als wir uns verabschiedet hatten und zum Auto liefen. Ich war noch damit beschäftigt in Ruhe Luft zu holen. „Mhh“ Meinte ich nur und hing weiter den Gedanken nach. Da ich keine Sekunde alleine mit meinen Eltern war, blieb ihnen auch keine Möglichkeit mich ins Kreuzverhör zu nehmen. Erst rechnete ich damit das sie sagen ich bin verrückt oder sowas aber sie reagierten zu gelassen. Viel Spielraum blieb ihnen auch nicht mehr, Rafa hat sie praktisch festgenagelt mit den Tatsachen. Den groben Plan haben wir ja schon gemacht, nach dem APT Tour Finale in London hat er ein paar Wochen Zeit wo alles über die Bühne gehen soll. Inzwischen hatte ich mich etwas schlau gemacht wie ich die Dinge die ich mitnehmen will am besten nach Mallorca bekomme. Meine ganze Kleidung lässt sich ja in Koffer packen aber es gibt ja auch sperrige Sachen die zu groß sind für einen Koffer. Wenn ich einen Überseecontainer bestelle und alles über Rotterdam nach Palma verschiffen lasse, kann es unter Umständen bis zu vier Wochen dauern bis alles in Palma ankommt. Dazu hätten wir dann nicht mal ein genaues Datum wann alles in Porto Cristo ankommt. Denkbar schlecht für jemanden wie Rafa der alles auf den Tag genau planen will. Natürlich hatte Rafa sich auch schon Gedanken gemacht und als ich ihm das mit dem Schiff erläuterte, zeigte er nur mit dem Finger auf ein Flugzeug welches eben im Landeanflug auf Palma war. Der Transport als Luftfracht war auch mein erster Gedanke aber das kostet ungefähr das zehnfache von der langsamen Variante. Das war aber ein Punkt wo Rafa mal wieder nicht mit sich verhandeln lässt. Er meinte es kommt gar nicht in Frage das ich ewig auf meine Sachen warten muss. Es wird so gemacht und Punkt. Es ist ja schön genau zu wissen wann alles kommt und ich müsste auch nicht ewig auf alles verzichten da es dann innerhalb von zwei Tagen in Palma wäre aber die Kosten sind der helle Wahnsinn. Es wäre billiger gleich ein ganzen Frachtflugzeug zu chartern. „Denkst du sie kommen nach New York?“ Ich kam wieder in die Gegenwart und musste kurz überlegen was er meint. „Darauf kannst du aber wetten!“ Antwortete ich dann mit einem breiten Lächeln. „Meine Familie kommt auch. Das wäre das erste Mal das alle zusammen sind“ Die Idee schien mir auch ganz gut, hoffentlich klappte es auch. Natürlich ist mir daran gelegen das meine Eltern mal die Familie von Rafa kennen lernen. Es wäre schon lustig wenn wir dazu alle erst tausende Kilometer über den Atlantik fliegen wo Spanien viel näher wäre. Die Krönung wäre ja wenn Rafa dann noch die US Open gewinnt, alleine der Gedanke ist zu schön um wahr zu sein. Das wäre ja wie in einem Märchen. „Noch sind wir nicht in New York aber ich bin auch schon gespannt“ Rafa legte seinen Arm um meine Schulter und zog ein umwerfendes Lächeln. „Es wird dir gefallen“ “Das denke ich auch“ Ich sah kurz auf meine Uhr, es war ja noch nicht so spät. „Machen wir heute Abend noch was?“ Fragte ich ohne genauer über meine Wortwahl nachzudenken. Das tat ich erst als ich das dämliche grinsen sah, welches Rafa kurz nach meiner Frage zog. „Natürlich! Aber nicht hier, ich kann mir keinen Skandal der Art leisten“ Ich konnte nicht anders als mit den Augen zu rollen. Kann er an gar nichts anderes denken das er ständig alles zweideutig versteht? Das er auf offener Straße über mich herfällt hatte ich auch nicht erwartet. „Man, ich meinte ob wir noch was trinken gehen oder sowas und nicht was du denkst“ Inzwischen waren wir am Auto und stiegen ein. „Was denke ich denn?“ Fragte er weiter als ich losfuhr. „Ich kenne den Blick inzwischen“ Sagte ich nur trocken und sah auf die Straße. „Gut, wie du meinst. Ich verspreche das ich dir nicht zu nahe kommen werde“ “Wie lange willst du das Versprechen halten? Zehn Minuten?“ Fragte ich mit einem amüsierten feixen zurück. Zwar bemühte er sich ernst zu bleiben aber es gelang ihm nicht. „Warte es nur ab bis wir in deiner Wohnung sind!“ Aww, jetzt droht er mir schon, wird ja immer besser. „Ich kann es kaum erwarten. Gehen wir nun was trinken?“ “Von mir aus“ Kam es nur also deute ich das als ein ja. So spät ist der Abend noch nicht und wir können ja morgen ausschlafen also müssen wir nicht um zehn ins Bett gehen.
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